Stellen Sie sich vor, es ist Cup-Achtelfinal und keiner geht hin. Gerade einmal 2123 Zuschauerinnen und Zuschauer – so wenige waren es in der laufenden Saison noch nie – verirrten sich gestern Abend ins Stadion Brügglifeld. Dabei wurde dort grosses Kino geboten: Der FC Aarau besiegte den oberklassigen FC Lugano mit 2:0.

Und wie der Challenge-League-Klub das tat. Mit viel Kampf, mit viel Krampf und mit noch mehr Herzblut. Und so verwandelte sich die eigentlich trostlose Kulisse mit Fortdauer der Partie immer mehr zu einem der Affiche würdigen Rahmen. Das mündete darin, dass die Zuschauer noch Minuten nach dem Schlusspfiff des tadellosen Schiedsrichters Adrien Jaccottet applaudierend auf der Tribüne standen – und ihren FCA feierten.

Wenig hatte in den vergangenen Wochen darauf hingedeutet, dass die Aarauer gegen den Super-League-Klub aus dem Tessin zu einer solchen Leistung fähig sein würden. Am ehesten noch die erste Halbzeit in Chiasso vier Tage zuvor. Bei der unglücklichen 1:3-Niederlage vom vergangenen Samstag hatte der FCA in erster Linie vor der Pause mit schnellen Kombinationen zahlreiche Chancen kreiert, aber nur eine davon zu verwerten gewusst

Gegen Lugano startete das Heimteam gleich mit viel Offensivkraft. Die Mannschaft war auf den Punkt bereit und übernahm von Beginn weg die Kontrolle. Nur: Der FCA liess erneut mehrere Chancen ungenutzt. Zuerst verstolperte das Angriffs-Duo Ciarrocchi/Josipovic einen frühen Konter (3.), dann sah Audino seinen Schuss nach einem Solo-Lauf auf das Lugano-Tor von Ex-FCA-Goalie Russo abgewehrt (14.) und Wüthrich scheiterte zwei Mal aus kurzer Distanz (31./37.).

Dann endlich war es so weit: Ausgerechnet Wüthrich, der bis dahin keine Akzente setzen konnte, traf in der 38. Minute zur Aarauer Pausenführung. Der nach seiner Pause in die Startformation zurückgekehrte Captain Burki leitete das 1:0 mit seinem Steilpass auf Audino ein. Dieser flankte nach einem herrlichen Doppelpass mit Ciarrocchi quer durch den Strafraum zu Wüthrich. Der Flügel bekundete keine Mühe und knallte den Ball mit voller Kraft ins Netz – vorbei am chancenlosen Russo.

Weil die Aarauer auch nach der Pause der Versuchung widerstanden, sich hinten einzuigeln und die Luganesi angreifen zu lassen, entwickelte sich eine offene Partie. Trotzdem musste FCA-Goalie Pelloni, der jeweils im Cup zum Zug kommt, kaum einmal in Not eingreifen. Klar, er bekam Bälle auf sein Tor, aber die waren mit Ausnahme eines Lattentreffers von Mihajlovic (52.) kaum einmal so richtig gefährlich. In Abwesenheit des gesperrten Abwehrchefs Besle vertraute Trainer Schällibaum auf das Duo Thaler/Thrier in der Innenverteidigung – und dieser Plan ging vollends auf. Das ist insofern erstaunlich, als dass die Viererabwehr durch die Aussenverteidiger Martignoni und Markaj ergänzt wurde, einer komplett neuen Konstellation also.

Schlussphasen-Hektik vermieden

Für die Entscheidung sorgte schliesslich der eingewechselte Tréand. Er schloss einen von ihm selbst eingeleiteten Angriff über den ebenfalls eingewechselten Rossini zum 2:0 ab. Just als es noch einmal hektisch zu werden drohte.

Der FC Aarau steht damit im Cup-Viertelfinal von Anfang März 2017 und hat der Trostlosigkeit gleich doppelt getrotzt. Einerseits liess man sich von der enttäuschenden Kulisse nicht beirren, andererseits – und das ist viel wichtiger – verhinderte man den Fall ins sportliche Niemandsland. Nachdem die Aarauer in der Meisterschaft zuletzt aus vier Partien nur einen Punkt geholt haben, ist die Konkurrenz an der Tabellenspitze der Challenge League weit enteilt. Weil der FCA dank des gestrigen Sieges im Cup-Wettbewerb überwintert, gibt es auch im Frühling noch sportlich interessante Perspektiven.

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