Die Stelvio in Bormio zeigt in diesen Tagen ihre Krallen. Die Kombination aus diffusem Licht, unruhiger Piste und blankem Eis ist dafür verantwortlich, dass die Skifahrer eine der schwierigsten Aufgaben der vergangenen Jahre zu meistern haben.
Die Abfahrt in Bormio ist zugleich die letzte des Jahres. Zeit, um den Formstand der Schweizer Speed-Athleten etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

1 Beat Feuz

Der Emmentaler hat die Form aus der vergangenen Saison konserviert – mindestens. Das heisst einiges, denn den vergangenen Winter bezeichnete Feuz selbst als «nahe am Optimum». Das elfmal operierte linke Knie spielt bislang mit. Mehr noch: Feuz spürt auch aktuell eine leichte Verbesserung im Vergleich zu vergangenen Zeiten.

Früher musste sich Feuz aufgrund seiner Beschwerden auf wenige Höhepunkte einer Rennsaison konzentrieren. Mittlerweile ist dem 31-Jährigen in der Abfahrt auf jeder Piste im Weltcup ein Podestplatz zuzutrauen. Auch auf der Stelvio in Bormio. In dieser Verfassung zählt Feuz zu den ersten Anwärtern auf den Sieg in den Klassikern von Wengen und Kitzbühel, aber auch bei der WM-Abfahrt in Are.

2 Mauro Caviezel

Beim Mann aus Lenzerheide ist nach viel Verletzungspech der Knoten geplatzt. Bereits drei Podestplätze erreichte der 30-Jährige, davon einen in der Abfahrt. Seine letzte grössere Verletzung liegt über zwei Jahre zurück. Das zahlt sich nun aus. «Er hat bereits in der Vorbereitung gezeigt, dass er, zumindest bei uns, zu den Besten gehört», sagt Männer-Cheftrainer Thomas Stauffer. Nun beweist er auch im Weltcup, dass er den internationalen Vergleich nicht scheuen muss.

3 Carlo Janka

Der Riesenslalom-Olympiasieger von 2010 braucht noch Zeit. Nach dem Kreuzbandriss, den er sich in der vergangenen Saison zugezogen hatte, ist er noch nicht in der Verfassung, um Spitzenplätze einzufahren. Platz elf in der Abfahrt von Beaver Creek ist bislang das Bestergebnis. «Was er braucht, ist die Rennerfahrung», sagt Stauffer, der Janka eine gute Sommervorbereitung attestiert.

4 Patrick Küng

Der Glarner wechselte nach einer enttäuschenden Saison 2017/18 das Material. Der Abfahrtsweltmeister von 2015 in Beaver Creek wartet aber auch in diesem Winter noch auf eine Topklassierung, obwohl er im Sommer ein gutes Gefühl auf dem Ski hatte.

5 Niels Hintermann

Der Überraschungssieger der Lauberhorn-Kombination von 2017 verpasste aufgrund einer Schulterverletzung die ganze Saison 2017/18. Mit zwei Top-15-Klassierungen hat er sich nun zurückgemeldet. Die Verletzung scheint dem Talent des 23-Jährigen aber nicht geschadet zu haben. «Er ist auf dem richtigen Weg», sagt Stauffer, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass Hintermann eine ganze Saison verpasst habe und Geduld brauche.

Die Zukunft

«Es kann immer besser sein», sagt Stauffer über die Aussichten des Speed-Teams. Die ein oder andere gute Klassierung mehr hätte er sich schon gewünscht. Die Verletzungen von Marc Gisin und Urs Kryenbühl sowie das bislang ausbleibende Resultat von Gilles Roulin kommen dem Team nicht gelegen. Und Junioren-Weltmeister Marco Odermatt ist noch ein Lehrling – zumindest in der Abfahrt.