Es ist eine Situation, die keiner der aktiven GP-Haudegen je erlebt hat. Der 24-jährige Luis Salom rast am Freitagnachmittag in den Tod. Gewiss, die Gefahr gehört zu diesem Geschäft. Aber die letzten drei Todesstürze waren anders.

Daijiro Kato im Jahr 2003, Shoya Tomizawa 2010 und Marco Simoncelli 2011 starben nach Rennunfällen. Am Abend kehrten alle nach Hause zurück und hatten über eine Woche Zeit, um das Drama zu verarbeiten.

Aber in Barcelona kann am Freitag keiner nach Hause gehen und alles verarbeiten. Alle müssen bleiben, weitere zwei Trainings und ein Rennen unter höchster Anspannung absolvieren.

Schweigeminute auf der Zielgeraden zu Ehren von Luis Salom

Schweigeminute auf der Zielgeraden zu Ehren von Luis Salom



Nach dem Moto2-Rennen ist Lüthi völlig fertig und den Tränen nahe. Nicht wegen des verlorenen Platzes auf dem Podest. Der Emmentaler braust aus der ersten Reihe heraus an die Spitze. Dort kann er sich nicht lange halten. Auch den dritten Platz verliert er in der Schlussphase und schliesslich reicht es zu Rang fünf.

Nicht dieses Rennen macht Lüthi zu schaffen. Er versichert zwar, das Drama um Salom habe keinen Einfluss gehabt. «Ich konnte mich konzentrieren.» Aber wer ihn so sieht, ein Häufchen Elend, weiss auch ohne psychologischen Kenntnisse: Es hatte sehr wohl einen Einfluss.

Sinnlosigkeit

Und ratlos und irgendwie verloren sagt er ein Wort, das er fast nie gebraucht: «Scheisse». Wenn ein Berner diesen Ausdruck verwendet, meint er Sinnlosigkeit. «Scheisse, was soll ich über das Rennen sagen? Gut, dass es vorbei ist und gut, dass wir jetzt Abstand gewinnen können. Es kommt mir alles so unreal vor und es wird Zeit, dass wir in die Wirklichkeit zurückkehren.»

Der Tod von Salom hat Lüthi zutiefst getroffen. «Tom ist tief geerdet» sagt Manager Daniel M. Epp über seinen Schützling. «Er kommt darüber hinweg. Aber es braucht Zeit.» Das nächste Rennen wird am 26. Juni in Assen gefahren.

Luis Salom gewann in seiner Karriere neun Moto3-Rennen.

Luis Salom gewann in seiner Karriere neun Moto3-Rennen.



Aegerter ist so sensibel wie sein Teamkollege. Aber er versteht es besser, seine Sensibilität zu überspielen. Er kann, er will seine Erschütterung nicht zeigen. Er findet einen Ausweg: Unmut, ja Zorn. Er verliert mindestens einen 8. Platz, weil beim Herausbeschleunigen das Hinterrad bricht. Kurz nach dem Rennen begnügt er sich mit der unwirschen Bemerkung, dass es schade sei. Später lässt er seinen Unmut freien Lauf.

Er habe nach dem Rennen die restlichen Räder gecheckt und festgestellt, dass alle Risse hätten. Aber man habe ihm nicht glauben wollen und erst später zugegeben, dass es so sei. Noch ist in Barcelona nicht Zeit zu toben. Aber das Team testet am Dienstag und Mittwoch in Valencia. Da wird es, wenn alle unter sich sind und der Alltag einkehrt, ganz gehörig rumpeln.