Plötzlich steht Corinne Suter im Zentrum der Aufmerksamkeit. In Crans-Montana interessiert keine so sehr wie die 24-jährige Schwyzerin. Auch wenn sie sagt: «Ich bin immer noch die Gleiche.» Es hat sich viel verändert, seit Suter an den Weltmeisterschaften in Åre zuerst die Bronzemedaille im Super-G gewann und fünf Tage später mit Silber in der Abfahrt nachdoppelte.

Zwischen der silbernen WM-Fahrt und dem ersten Weltcupeinsatz Suters in derselben Disziplin liegen gerade einmal elf Tage. Diese waren intensiv, war Suter doch aus Schweizer Sicht die grosse Figur der WM.

Ein Empfang hier, ein Medientermin dort. Und auch die Nachbarn und Schüler im Wohnort Schwyz wollten gratulieren. Es sei eine lange Woche gewesen, sagt Suter. Und dann wurde sie auch noch krank. Nach dem zweiten Training am Mont Lachaux sagt sie: «Ich habe mich auch schon fitter gefühlt.»

Doch es ist nicht nur der Rummel um die Person, der grösser geworden ist. «Ich muss lernen, damit umzugehen», sagt Suter. Es ist auch das neue Selbstverständnis, das die zweifache Juniorenweltmeisterin von 2014 ausstrahlt.

«Der Druck ist weg. Ich kann befreiter Ski fahren», sagt sie und spricht damit das lange Warten auf den ersten Podestplatz an. Den grössten Druck habe sie sich immer selber gemacht. Suter haderte und zweifelte, wenn sie wieder einmal im Training überzeugt hatte, dies aber im Rennen nicht bestätigen konnte.

Warnung vor «Medien-Burnout»

Nach Åre ist Suters Gefühlslage eine ganz andere. «Ich fühle mich wohl auf den Ski. Ich glaube, ich nehme den Schwung mit.» Den noch immer fehlenden Podestplatz im Weltcup nimmt sie mit Gelassenheit hin. «Der wird von selbst kommen, wenn ich eine Fahrt zeige, mit der ich zufrieden bin.» Ähnlich sieht das auch Beat Tschuor, der Cheftrainer der Frauen. «Sie muss ihre Form jetzt nutzen», sagt er.

Tschuor war schon vor der Saison überzeugt von Suters Qualitäten. «Ich freue mich, dass es an der WM für sie aufgegangen ist.» Tschuor traut seiner Athletin nach den Erfolgen auch im Weltcup eine bessere Konstanz zu. Sie sei spürbar selbstbewusster geworden. «Sie hat gezeigt, dass sie eine Siegfahrerin sein kann.»

Tschuor nahm auch vom gesteigerten Interesse an Suter Kenntnis. «Es ist unsere Aufgabe, sie ein bisschen zu schützen.» Sie müsse aber lernen, sich abzugrenzen. «Bei aller Freundlichkeit.» Doch das traut der Cheftrainer der Schwyzerin zu. Wichtig sei, ein «Medien-Burnout» zu verhindern.

In erster Linie sieht Tschuor die grosse Aufmerksamkeit jedoch positiv: «Jetzt ist der Moment, um sich zu verkaufen», sagt er. Suter sei derzeit natürlich interessant für Werbepartner. Das habe wohl auch mit ihrer bescheidenen und bodenständigen Art zu tun.

«Es ist schön, dass das selbst nach den Erfolgen noch so ist.» Für Suter gilt es nun, den Spagat zwischen sportlichem Erfolg und Vermarktung zu meistern. «Sie muss diese beiden Aspekte unter einen Hut bringen. Am besten ohne Leistungseinbusse», so Tschuor.

Noch kein Weltcup-Podestplatz

In Crans-Montana sammelt Suter erstmals Erfahrung in ihrer neuen Rolle. «Wir müssen es jetzt einfach laufen lassen», sagt Cheftrainer Tschuor zur Form seiner Athletin. Was den Rummel um die Person anbelangt, nimmt es Suter gelassen. Sie sagt dazu einzig: «Schön, dass mein erstes Rennen nach der WM in der Schweiz stattfindet.»

Viele Freunde und auch die Familie seien im Kanton Wallis live vor Ort mit dabei. Von zusätzlichem Druck will die Schwyzerin aber nichts wissen: «Das ist eher eine Motivation für mich.» Genauso wie der erste Podestplatz im Weltcup.