«Benfica Lissabon bleibt für mich Favorit», sagt Raphael Wicky und sorgt damit für etwas Verwunderung. Immerhin ist der heutige Gegner des FC Basel abgeschlagener Gruppenletzter mit null Punkten aus fünf Spielen. «Sie sind das Team aus Topf 1, ein grosser Verein, ein Traditionsklub und haben gute Spieler», begründet der Cheftrainer des FC Basel seine Aussage. «Auch wenn wir in einer guten Ausgangslage sind.» Nur: Die Ausgangslage als gut zu bezeichnen, grenzt an Understatement. «Das stimmt», relativiert Wicky. «Ich glaube, wir haben alle geträumt, dass es so kommt.

Wenn man uns das im Sommer gesagt hätte, hätten wir alle sofort unterschrieben, solch ein Endspiel zu haben mit der Sicherheit, europäisch zu überwintern.» Denn egal, was heute passiert: Der FC Basel spielt nächsten Frühling sicher international. Die Basler befinden sich vor diesem finalen Gruppenspiel auf Rang zwei, direkt hinter Manchester United und vor dem punktgleichen ZSKA Moskau. Holen die Basler mehr Punkte als die Russen, sind sie in der Champions League weiter. Gewinnt Moskau in Manchester jedoch mit mehr als drei Toren Unterschied, dann rutscht der FCB auf Rang drei und in die Europa League ab.

ManU kann helfen

 «Wir sind uns bewusst, dass Manchester uns helfen könnte mit einem Sieg gegen Moskau. Und natürlich hoffen wir, dass sie das tun werden.» Aber für den FCB-Cheftrainer ist klar: man muss einfach gegen Benfica gewinnen, dann sollte es reichen. Ähnlich sieht es auch der Mann der Stunde, Michael Lang: «Es muss sehr blöd laufen, damit wir trotz eines Sieges ausscheiden.»

Fast schon unglaublich: Verteidiger Michael Lang trifft und trifft für Basel.

Fast schon unglaublich: Verteidiger Michael Lang trifft und trifft für Basel.

Angesichts des historischen und grandiosen Hinspiels darf mit einem Sieg gerechnet werden. Denn kann der FCB auch nur annähernd an die Leistung im Hinspiel anknüpfen, dann ist vieles möglich. Auch, wenn diverse FCB-Exponenten glauben, die Portugiesen wollen ihren Stolz und ihre Ehre mit einem Sieg im heimischen Stadion wiederherstellen. Doch so, wie es den Baslern im Moment läuft, kann man sich nicht vorstellen, dass sie gegen ein in der Königsklasse derart schwaches Benfica stolpern. Abgesehen vom Ausrutscher gegen ZSKA zu Hause ist der FCB seit dem 20. September ungeschlagen, strotzt geradezu vor Selbstvertrauen. So sehr, dass Sportchef Marco Streller sagt: «Im Moment macht es Spass.

Wir befinden uns in einer Leichtigkeit des Seins.» Die aktuelle Lage gibt, ihm, der schon zu Beginn der Champions-League-Kampagne vom Achtelfinal träumte, recht. «Ich muss zugeben, das war eine mutige und offensive Aussage. Und ich hätte auch nicht gedacht, dass es gleich so optimal laufen würde.» Aber die neun Punkte und die perfekte Ausgangslage seien am Ende verdient, denn «wir haben dreimal zu null gespielt und jeden Gegner einmal geschlagen.»

Gute Kampagne in schwieriger Gruppe

Der Achtelfinal ist also zum Greifen nah. Ein Abrutschen in die Europa League wäre eine Enttäuschung, oder? «Prinzipiell nicht», meint Wicky zwar, «wenn man diese schwierige Gruppe anschaut.» Aber: «Sollte es nach der aktuellen Konstellation so kommen, dass wir in Anführungszeichen nur in der Europa League überwintern, dann wäre die Enttäuschung am Anfang wahrscheinlich sicher da», muss er zugeben. Mit etwas Abstand aber würden dann aber alle realisieren, welche wirklich gute Kampagne man in einer schwierigen Gruppe gespielt habe, so Wicky.

Doch eigentlich will er gar nicht daran denken. «Wenn du so nahe am Ziel bist, dann willst du auch das Höchstmögliche erreichen.» Deshalb schickt er seine Mannschaft von Anfang an auf den Platz, um zu gewinnen. «Den Chip während des Spiels zu wechseln, ist unmöglich. Deshalb werden wir von Beginn an diese Einstellung und Mentalität auf den Platz bringen. Auch wenn es schwer wird», sagt Wicky.

Glaubt man Sportchef Streller, dann «kann unsere Mannschaft sowieso nur auf Sieg spielen.» Der Nebeneffekt eines Sieges wäre ein neuer Rekord, denn zwölf Punkte hat der FCB in der Champions League noch nie sammeln können. «Das wäre schön, aber solange wir weiter sind, ist es mir auch egal, wenn wir nur neun Punkte haben.»