Robert Förstemann ist ein 29-jähriger deutscher Bahnspezialist aus Gera. Seine besondere Stärke ist der Teamsprint, wo er vor 11 Jahren den Weltmeistertitel bei den Junioren gewann.

Ein Jahr später schaffte er den Sprung in die deutsche Nationalmannschaft, in welcher im Teamsprint 2010 ein nächster WM-Titel hinzukam, dazu gewann er Bronze an den Olympischen Spielen in London 2012.

Förstemann ist Inhaber von mehreren Rekorden. So hält er mit 9,790 Sekunden den Flachbahn-Weltrekord über 200 Meter und er war auch dabei, als das deutsche Team den Weltrekord über 1000 Meter auf 41,871 Sekunden senkte.

Bekannt geworden ist Förstemann vor allem durch seinen extrem muskulösen Körper. Mit einem Oberschenkel-Umfang von 74 Zentimetern lässt er selbst Bodybuilder vor Neid erblassen.

Das aussergewöhnliche Muskelwachstum ist offenbar genetisch bedingt, und zwar durch eine angeborene Fehlfunktion des Proteins Myostatin.

«Ich habe das zwar nie untersuchen lassen, doch wir gehen davon aus, dass es einen solchen Grund haben muss. Denn schon als Kind war ich sehr muskulös, und kaum bin ich im Kraftraum, lege ich stark an Muskeln zu.»

Robert Förstemann an der Bahn-WM in Grenchen

Robert Förstemann an der Bahn-WM in Grenchen

Man halte es zwar kaum für möglich, doch er gehe heute kaum mehr in den Kraftraum: «Ich muss aufpassen, dass ich nicht noch mehr Muskeln bekomme, deshalb habe ich das Training umgestellt.»

Denn mehr Muskeln bedeuten automatisch, dass sie mit noch mehr Sauerstoff versorgt werden müssen. Vor allem im Wettkampf kann das irgendwann zum Problem werden.

Trotz des angepassten Trainings erzielte er jüngst auf der Beinpresse den unglaublichen Wert von 650 Kilogramm. «Wir haben es nur spasseshalber getestet», lacht er. «Die Maschine hat nicht mehr hergegeben, sonst wäre der Wert noch höher ausgefallen.»

Robert Förstemann

Entsprechend eindrücklich sind auch die Wattzahlen, welche der Familienvater erreicht. So schafft er im Rahmen eines Bahnsprints Maximalwerte zwischen 2500 und 2800 Watt.

Eine Leistung, welche weit weg von dem liegt, was beispielsweise Hobbyfahrer zu leisten imstande sind. Zum Vergleich: Bei einer Belastung von durchschnittlich 200 Watt während einer Stunde spricht man schon von einem sehr gut trainierten Hobbyfahrer.

Die eindrücklichen Oberschenkel haben Robert Förstemann auch eine ganze Reihe Übernamen beschert. «Der Oberschenkelmann» gehört gewiss in die Kategorie der nicht allzu einfallsreichen. Etwas fantasievoller ist da schon «Quadzilla», als Anlehnung an den Oberschenkelmuskel Quadrizeps.

Die 74 Zentimeter Umfang haben aber auch konkrete Nachteile. So explosiv er auf der Bahn auftreten kann, so schwierig fällt ihm beispielsweise das Einkaufen. «Ich kann nicht in ein Geschäft und sagen: «Hey, diese Jeans gefällt mir». Ich muss alles extra anfertigen lassen.» Dafür, grinst er, wollten die Frauen stets seine Oberschenkel anfassen. 

In Grenchen erreichte Förstemann, der sich bewusst auf den Teamsprint konzentrierte, mit dem Deutschen Dreier den dritten Platz.

«Wichtig war, dass wir im Finallauf die schnellste Zeit aller Teilnehmer erzielten. Schade, dass es das Rennen um Rang 3 war.»

So tragisch nahm Förstemann den verpassten EM-Titel jedoch nicht. Das grosse Ziel sind die Olympischen Spiele 2016, wo die Deutschen die Goldmedaille anstreben. «Wir haben sechs Weltklassefahrer, welche in Rio alle dabei sein wollen», sagt er.

«Das wird ein Hauen und Stechen um die drei Fahrkarten.» Für den schnellen Deutschen gilt es, sich im Teamsprint gegen René Enders zu behaupten. «Er ist auf der Position 1 eigentlich der schnellste Mann der Welt», weiss Förstemann. «Ihn muss ich schlagen.»