Geraint Thomas hat auch die letzte Hürde auf dem Weg zu seinem ersten Gesamtsieg in der Tour de France übersprungen. Der Brite belegte im Zeitfahren nach Espelette, das der Niederländer Tom Dumoulin mit einer Sekunde Vorsprung vor Chris Froome gewann, den 3. Platz.

14 Sekunden büsste Thomas am zweitletzten Tour-Tag auf dem hügeligen Kurs von 31 km Länge von Saint-Pée-sur-Nivelle nach Espelette gegenüber Dumoulin ein. Damit liegt der 32-jährige Waliser im Gesamtklassement vor dem Schlusstag, an welchem der Leader traditionellerweise nicht mehr angegriffen wird, mit 1:51 Minuten Vorsprung vor dem niederländischen Zeitfahr-Weltmeister in Führung.

Er wisse gar nicht, was er sagen solle, so Thomas nach dem Zeitfahren. «Ich dachte während der ganzen Rundfahrt nie daran, die Tour de France zu gewinnen – und plötzlich habe ich die Tour gewonnen. Es ist einfach unglaublich.» Er habe sogar geweint, was das letzte Mal bei seiner Hochzeit geschehen sei, so Thomas, der im Juni auch das Dauphiné-Kriterium zu seinen Gunsten entschieden hatte.

Nur ein böser Sturz auf den letzten 116 km am Sonntag nach Paris könnte den Triumph des dritten britischen Siegers der Frankreich-Rundfahrt nach Bradley Wiggins (2012) und Chris Froome (2013, 2015 bis 2017) verhindern. Seine beide Landsleute fuhren ebenfalls für die britische Star-Equipe Sky.

Auch Dumoulin zufrieden

Dumoulin, der im Mai schon im Giro d'Italia Zweiter hinter Chris Froome geworden war, freute sich ebenfalls: «Das ist ein grossartiger Tag für mich, in Paris auf dem Podest zu stehen.» Gleiches galt auch für den vierfachen Tour-Sieger Froome. Der in Kenia geborene Brite verbesserte sich als Tages-Zweiter – eine Sekunde hinter Dumoulin – auf Kosten von Primoz Roglic noch um eine Position in den 3. Gesamtrang.

Damit hat Froome seit Anfang 2013 alle dreiwöchigen Rundfahrten, die er auch zu Ende fuhr, in den Top 3 beendet. Froomes Rückstand auf seinen vor dem Gesamtsieg stehenden Landsmann Thomas beträgt 2:24 Minuten. «Es ist ein Traum, neben 'G' (Geraint Thomas) auf dem Podest zu stehen. Auf der letzten Pyrenäen-Etappe war es für mich sehr schwer, deshalb habe ich fast nicht mehr daran geglaubt», so der Tour-Dominator der letzten Jahre. Froomes Tour-Start war lange Zeit unklar, da wegen eines während der letztjährigen Vuelta gemessenen erhöhten Salbutamol-Wertes ein Dopingverfahren gegen ihn hängig war. Dieses beendete der Rad-Weltverband UCI allerdings kurz vor Beginn der Tour de France.

Küng nur Zwölfter im Zeitfahren

Stefan Küng konnte nicht wie von ihm erhofft in den Kampf um den Tagessieg eingreifen. Der 24-jährige Thurgauer verpasste sogar die Top 10 und klassierte sich letztlich nur im 12. Rang. Auf die Bestzeit von Dumoulin büsste er 1:26 Minuten ein.

Roglic, am Freitag noch Solo-Sieger der letzten Bergetappe nach Laruns, musste sich mit dem 4. Platz begnügen. Zu Froome fehlten dem ehemaligen ehemaligen Skispringer aus Slowenien letztlich 58 Sekunden. «Ich habe in dieser Rundfahrt sehr viel gelernt», so Roglic, der in Frankreich erst seine dritte grosse Rundfahrt nach dem Giro 2016 und der Tour 2017 bestritt.

Ausstehend ist am Sonntag noch die 21. und letzte Etappe von Houilles nach Paris, wo es auf den Champs-Élysées wohl zum Massensprint – ohne viele Sprint-Stars, welche die 105. Tour aufgegeben haben – kommen wird. Die Zielankunft auf dem Prachts-Boulevard der französischen Hauptstadt wird gegen 19.30 Uhr erwartet.

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