Zu Hause ist, wo man sich wohlfühlt. Die Fahrt mit der Zahnradbahn hinauf nach Wengen ist für Beat Feuz darum stets eine Heimkehr. Dies, obwohl er hier weder lebt noch aufwuchs. Geboren ist der 30-Jährige im Emmental und eine Wohnung hat er in der Nähe von Innsbruck.

Wengen hat ihn trotzdem verzaubert. «Wer diese Rennen als Schweizer nicht liebt, ist selber schuld.» Feuz blickt hinauf zum Lauberhorn. Neben ihm steht seine schwangere Freundin. Die Liebe hat Beat Feuz nach Österreich geführt. Zu Hause fühlt er sich längst in beiden Ländern.

Als Heimrennen bezeichnet er aber jenes in Wengen. «Was die Organisatoren hier jedes Jahr auf die Beine stellen, ist einmalig.» Wenn Feuz erzählt oder für das Foto posiert, spürt man: Wengen ist eine Herzensangelegenheit. «Hier habe ich tolle Resultate erzielt und viele Dinge erlebt.»

Beat Feuz

Beat Feuz

2012 hat Feuz die Abfahrt gewonnen. 2015 war er Zweiter geworden. Aber die vielleicht wichtigste Fahrt führte ihn nicht einmal auf das Podest. 2016 war er in der Abfahrt Elfter geworden. Nur etwas mehr als vier Monate nach einem Teilriss der Achillessehne gab er am Lauberhorn sein Comeback, ohne zuvor ein Abfahrtstraining bestritten zu haben. «Und seither läuft es mir richtig gut.»

So gut sogar, wie nie in seiner zweiten Karriere. So nennt Feuz die Zeit nach der Knieinfektion 2012, die ihn beinahe zum Sportinvaliden machte. 34 Weltcuprennen ist er seit der Lauberhornabfahrt 2016 gefahren, zehnmal stand er auf dem Podest. Hinzu kommt der Weltmeistertitel im vergangenen Februar in St. Moritz.

Als Sieger im Ziel: Beat Feuz 2012 am Lauberhorn.

Als Sieger im Ziel: Beat Feuz 2012 am Lauberhorn.

Den Podestplatz als Ziel

Seit jenem Tag in Wengen ist Feuz zudem von körperlichen Rückschlägen verschont geblieben. Seinem Knie geht es besser als je seit der Infektion und es lässt wieder deutlich mehr Belastungen zu. «Ich fühle mich gut, bin in Form und weiss, dass ich schnell sein kann», sagt er.

Konkret: In Wengen erwartet er am Samstag in der Abfahrt einen Podestplatz. «Wenn es normal läuft, muss das mein Ziel sein.» Realistisch ist das allemal. Gestern im ersten Training fuhr er die drittbeste Zeit. Nur Hannes Reichelt und Peter Fill waren schneller. Und das, obwohl Feuz die erste Fahrt sonst eher als zusätzliche Besichtigung mit Tempo betrachtet.

Quiz: Lauberhornrennen Wengen 2018

«Das war es auch dieses Mal», sagt er. «Aber das Lauberhorn kenne ich so gut und weiss, wo es darauf ankommt, dass ich automatisch schneller bin. Ich habe mich von der ersten Kurve an sehr wohl gefühlt.»

Oder eben: zu Hause. Es ist ein Gefühl von Sicherheit, dass es schon gut kommt, das Feuz auf der längsten Abfahrt der Welt trägt. Das ihn die richtige Mischung zwischen Ehrgeiz und Lockerheit finden lässt. Oder wie er es sagt: «Man darf hier nie zu viel wollen, aber auch niemals zu wenig. Man hat zwar viel Zeit, verlorene Hundertstel wieder aufzuholen, aber man kann auch schnell verlieren.»

Der Weg ins Bad

So kompliziert das tönt. Eigentlich ist es ganz einfach. Zu Hause findet man den Weg ins Bad selbst im Dunkeln, weil man weiss, wo die Hindernisse stehen. So verhält es sich bei Feuz und dem Lauberhorn. Er findet den schnellsten Weg intuitiv.

Lang ist's her: Beat Feuz lässt sich 2012 von den Fans nach seinem Triumph am Lauberhorn feiern.

Grosser Auftritt von Beat Feuz: Nach seinem sensationellen Erfolg in der Lauberhorn-Abfahrt wird der 24-jährige Emmentaler von tausenden Ski-Fans im Dorfkern von Wengen frenetisch gefeiert.

Beat Feuz am Lauberhorn 2015

Etwas verlegen entschuldigte sich Hannes Reichelt beim Publikum. «Sorry, dass ich den perfekten Schweizer Tag verhindert habe», sagte der Österreicher, der mit Startnummer 19 den bis dahin führenden Beat Feuz auf Rang zwei und Carlo Janka auf Rang drei verdrängte. Reichelt war aus Schweizer Sicht der einzige Spielverderber an einem ansonsten fast perfekten Tag in Wengen.