Drei Spiele, drei Siege – wie beurteilen Sie den Start der Schweiz in die WM-Qualifikation?

Fabian Schär: Es ist uns ein Traum-Start gelungen. Es waren schwierige Spiele. Gegen Europameister Portugal direkt ein Zeichen zu setzen, war enorm wichtig. In Ungarn zu spielen, ist auch sehr anspruchsvoll. Und bei Andorra, da denkt man vielleicht, es sei leicht, aber man sah, dass man sich auch gegen solche Gegner schwer tun kann. Schön, hat es doch für drei Punkte gereicht.

Die WM-Qualifikation ist für dieses Schweizer Team in dieser aktuellen Tabellenkonstellation...

... absolut möglich!

Wäre es eine grosse Enttäuschung, wenn es mit dieser Ausgangslage doch nicht klappen würden?

Es wäre allgemein eine grosse Enttäuschung da, wenn wir es nicht schaffen würden. Das Ziel hatten wir ja schon von Anfang an. Nichts Anderes zählt. Mit dem guten Start haben wir Selbstvertrauen getankt.

Fabian Schär während des Trainings mit der Nationalmannschaft.

Fabian Schär während des Trainings mit der Nationalmannschaft.

Trainer Vladimir Petkovic sagte, die Schweiz müsse sein wie ein Bär, möglichst viel im Magen haben, damit der Winterschlaf möglichst gut ist. Was gibt Ihnen die Zuversicht, dass gegen die Färöer keine böse Überraschung folgt?

Dass wir eine geile Truppe haben! Dass wir viel Qualität haben! Dass wir wissen, dass auch vermeintlich einfache Spiele gespielt werden müssen. Alle erwarten einen Sieg, wir auch. Aber wenn wir weniger als 100 Prozent unseres Potenzials auf den Platz bringen, wird es ganz schwierig für uns. Das weiss jeder Einzelne. Darum sind alle entsprechend fokussiert.

Wenn Sie das Nationalteam anschauen, was läuft besser als vor einem Jahr?

Wir sind als Gemeinschaft ein Stück näher zusammengerückt. Es ist sehr wichtig, dass alle am gleichen Strang ziehen, dass alle das gleiche Ziel haben und diesem im Nationalteam alles unterordnen. Ich glaube, wir haben jetzt auch ein sehr gutes Klima untereinander. Und so kann man als Team auch viel erreichen, wenn man dann noch Qualität hat.

Wie ist das gelungen?

Wir haben einiges besprochen. Auch einige Sachen, die früher nicht gepasst hatten. Die muss man dann eben auch ansprechen in einer Mannschaft. Ich glaube, mittlerweile ist es auch so, dass wenn jemand ein Problem hat, dieses zur Sprache kommt – und kein Problem schafft, sondern eben eines beseitigt. Wir sprechen die Dinge dann lieber an und dann sind sie aus der Welt. Anstatt dass jemand dann wütend in den Verein zurückgeht. Das war nicht immer so ausgeprägt der Fall wie heute. Wir sind viel zusammengesessen und haben für uns relevante Aspekte diskutiert.

Was haben Sie das Gefühl, wie das Nationalteam heute in der breiten Bevölkerung ankommt?

Das müssten Sie eigentlich die breite Bevölkerung fragen... (lacht)

Fabian Schär jubelt nach seinem Treffer gegen Albanien an der EM 2016 in Frankreich.

Fabian Schär jubelt nach seinem Treffer gegen Albanien an der EM 2016 in Frankreich.

Anders gefragt: Was haben die EM und der Start in die WM-Qualifikationskampagne ausgelöst?

Vor der EM war die Kritik an unserem Team extrem gross. Die Zuversicht war nur bei wenigen da, dass wir etwas reissen können. Wir haben eine ordentliche EM gespielt. Und einen guten Auftakt in die WM-Quali folgen lassen. Das haben viele anerkannt. Und ich habe schon das Gefühl, dass uns nun viele Leute etwas zutrauen. Dieses Gefühl zu spüren, das ist wichtig. Es ist auch schwierig für uns, wenn von aussen Kritik aufkommt, wenn immer nur das Schlechte gesucht wird. Wir wollen ja nur das Beste. Und ich hoffe inständig, dass das rüberkommt. Und dass es künftig bei einem schlechten Spiel – was immer vorkommen kann – dann nicht heisst, wir würden nicht «wollen» oder einige würden sich nicht voll mit dem Team oder dem Land identifizieren.

In Ihrem Verein Hoffenheim haben Sie schwierige Tage hinter sich. Sie spielen kaum noch. Sind der Fabian Schär in der Nationalmannschaft und jener beim Verein die gleichen oder zwei verschiedene Spieler?

Sportlich bin ich derselbe. Aber die Wertschätzung bei der Nationalmannschaft ist um einiges grösser und dadurch ist man vielleicht zu besseren Leistungen fähig.

Fürchten Sie, dass sich Ihre Situation aufs Nationalteam auswirkt?

Die Situation im Verein ist derzeit unbefriedigend für mich, ich mache mir darüber natürlich meine Gedanken. Ich bin ja keineswegs in einem Formtief, ich fühle mich gut. Das merke ich in den Trainings, ich habe viel Selbstvertrauen. Warten wir ab, was passiert. Sicher ist: Ich werde mich in jedem Training von meiner bestmöglichen Seite zeigen und dokumentieren: Ich bin da. Auf mich ist Verlass, wenn man mich braucht.

Hatten Sie mit Trainer Julian Nagelsmann ein Vier-Augen-Gespräch?

Ja, aber über Vier-Augen-Gespräche rede ich nicht in der Öffentlichkeit.

Bei Hoffenheim läuft es Schär momentan nicht nach Plan.

Bei Hoffenheim läuft es Schär momentan nicht nach Plan.

Was gibt Ihnen Hoffnung in den schwierigen Momenten?

(überlegt lange) Ich vertraue meinen Qualitäten. Ich habe bei der Europameisterschaft gezeigt, dass ich auf höchstem Niveau Leistung zeigen kann.

Werden in Hoffenheim Ihre durchzogenen Leistungen aus der vergangenen Saison stärker gewichtet als die starken Auftritte mit der Nationalmannschaft an der EM?

In Deutschland hat der Verein eine sehr grosse Bedeutung. Die Wertschätzung für Leistungen im Klub ist höher als für jene im Nationalteam.

Bereuen Sie es, im Sommer nicht nach Valencia gewechselt zu haben?

Für mich war Valencia eine Option, aber aus mehreren Gründen klappte es nicht mit dem Transfer. Ich hatte jedoch keinerlei Probleme damit, in Hoffenheim zu bleiben, im Gegenteil, ich war und bin topmotiviert, für die TSG zu spielen. Aber ich bin mir auch bewusst, dass kein Trainer ohne grosse Not Wechsel in einer Mannschaft vornimmt, die seit nunmehr zehn Bundesliga-Runden ungeschlagen ist.