Was soll ein Vater heute seinem Sohn bei der Berufswahl raten? Herzchirurg? Pilot? Berufspolitiker? Strafverteidiger? Nein. Die beste Kombination aus Spass und Geldverdienen bietet in den nächsten 20 Jahren der Beruf des Eishockey-Verteidigers.

Die Verteidiger sind flinker und smarter geworden. Sie dominieren das Eis und die Besten haben mehr Einfluss auf das Spiel als ein Stürmer. Ein Blick auf die Junioren-Nationalteams zeigt, dass der nächste Roman Josi in unserem Hockey wahrscheinlich so weit weg ist wie der nächste Roger Federer im helvetischen Tennis. Die Verteidiger werden in den nächsten Jahren noch wichtiger – und teurer.

Kürzlich hat Romain Loeffel in Lugano einen Vierjahresvertrag unterschrieben. Servettes Sportchef Chris McSorley behauptet, Loeffel werde in Lugano «mehr als 800 000 Franken verdienen». Luganos Präsidentin Vicky Mantegazza bleibt ob solcher Behauptungen gelassen: «So? Hat er das gesagt? Und was ist denn mit den Löhnen von Eric Blum oder Raphael Diaz?»

Philippe Furrer ist Gottérons wichtigster Transfer seit Slawa Bykow

Philippe Furrer ist Gottérons wichtigster Transfer seit Slawa Bykow

Inzwischen hat auch Zugs Robin Grossmann (30) mit der Vertragsunterschrift bei Lausanne nach Philippe Furrer (32), Eric Blum (31), Raphael Diaz (31) und Romain Loeffel (26) die oberste Gehaltsklasse unseres Hockeys mit Löhnen zwischen 600 000 und 850 000 Franken erreicht. Er dürfte der meistüberbezahlte Schweizer Spieler aller Zeiten sein.

Und es wird ein Verteidiger sein, der als erster Schweizer Spieler in der NLA eine Million verdienen wird.

Geld regiert die Welt

Der neuste Transfer, der die Hockeylandkarte verändert, ist gestern offiziell bestätigt worden. Natürlich geht es um einen Verteidiger. Luganos Philippe Furrer wechselt im Frühjahr für drei Jahre zu Gottéron. Warum Gottéron?

Lange hatte Biel um seine Dienste geworben. Philippe Furrer hatte ja erklärt, dass er nach der dreijährigen Dienstzeit in die Deutschschweiz zurückkehren und sich in der Nähe von Murten niederlassen wird. Ein Rücktransfer zum SCB war kein Thema mehr. Und so ging es primär um Biel und Gottéron.

Die Frage geht an Biels Manager Daniel Villard. Warum wechselt Philippe Furrer nicht zu Biel? «Ganz einfach des Geldes wegen. Fribourg zahlt mehr. Er hat uns offen gesagt, unsere Vertragsofferte genüge finanziell nicht.» Warum hat Biel die Offerte nicht nachgebessert?

Wird der Millionen-Traum wahr?

Wird der Millionen-Traum wahr?

«Weil wir unsere Linie haben. Wir offerierten ihm, was wir verantworten können.» Wie sagen doch die Nordamerikaner so schön: «Money talks». Und Zyniker fügen an: «Bullshit walks!»

Philippe Furrer ist Gottérons wichtigster Transfer seit der Verpflichtung von Slawa Bykow und Andrej Chomutow im Sommer 1990. Dreimal reichte es während der «russischen Flugjahre» fürs Finale. Aber nie zum Titel.

Hätte, wäre, wenn...

Mit Slawa Bykow und Andrej Chomutow vorne und Philippe Furrer hinten wäre Gottéron wohl Meister geworden. Holt Gottéron nun mit Philippe Furrer hinten und Slawa Bykows Sohn Andrej vorne zum Titel? Wir sollten diese Möglichkeit nicht ganz ausschliessen.

Vor allem dann nicht, wenn Reto Berra nächste Saison doch noch zu Gottéron wechseln sollte. Aber Furrer ist nicht nur Gottérons wichtigster Transfer seit Slawa Bykow. Es ist auch Gottérons riskantester Transfer der Klubgeschichte.

Philippe Furrer hat in den letzten neun Jahren nur noch einmal mehr als 38 Qualifikationspartien bestritten (43 – 2011/12). Noch nie in seiner Karriere ist er ohne Verletzungen durch eine Saison gekommen. Aber er ist ein charismatischer Leitwolf, der jede Mannschaft mit seinem Wesen und Wirken auf und neben dem Eis besser macht. Das Risiko lohnt sich.