Man muss sich einmal reinziehen, was dieser Athlet alles zu sich nahm: Erythropoietin, Clomifencitrat, Anastrozol, Testosteron Enantat, Testosteronpropionat, Mesterolon, humanes Choriongonadotropin, Testosteron, Tetracosactid und Tetracosctrin, Tamoxifencitrat, DHEA, Vasopressin, Blutdoping – insbesondere die Verwendung von autologen Erythrozytenprodukten, intravenöse Infusion von Vitamin C und eine Blutplasma-Infusion von mehr als 50 ml pro sechs Stunden. Das erschlägt selbst einen Mediziner. Übrigens: Die Sache mit dem Blutplasma streitet Fitzgerald vehement ab.

Ansonsten macht der Australier, was so viele des Dopings überführte Sportler tun: Er erzählt eine kuriose, fast schon herzergreifende Story. Vor neun Jahren begann er an einer rätselhaften Krankheit zu leiden. Erst 2016 fand man heraus, dass es sich um «Autoimmunhepatitis» handelt. Dumm nur, dass er als Doktor ausgerechnet einen wegen der Anwendung von Dopingpraktiken eh schon aus dem Sport ausgeschlossenen Arzt auswählte. Und dass er trotz heftiger Krankheit Rennen gewann. Die australische Antidoping-Behörde annullierte all seine Resultate seit 2009 und sperrte ihn für vier Jahre.

Auch hinter dem Schweizer Doping-Rekord versteckt sich eine obskure Geschichte. Bei einer Beschlagnahmung am Zoll wurden acht verschiedene und verbotene Anabolika gefunden, die für einen Bodybuilder bestimmt waren. Dieser legte später ein Zeugnis seines Hausarztes für genau diese acht Substanzen vor. Antidoping Schweiz meldete diesen ärztlichen Missbrauch dem zuständigen Kantonsarzt. Dieser verzichtete aber auf Massnahmen gegen den «netten» Bodybuilder-Doktor.

Wenn es eines letzten Beweises dafür bedarf, dass Muskelmänner die noch grösseren Schluckspechte sind als Fitzgerald, dann dies: 2016 zeigte eine einzelne Urinprobe an den norditalienischen Bodybuildingmeisterschaften bei Claudio Stella nicht weniger als 20 (!) verbotene Substanzen an. Stella wurde dann auch für vier Jahre gesperrt. Weil das Urteil der italienischen Antidoping-Behörde jedoch nicht deklarierte, wegen wie vieler dieser Substanzen der Sportler letztlich tatsächlich aus dem Verkehr gezogen wurde, darf sich Stella nicht Weltrekordler nennen. Eines ist er aber bestimmt: Mehr Müllmann als Muskelmann.