Miralem Sulejmani zückt sein Smartphone. «Schauen Sie, so sah gestern mein Dinner aus.» Es ist kurz vor Mittag, das Training der Young Boys vorbei und der frisch geduschte Mittelfeldspieler des souveränen Tabellenführers nur noch einen Interviewtermin vom Mittagessen entfernt.

Allmählich knurrt der Magen und Sulejmanis Foto, das einen verlockend angerichteten Teller mit Spinat, Süsskartoffeln und Rüebli zeigt, lässt das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Das Mittagsschläfchen ist nicht mehr nötig

Seit ein paar Wochen ernährt sich der Fussballprofi so vegan wie möglich und isst nur noch selten Fleisch. «Ich habe das vor ein paar Jahren auch schon mal gemacht, dann aber abgebrochen, weil es etwas kompliziert ist», sagt Sulejmani. «Zum Beispiel, wenn man mit der Mannschaft unterwegs ist.»

Jetzt ist er entschlossen, diesen Weg weiterzugehen. Aber nicht zu radikal, denn als Leistungssportler kann er es sich nicht leisten, kraftlos auf dem Platz zu stehen. «Im Moment fühle ich mich topfit, bin voller Energie und kaum mehr müde.» Früher verspürte ich nach dem Mittagessen immer den Drang nach einem Mittagsschläfchen, jetzt nicht mehr», sagt Sulejmani.

Seine beste Saison

Der Serbe, einst in der Schule von Partizan Belgrad ausgebildet, mit 17 Jahren zu Heerenveen und danach für 25 Millionen Franken zu Ajax Amsterdam transferiert, bestreitet bei YB seine dritte Saison. In den beiden ersten Spielzeiten wechselten sich Hochs und Tiefs noch ab. Immer wieder wurde ersichtlich, welch glänzender Fussballer der Linksfuss ist, wie er aber dazu neigt, abzutauchen, wenn es der Mannschaft nicht läuft.

In dieser Spielzeit jedoch spielt er konstant gut. Sein Freistosstreffer im gewonnenen Auftaktspiel gegen Basel war ein gutes Omen. Zwar liess sein zweites Tor auf sich warten und Sulejmani sagte im Oktober, er müsse torgefährlicher werden – aber er liess mit neun Toren in neun Einsätzen Taten folgen. Mit seinen zehn Treffern liegt er knapp hinter Torschützenleader Assalé auf Rang zwei. «Solch gute Statistiken hatte ich noch nie», sagt Sulejmani. «Es geht mir hervorragend. Ich freue mich auf jedes Training und darauf, die Kollegen zu sehen.»

Hunger nach Erfolg

Das hat natürlich ganz viel mit dem Erfolg zu tun, der YB begleitet und vom Double träumen lässt. «Es sieht gut aus, aber wir dürfen nicht locker lassen», sagt Sulejmani vor dem Spiel beim FC Zürich. «Wir hatten einen guten Saisonstart, bekamen Selbstvertrauen und es entwickelte sich eine Dynamik, die uns zu den vielen Siegen trug.» Der Trainer habe ihnen eine Siegermentalität eingeimpft und die Harmonie im Team stimme, sagt Sulejmani.

«Das Allerwichtigste aber ist unser Hunger nach Erfolg.» Das gilt auch für ihn, obwohl er mit Ajax und Benfica in fünf Jahren fünf Mal Meister geworden ist. «Jetzt habe ich aber schon zu lange nichts mehr gewonnen. Ich bin gierig auf Erfolge und spüre dasselbe positive Bauchgefühl wie vor den Titelgewinnen mit Ajax und Benfica», sagt der Flügel, dessen Vertrag ausläuft.

Der Famile gefällt es hier

Sulejmani würde ausgesprochen gern in Bern bleiben, doch die Verhandlungen seines Beraters mit Sportchef Christoph Spycher ziehen sich in die Länge. Grossverdiener Sulejmani ist 29 Jahre alt und wünscht sich einen langen Vertrag.

«Meiner Familie gefällt es hier extrem gut, wir leben in einem ruhigen Quartier und ich bin in fünf Minuten im Stadion.» Der sechsjährige Sohn Luca, geboren in Amsterdam, besucht die britische Schule in Bern, seine Schwester Lucia ist vor vier Monaten auf die Welt gekommen.

«Wir lassen Brasilien hinter uns»

Ja, Sulejmanis Leben ist im Lot. Selbst wenn sich aus sportlicher Sicht sagen lässt, dass das Sahnehäubchen fehlt. Noch immer hat der 20-fache Nationalspieler nichts von Mladen Kristajic gehört, dem Nationalcoach Serbiens. Und dies wenige Monate vor Beginn der WM.

Es spricht jedoch für die Bescheidenheit Sulejmanis, wenn er sagt: «Ich verstehe, dass der Trainer auf jene setzt, die die WM-Qualifikation geschafft haben. Aber ich glaube daran, es noch ins WM-Kader zu schaffen.» Er hat sich schon ausgemalt, was dann passieren soll: Wir und die Schweiz lassen Brasilien hinter uns und ziehen in den Achtelfinal ein.»