Was löste sie aus, diese Meldung von Real Madrid, in der just am Tag des WM-Halbfinals zwischen Frankreich und Belgien vor einem guten Monat der Transfer des portugiesischen Superstars Cristiano Ronaldo zu Juventus Turin bekannt gemacht wurde? Während ganz Turin sich nach der Nachricht im Freudentaumel befand, herrschten in der spanischen Hauptstadt komplett unterschiedliche Stimmungslagen. Schockstarre und Trauer im reichen Norden, bei den Fans von Champions-League-Sieger Real Madrid, Freude und Erleichterung in den Arbeitervierteln im Süden, dem Herkunftsort von Europa-League-Sieger Atlético Madrid.

Denn mit dem 33-Jährigen verliess im Juli so was wie der Angstgegner der Rojiblancos die Stadt. In 31 Spielen gegen den Stadtrivalen war Ronaldo an 30 Toren beteiligt - 22 schoss er selber, acht bereitete er vor. Gerade deshalb wird das erste Aufeinandertreffen der beiden Madrider Stadtklubs nach dem Abgang des fünffachen Weltfussballers im europäischen Supercup viel mit der Personalie Ronaldo zu tun haben.

Atlético-Coach Diego Simeone konnte sein Stammpersonal grösstenteils halten, einzig der Abgang von Captain Gabi war beim Gewinner der Europa League zu kompensieren. Grösser war dagegen der Umbruch bei Champions-League-Sieger Real Madrid. Neben dem gewichtigen Abgang Ronaldos waren die Königlichen vom plötzlichen Rücktritt ihres Erfolgstrainers Zinédine Zidane überrascht worden.

Zidanes Nachfolger Julen Lopetegui, der vor seinem Engagement bei Real die spanische Nationalmannschaft trainiert hatte, sieht im Abgang Ronaldos kein Problem. Auch dass bislang kein Ersatz für den Portugiesen gefunden wurde, belastet den bald 52-Jährigen nicht. "Es ist eine spannende Aufgabe, das Team ohne Cristiano neu zu erfinden, um ein wettbewerbsfähiges Team zu schaffen", sagte Lopetegui. Nachdem weder Robert Lewandowski noch Eden Hazard oder Neymar als Ersatz für Ronaldo verpflichtet werden konnten, setzt Lopetegui nun auf den Waliser Gareth Bale.

Mit 70 Toren aus 126 Ligaspielen weist auch der 29-Jährige für Real eine Topquote aus. Bei den Fans ist Bale dennoch weniger beliebt als sein Vorgänger. Dies liegt einerseits an seiner Verletzungsanfälligkeit, andererseits auch an seiner bisher schwachen Ausbeute in den Prestigeduellen mit dem Stadtrivalen. In 16 Spielen gegen Atlético glückte Bale erst ein Treffer. Mit Toren und Vorlagen in Tallinn gegen die robuste Atlético-Verteidigung könnte nun ausgerechnet Bale dafür sorgen, dass die Stimmungslage der Fans in der spanischen Hauptstadt wieder umschlägt.