Gedopte Athleten zu überführen, ist heute so vielfältig wie noch nie. Neben der traditionellen positiven Urin- oder Blutprobe führen immer öfter auch Recherchen von Investigativjournalisten, Untersuchungen der Wada-Kriminologen oder Meldungen von Whistleblowern zum Erfolg. Beim jüngsten Dopingfall in der Schweiz half sogar der Zoll mit!

Der französische Handballspieler Arthur Gardent, der beim RTV Basel in der NLB unter Vertrag stand, wurde bei der Einreise mit verdächtigen Tabletten im Gepäck ertappt. Dank dem neuen Sportfördergesetz besteht seit 2013 ein Informationsaustausch zwischen den Zollbehörden und der nationalen Antidoping-Behörde.

Damit konnte man den 21-Jährigen überführen und für vier Jahre sperren. Denn eine Dopingprobe bestätigte: Gadients Tabletten erhielten das Anabolikum Metandienon.

Die Zusammenarbeit mit der Schweizer Zollbehörde brachte für Antidoping Schweiz aber auch eine neue Verpflichtung. Seit 2013 muss sie abgefangene Pakete mit Medikamenten, die mutmasslich auf der Dopingliste stehen, einziehen und untersuchen. 2017 war das eine Rekordmenge von 624 Sendungen.

Christina Weber, eine frühere Mitarbeiterin von Antidoping Schweiz, widmete ihre Dissertation der Analyse dieser bestellten Dopingmittel. Während zweier Jahren wertete sie 1825 verschiedene Dopingprodukte aus, die vom Zoll konfisziert wurden. Die Resultate sind erstaunlich.

Nur ein Prozent der Adressaten waren Schweizer Leistungssportler. Neunzig Prozent der Empfänger betreiben gar keinen Wettkampfsport. Populär ist die Verwendung dieser Dopingmittel vielmehr bei Bodybuildern und Besuchern von Fitnesscentern.

Dabei geht es nicht um die Steigerung der sportlichen Leistung, sondern um Zunahme von Muskelmasse oder gesteigerte Fettverbrennung. Bei drei Vierteln aller Fälle ging es um anabole Steroide, häufig Testosteron. Die Dopingmittel stammen zu einem beträchtlichen Teil aus Asien. Erschreckend ist die mangelnde Qualität: nur 20 Prozent enthielten, was die Packung versprach.

Bisweilen ist es nicht empfehlenswert, eine wissenschaftliche Arbeit zu genau zu lesen. Denn was erfahre ich im Kleingedruckten! Im Auftrag meiner Frau brachte ich im letzten Herbst DHEA-Tabletten aus den USA mit.

Die Wunderpillen versprechen so etwas wie ewige Jugend und sind in Übersee frei erhältlich. Sie produzieren aber auch Testosteron, sind deshalb in der Schweiz verboten und stehen auf der Dopingliste. Ich also ein Doping-Schmuggler! Zum Glück wurde ich nicht erwischt. Sonst erschiene die nächste Kolumne erst in vier Jahren.