In die Ferien darf Nico Hülkenberg nach dem Grossen Preis von Ungarn nicht. Zwar findet das nächste Formel-1-Rennen erst am 26. August statt, doch vorerst wartet Arbeit auf ihn und das Team von Renault, das der «Schweiz am Wochenende» in Ungarn einen seltenen Einblick in die Garage erlaubt.

Zwei Tage nach dem Rennen auf dem Hungaroring, das Lewis Hamilton für sich entschied und in dem Nico Hülkenberg den enttäuschenden 12. Rang belegte, steigt der Deutsche in Ungarn wieder ins Auto. Jedenfalls dann, wenn es nicht in der Garage steht. Doch davon später. 

Nico Hülkenberg muss sich mit den Sommerferien noch gedulden.

  

Zwischen dem Rennen vom vergangenen Wochenende in Ungarn und demjenigen von Belgien liegt rund ein Monat. Es ist Sommerpause in der Formel 1. Zumindest was die Rennen anbelangt.

Denn in den Tagen nach dem GP Ungarn führen die Teams auf dem Hungaroring Testfahrten durch. Dringend nötige Testfahrten im Fall von Renault, wenn man den Worten von Hülkenberg nach dem GP in Ungarn glaubt. Er monierte, dass das Auto nicht schnell genug sei. Die Balance des Wagens bezeichnete er sogar als «armselig».

Verständnis vom Chef

Alan Permane, Sporting Director vom Renault F1 Team, versteht den Fahrer. «Nico war natürlich frustriert, insgesamt waren auch unsere Strategie und die Reifenwahl nicht geeignet», gesteht er. Es gibt also Raum für Verbesserungen. Ein konkretes Vorgehen für Testfahrten gebe es aber nicht. «Wir bleiben flexibel», sagt Permane. «Wir reagieren auf Probleme mit dem Auto und suchen nach Lösungen.»

Dementsprechend spielt sich vieles in der Garage ab. Ein Team von rund 20 Konstrukteuren arbeitet am Auto. Erst dann dreht Hülkenberg einige wenige Runden – und kehrt in die Garage zurück. Das Team wertet dann die Daten aus und nimmt das Feedback vom Fahrer entgegen. Gut 30 Minuten lang steht das Auto erneut in der Box, bevor Hülkenberg nochmals fahren darf.

Blick auf die Boxengasse auf dem Hungaroring. Hier werden in den Tagen nach dem GP Ungarn Testfahrten durchgeführt.

  

Viele Informationen, was genau getestet wird, gibt es nicht. Das meiste bleibt für Aussenstehende geheim. Man will nicht, dass die Konkurrenz etwas erfährt. Permane sagt nur so viel: «Wir konzentrieren uns vor allem auf die Aerodynamik und die Reifen. Ausserdem testen wir einige neue Motorenteile. Alles mit dem Ziel, die Performance des Autos zu verbessern.»

Renault will in der Formel 1 hoch hinaus. Das erklärte Ziel: nächste Saison um das Podest, und bis 2020 um die Meisterschaft mitzufahren. Um die Lücke zu den Top-3-Teams Mercedes, Ferrari und Red Bull zu schliessen, sind aber noch einige Verbesserungen nötig, erklärt Permane: «Bei Renault besteht Verbesserungspotenzial in allen Bereichen, vor allem in der Aerodynamik. Weitere Baustellen sind die Performance in schnellen Kurven und die Motorenleistung.»

Auf Rang vier

Der zweitägige Test in Ungarn bietet dem Team die Möglichkeit, diese Baustellen in Angriff zu nehmen. Und das bei perfekten Konditionen. Es herrscht Bruthitze auf der Rennstrecke, was durchaus dabei hilft, die Reifen auf die optimale Temperatur von etwa 100 Grad zu bringen. «Für Tests bevorzugen wir eigentlich die Strecke in Barcelona. Aber dafür sind die Wetterbedingungen in Ungarn meistens deutlich besser», erklärt Permane.

Wie erfolgreich die Test-Session von Renault in Ungarn war, wird sich Ende August beim Rennen im belgischen Spa herausstellen. Nach 12 gefahrenen Rennen liegt Renault momentan auf dem 4. Platz in der Konstrukteurswertung. Doch der Abstand zu Verfolger Haas ist dünn. Vorerst macht man sich bei Renault aber keine Gedanken darüber, sagt Permane: «Das Team hat nun zwei Wochen frei, um sich zu erholen, damit wir für die zweite Hälfte der Saison bereit sind.» Endlich Ferien für Hülkenberg.