Nach einem wunderbar sonnigen Frühlingstag im Wallis sind am Abend über dem Tourbillon pechschwarze Wolken aufgezogen. Zumindest während 93 Minuten. In diesen nämlich unterstrichen der FC Sion und Neuchâtel Xamax eindrücklich, weshalb sie zu den Topkandidaten auf einen Barrageplatz zählen. Sie setzten den 10 000 Zuschauern einen solchen Grottenkick vor, dass die lange geduldigen Besucher in der Endphase ihrem Unmut mit Pfiffen Ausdruck verliehen.

Doch mitten in die Protestkundgebungen in der Nachspielzeit geschah, was eigentlich niemand für möglich gehalten hatte: Es gab einen gefährlichen Angriff des FC Sion. Und mehr noch als das: Der eingewechselte Jared Khasa setzte sich am rechten Flügel gegen die sich gegenseitig störenden Janick Kamber und Igor Djuric durch, und die Hereingabe verwertete Aufbauer Bastien Toma aus kurzer Distanz zum 1:0-Siegtreffer.

Es war ausserordentlich eindrucksvoll, wie sich innert Sekunden die grosse Unzufriedenheit auf den Rängen in grenzenlosen Jubel verwandelte. «Ich bin so stolz auf mein Team», sagte der Sittener Stürmer Pajtim Kasami hinterher. «Es war so viel Schlechtes über uns geschrieben worden, aber jetzt haben wir die drei Punkte. Es war sicher etwas Glück dabei, aber dieses haben wir uns verdient.»

Von der Abstiegsangst geprägten Spiel

Was man durchaus auch anders sehen konnte. Das einzige, was den Gastgebern in diesem von der Abstiegsangst geprägten Spiel in der Offensive zuvor gelungen war, war ein Pfostenschuss des Franzosen Yassin Fortune in der Startphase.

Für den Rest des Spiels – bis in die Nachspielzeit hinein – hatten die von Defensivspezialist Stéphane Henchoz bestens eingestellten Neuenburger alles im Griff. Und als sie spürten, wie harmlos der Gegner war, hatten sie sich nach der Pause aus dem Schneckenhaus getraut und die eine oder andere Chance gehabt, das Spiel zu entscheiden.

Die beste allerdings hatte Kemal Ademi schon vor dem Wechsel besessen, als er nach einem perfekten Steilpass von Raphaël Nuzzolo alleine vor Kevin Fickentscher stand, den Ball aber dem Goalie gegen die Brust schoss. Für einmal war der Ostschweizer, der in seinen vier letzten Einsätzen immer getroffen hatte, nicht kaltblütig geblieben. «Das ist natürlich bitter, so zu verlieren», sagte Gästeverteidiger Kamber. «Sion hat mit Glück gewonnen, wir hatten doch die besseren Möglichkeiten.»

Xamax: Vier Punkte Rückstand

Aber die Flinte wollen die Neuenburger deswegen noch nicht ins Korn werfen. «Unser Ziel ist noch immer der achte Rang. Jetzt müssen wir am nächsten Mittwoch den FC Lugano schlagen und dann sehen, was noch möglich ist.»

So wie es jetzt ausschaut, nicht mehr viel, sind die Chancen für Xamax zu schlecht, um noch vom Barrageplatz wegzukommen. Mindestens vier Punkte beträgt der Rückstand auf die vor ihm liegenden Teams, was zwei Spieltage vor Saisonschluss eine zu grosse Hypothek ist.