Usain Bolt ist nicht gut drauf und kann dem Sprint derzeit nicht den Glanz der letzten Jahre verleihen. Dieses Fazit lässt sich nach seinem Auftritt in New York ziehen. Seine Show-Einlagen waren wesentlich gehaltvoller als die Leistung auf der Bahn. In einem Feld mit lauter Nobodys setzte sich der Jamaikaner nur mit Mühe gegen Zharnel Hughes aus Anguilla durch. Justin Gatlin, derzeit Jahresweltbester über 100 m (9,74) und 200 m (19,68), wird sich ins Fäustchen lachen. Bolt scheint weit davon entfernt, in nächster Zeit ähnliche Werte zu erreichen. Somit werden bereits Spekulationen laut, ob der dreifache Weltrekordhalter seine Titel an den Weltmeisterschaften in Peking (22. bis 30. August) überhaupt verteidigen wird.

Die Zeiten in den Sprints fielen auf Grund des starken Gegenwindes nicht berauschend aus. Bei Bolt betrug dieser 2,8 m/s. Wie beim Jamaikaner waren die 10,12 Sekunden von 100-m-Sieger Tyson Gay (GW 1,7 m/s) allerdings nicht nur den äusseren Bedingungen geschuldet. Der Amerikaner legte einen schlechten Start in die Bahn und fing Keston Bledman (Tri) erst auf den letzten Metern ab.

Ein Lauf fürs Selbstvertrauen gelang dagegen David Rudisha. Kenias Weltrekordhalter über 800 m setzte sich bei seinem ersten nennenswerten Einsatz im Sommer 2015 in einem Sololauf in 1:43,58 Minuten durch.

Die einzige Jahresweltbestleistung des Meetings in New York ging bei gleissendem Sonnenschein auf das Konto der amerikanischen 400-m-Läuferin Francena McCorory. Die Hallen-Weltmeisterin blieb in 49,86 Sekunden als zweite Frau in diesem Sommer nach Sanya Richards-Ross unter 50 Sekunden.

Den Hürdenlauf über 400 m gewann Javier Culson in 48,48 Sekunden. Der 30-Jährige aus Puerto Rico meisterte ein Feld, in dem vier Läufer unter 49 Sekunden blieben. Der Europameister Kariem Hussein verzichtete auf die Reise nach New York. Der angehende Arzt gönnte sich Anfang Juni ein paar Tage Ferien. Der Thurgauer wird am kommenden Wochenende an den Team-EM in Heraklion (Grie) wieder starten.