«Wo ich in der nächsten Saison spiele, weiss ich noch nicht», meldet Pacar aus dem Land, aus dem seine Eltern vor 35 Jahren in Richtung Schweiz ausgewandert sind. «Aber es ist nicht davon auszugehen, dass ich weiter in Rumänien spielen werde.»

Zwar hatte er im Winter bei Petrolul Ploiesti einen Vertrag bis 2017 unterschrieben, doch nach dem Abstieg ist dieser nicht mehr gültig. Zudem ist noch offen, wie es mit dem von Finanzproblemen geschüttelten Verein weitergeht, ob er Konkurs anmelden muss oder in der 2. Liga weiterspielen kann. Und viele Spieler, darunter auch Pacar, haben noch Geld zugute. Dass sie es noch bekommen, ist eher unwahrscheinlich.

Janko Pacar im Trikot des SC Kriens.

Janko Pacar im Trikot des SC Kriens.

Mit einigen Hoffnungen war er im Januar nach Rumänien geflogen. Bei Servette hatte der Luzerner gute Leistungen gezeigt, doch als Trainer Kevin Cooper nach Wil ging und die Genfer zögerten, Pacars Ende Jahr auslaufenden Vertrag zu verlängern, nahm er das Angebot von Petrolul an. «Ich konnte in der 1. Liga spielen. Der Klub war 2013 Cupsieger geworden und der ausgehandelte Lohn war auch nicht schlecht», sagt Pacar.

Zwar ist vieles anders herausgekommen, als er es sich vorgestellt hatte, doch der 25-Jährige verliert kein schlechtes Wort über seinen vormaligen Arbeitgeber. «Es war für mich eine lehrreiche Zeit», sagt Pacar, «ich schätze jetzt viele Dinge wieder mehr, die zuvor selbstverständlich gewesen waren.» Er empfand Ploiesti, vor allem im Winter, als eine düstere Stadt mit Wohnblöcken, die noch aus der Zeit des Kommunismus stammten.

«Ploiesti ist eine graue Industriestadt, die nicht unbedingt zum Verweilen einlädt», sagt Pacar. «Die Rumänen sind offen und hilfsbereit, aber mit der Sprache ist das für einen Ausländer so eine Sache. Von den älteren Leuten sprechen kaum welche englisch. Ich hatte gedacht, mit meinen Kenntnissen in Italienisch und Französisch sei mir das Rumänisch nicht besonders fremd», sagt der gelernte Bürokaufmann, «aber da habe ich mich gewaltig getäuscht.»

Ab und zu ist er mit ein paar Teamkollegen in der freien Zeit nach Bukarest gefahren. «Man kann dort gut essen und es gibt schöne Parks.» Allein in der Wohnung seien die Abende manchmal aber schon lang gewesen, sagt Pacar. Und das Heimweh habe sich auch immer mal wieder gemeldet. Immerhin ist die Freundin zwei Mal zu Besuch gekommen.

Der frühere Schweizer Junioreninternationale, der als 17-Jähriger beim FC Luzern in der Super League debütiert hatte und unter den Trainern Sforza und Fringer als Flügel 49 Partien in der höchsten Spielklasse bestritt, hat in einer Siedlung zwischen Bukarest und Ploiesti gewohnt. Auch andere Spieler waren hier untergebracht, zusammen fuhren sie die 40 Minuten ins Training.

«Petrolul hat ein schmuckes Stadion und fantastische Fans», sagt Pacar. Obwohl die Resultate enttäuschend waren, seien sie immer zum Team gestanden und hätten die Spieler nie angepöbelt», erzählt Pacar.

Er selber hatte einen guten Start, musste dann aber unter dem neuen Trainer Ionel Ganea, einem früheren Spieler von St. Gallen und GC, einige Mal auf der Bank sitzen. Insgesamt brachte es Pacar auf elf Spiele in der Liga 1. «Die rumänische Liga ist eine gute Liga. Ich habe tolle Fussballer gesehen und mich gefragt: Warum spielen die nicht in Deutschland, Spanien oder England?», sagt Pacar.

«In Rumänien wird etwas härter gespielt als in der Schweiz. Doch die Mannschaften sind auf dem Platz weniger gut organisiert, als Spieler fühlt man sich manchmal ziemlich auf sich alleine gestellt», sagt der Schweizer.

Rumänien fehlt die Erfahrung

Es ist Pacar nicht entgangen, wie im Frühjahr die Fussballeuphorie im Land immer grösser geworden ist, je näher die EM heranrückte. «Ich habe Rumänien beim 0:0 gegen Spanien gesehen», sagt Pacar. «Die Mannschaft kann zwar für jeden Kontrahenten ein sehr zäher Gegner sein, weil sie gut verteidigt.

Doch ich glaube nicht, dass sie in Frankreich sehr weit kommt. Es fehlt die Endrundenerfahrung. Die Schweiz stufe ich eindeutig stärker ein.» Und dass die Rumänen am Freitag im Eröffnungsspiel gegen den Gastgeber etwas holen könnten, hält Pacar eigentlich für ausgeschlossen. Doch gerade er weiss, dass es im Fussball längst nicht immer wie geplant kommt.