Irgendwie war der Kampf gegen Jasmin Hasic nur Nebensache. Sowohl der in der 5. Runde durch Aufgabe des Gegners siegreiche Prattler Boxprofi Arnold Gjergjaj wie auch die zahlreichen Zuschauer in der Kaserne Basel hatten andere Prioritäten.

Gjergjajs Gegner muss in der 5. Runde verletzungsbedingt aufgeben.

Gjergjajs Gegner muss in der 5. Runde verletzungsbedingt aufgeben.

Gjergjaj packte nach Kampfende das Mikrofon und sprach … über die Niederlage gegen David Haye im Mai. «Ich habe 2016 nicht gerade ein glückliches Jahr gehabt», sagte die Kobra. Den aktuellen Kampf erwähnte der 32-Jährige mit keinem Wort, obwohl die ursprüngliche Frage lautete, wie er seinen Sieg gegen den 27-jährigen Bosnier kommentiere.

Es schien, als wolle sich Gjergjaj zum wiederholten Mal bei seinen Anhängern dafür entschuldigen, gegen Haye versagt zu haben. «Nur wenn die Leute hinter mir stehen, komme ich weiter», sagte der sanftmütige Hüne und winkte dem Publikum fast verlegen zu.

Die Fans hatten ihm die krachende Niederlage in London längst verziehen. Für sie bleibt Arnold Gjergjaj ein unantastbarer Held. Bereits bei seinem Einmarsch mit Musik der kalifornischen Kultband «Red Hot Chili Peppers» hielten die Zuschauer Hunderte von Mobilgeräten in die Höhe, um den magischen Moment festzuhalten.

Die Gjergjajs erwarten ein Kind

Nach dem Kampf brachen im Publikum alle Dämme. Eine lange Schlange bildete sich in Richtung Boxring. Jeder und jede lechzte nach einem Selfie mit dem Idol. Arnold Gjergjaj wurde gefeiert wie ein Popstar. Und der Baselbieter spielte seine Rolle als «Everybodys Darling» wie immer gekonnt. Mit Engelsgeduld schüttelte er Hände, umarmte Bekannte und lächelte im Endlosmodus in die Kameras.

Seine Popularität in der Basler Heimat, gerade in Kreisen von kosovarischen Einwanderern, ist ungebrochen. Die Stimmung des Abends erreichte ihren Höhepunkt, als Arnold Gjergjaj kurz nach Mitternacht das Geheimnis lüftete und verriet, dass er und seine Frau in sechs Monaten ihr erstes Kind erwarten.

Der Comeback-Abend erfüllte also in jeder Beziehung seine Pflicht. Ein weiterer Sieg zum Ausbau des Palmarès von 30 Siegen in 31 Profikämpfen (davon 22 durch K.o.). Balsam für die geschundene Seele.

Oder wie es Arnold am Tag nach dem Kampf ausdrückte: «Für mich war es enorm wichtig, als Sieger aus dem Ring zu steigen.» Er wollte bei der Rückkehr vor allem souverän boxen und attestierte dem Gegner, «obwohl er nicht gerade athletisch aussah, boxerische Fähigkeiten. Schade, dass er aufgeben musste.»

Der Verlauf des Kampfes ist schnell erzählt. Die Kobra begann sehr vorsichtig und beschaulich. «Vielleicht zu vorsichtig», wie er rückblickend erkannte, denn der Gegner blieb während der gesamten Kampfdauer wirkungslos. Er war nicht mehr als der Hasic vor der Schlange … In der vierten Runde musste sich der deutlich übergewichtige Bosnier anzählen lassen. Ab diesem Zeitpunkt war es eine Frage der Zeit, bis Gjergjaj den Kampf entscheiden würde.

Gjergjajs Gegner wird in der 4. Runde angezählt.

Gjergjajs Gegner wird in der 4. Runde angezählt.

Die Kobra muss sich steigern

Boxerisch war der Auftritt des Schweizers mit kosovarischen Wurzeln kein Leckerbissen. Der im Vergleich zum Kampf gegen Haye fünf Kilogramm schwerere Gjergjaj (112 kg) muss in allen Belangen zulegen, will er eines Tages seinen Traum wahr machen und einen bedeutenden Schwergewichtler auf die Bretter schicken.

Dafür braucht es mehr Beweglichkeit bei der Fussarbeit, mehr Schnelligkeit in seinen Aktionen und eine höhere Präzision bei den Treffern. Um dies zu erreichen, will der 32-Jährige aus Pratteln im neuen Jahr auch sein Umfeld professionalisieren und die Zusammenarbeit mit einem renommierten Trainer suchen.