Man sollte mit sportübergreifenden Vergleichen grundsätzlich vorsichtig sein. Beliebt ist etwa, herausragende Sportler einer Disziplin mit Roger Federer zu vergleichen. «XY ist der Roger Federer der Sportart XY» ist dann zu lesen oder zu hören. Man tut diesen Athleten in der Regel keinen Gefallen, wenn man sie mit einem der grössten Sportler der Geschichte misst. Sowieso: Jeder erfolgreiche Spitzensportler ist für sich selbst eine Persönlichkeit.

In unserem kleinen Land wurden wir diesbezüglich in den letzten Jahren immer wieder verwöhnt. Im (riesigen) Schatten von Roger Federer erbringen oder erbrachten Sportler wie Dario Cologna (Langlauf), Fabian Cancellara (Rad), Simon Ammann (Skispringen) oder Beat Feuz (Ski alpin) regelmässig Spitzenleistungen auf Weltniveau. Es ist eine Besonderheit der Schweiz, dass es ihr immer wieder gelingt, solche Spitzenathleten hervorzubringen.

Zu dieser Kategorie gehört zweifellos auch Nino Schurter. Und nicht erst seit seinem neusten Exploit an der Heim-WM in Lenzerheide. Was der Mann aus Graubünden während bald eines Jahrzehnts auf allerhöchstem Niveau zeigt, ist beeindruckend.

Aber erst, wenn man dieser Tage an den Welt-Titelkämpfen vor der eigenen Haustür miterlebt hat, wie dieser Athlet die Massen zu faszinieren vermag, merkt man wieder, wie gross sein Stellenwert ist. Und wie sehr seine ständigen Erfolge ungerechtfertigterweise zur Randnotiz verkommen, wenn sie sich ausserhalb des nationalen Fokus ereignen.

Spätestens im Dezember, wenn es darum geht, den Schweizer Sportler des Jahres zur erküren, werden wir wieder vor dem üblichen Dilemma stehen: Es kann eigentlich keinen anderen geben als Roger Federer, der in Australien seinen 21. Grand-Slam-Titel gewonnen hat. Schurter ist in dieser Wahl schon x-mal Zweiter geworden. Egal, ob er in einer ganzen Saison jedes Weltcuprennen gewann und dazu noch Weltmeister oder Olympiasieger wurde.

Für die 24 000 Zuschauer, die am Samstag live vor Ort Zeuge von Nino Schurters weltmeisterlicher Performance waren, bestehen keine Zweifel, wer in diesem Jahr Sportler des Jahres werden wird. Und Roger Federer hat ihm auf Twitter höchstpersönlich gratuliert. Mit den Worten: «Du bist der Beste.»