Real Madrid in Aesch. Diesem Satz haftet etwas Surreales an. Doch am letzten Wochenende nahm tatsächlich auch eine Mannschaft des Weltklubs aus der spanischen Hauptstadt am internationalen U19-Turnier des FC Aesch teil. «Neben dem St. Jakob-Park kennt man bei Real nun auch die Sportanlage Löhrenacker», freute sich Andrea Marescalchi. Der Präsident des FC Aesch war «einfach nur stolz, dass es geklappt hat».

Die Madrilenen fühlten sich in der Schweizer Fussballprovinz jedenfalls sehr wohl. «Aesch kannten wir vorher noch nicht», gab Trainer Luis Miguel Ramis wenig überraschend zu Protokoll. Der ehemalige Primera-División-Verteidiger war «sehr glücklich» darüber, dass man teilnehmen durfte: «Wir wurden sehr gut betreut und durften uns unter optimalen Bedingungen mit starken Gegnern messen.»

Dass es den Blancos am Ende nur zum dritten Gesamtrang reichte, erklärte Ramis damit, dass die Resultate nicht Priorität gehabt hätten. «Das Wichtigste war, dass jeder Spieler genug Einsatzzeit erhielt.»

Das Teilnehmerfeld liess sich sehen

Während einige Talente sich in Zukunft einen grossen Namen machen dürften, sind andere bereits mit einem solchen gesegnet. Da war zum einen Jakob Golz, der wie einst Vater Richard zwischen den Pfosten des HSV stand. Zum anderen wurde das Tor von Real Madrid von Luca Zidane gehütet. Dem 17-Jährigen merkte man vor allem bei der Spieleröffnung mit dem Fuss an, dass er der Sohn des ehemaligen Weltklasse-Mittelfeldspielers Zinédine Zidane ist.

Reals Halbfinal-Bezwinger Juventus Turin traf im Endspiel auf den FC Basel und zog nach einem 1:1 nach 60 Minuten – so lange dauerte eine Partie – mit 7:8 im Penaltyschiessen den Kürzeren. Die Rot-Blauen sind damit der zweite Gewinner in der Geschichte des Turniers. Vorjahressieger Red Bull Salzburg klassierte sich auf Rang 6 hinter dem Hamburger SV und Roter Stern Belgrad, dem zweiten Turnierneuling.

Der FC Aesch Selection, der letztes Jahr die positive Überraschung gewesen war, musste im Spiel um Platz 7 dem FC Fulham den Vortritt lassen und wurde Letzter. «Im Vorjahr hatten wir einen stärkeren Jahrgang», erklärte Präsident Marescalchi, sprach seiner Mannschaft dennoch ein «Riesenkompliment» aus: «Die Jungs haben jeweils 30, 40 Minuten lang hervorragend mitgehalten, auf die Dauer setzte sich aber die grosse Klasse der Gegner durch.»

Die Zuschauer kamen in Scharen

Die Klasse diverser Akteure war auch für knapp 5000 Besucher, die während der drei Tage den Anlass besuchten, ersichtlich. Beispielsweise die Schnelligkeit und Technik von HSV-Stürmer Tatsuya Ito oder die Ruhe, Ausstrahlung und Übersicht von Real-Abwehrchef José Luis Sena. «Einfach unglaublich», entfuhr es einem Zuschauer, «wenn ich in ein paar Jahren einen Match im Fernsehen anschauen werde, werde ich sagen können: ‹Diesen Spieler habe ich mal auf dem Löhrenacker gesehen!›»

Dass Nachwuchskicker dieses Kalibers auch 2016 in Aesch zu bestaunen sein werden, ist beschlossene Sache. Der «harte Kern», wie Andrea Marescalchi Juve, Salzburg, Fulham und den HSV bezeichnet, hat bereits seine Teilnahme zugesagt. Von Roter Stern und Real steht das offizielle Feedback noch aus. Luis Miguel Ramis sandte allerdings ein positives Signal aus: «Ich wüsste nicht, was gegen eine Wiederholung im nächsten Jahr sprechen sollte?»