Dass es für Ragettli auf der Seiser Alm neben dem Triumph in der Gesamtwertung nicht auch noch den Tagessieg zu feiern gab, verhinderte der amerikanische Olympia-Zweite Nicholas Goepper. Ragettli hatte mit seinen 91,20 Punkten aus dem ersten Run eine Kür gezeigt, an der sich die Konkurrenz bis fast zum Schluss die Zähne ausbiss. Einzig Goepper (92,60) vermochte die Jury mit seinem zweiten Lauf mehr zu überzeugen als Ragettli.

"Es wurmt mich schon etwas, dass Nicholas Goepper mich noch abgefangen hat", sagte der Bündner, der es in dieser Saison in allen fünf Weltcup-Events im Slopestyle auf das Podest gebracht hatte. Die Aussage ist bezeichnend für den erfolgshungrigen Ragettli, der nun im Alter von 19 Jahren bereits zum zweiten Mal nach 2016 die Slopestyle-Kristallkugel entgegen nehmen darf.

Vor einem Monat sah die Gefühlswelt von Ragettli noch komplett anders aus. Der grossen Schweizer Medaillenhoffnung reichte es an den Olympischen Spielen in Pyeongchang im Slopestyle lediglich zu Rang 7. Die Kameras in Südkorea zeigten Ragettli, wie er nach seinem letzten Run im Schnee liegen blieb und bittere Tränen vergoss. Auf der Seiser Alm sah man nun wieder einen lachenden Ragettli.

"Besonders mental habe ich in dieser Saison enorme Fortschritte gemacht. Meine mentale Stärke führte letztlich dazu, dass ich eine derart gute Saison absolvieren konnte", lieferte der Bündner gleich selbst die Erklärung, wie er die Enttäuschung von Südkorea so schnell hatte verdauen können. Er schob nach, dass er sich aber sowohl mental wie auch bei den Sprüngen und an den Rails noch verbessern müsse. Der Erfolgshunger.

Bei den Frauen entschied die Amerikanerin Caroline Claire die Konkurrenz für sich.