Die Wärme und der Sonnenschein der letzten Tage haben mit Regen und Kälte getauscht. Die Wolken hängen Ende April tief über dem Wald rund um den Bauernhof in der Nähe von Seewen. Die Pferde stehen auf der Weide und lassen sich vom Nieselregen nicht beeindrucken. Auch Barbara Schnieper scheint der Wetterwechsel nichts auszumachen. Mit schnellen, geübten Handgriffen und einem Schlauch wäscht die Profispringreiterin die Hufe ihres Pferdes.

Noch nicht lange ist es her, da hat Schnieper ihren ersten Grand Prix im Springreiten in der Schweiz gewonnen. Endlich, sagt sie. Lange habe sie auf diesen Moment gewartet, nun ist er da. Als sie die Schule abgeschlossen hatte, war ihr klar, sie will Profi werden. Aus diesem Grund machte sie auch eine Lehre als Bereiterin und begann Pferde auszubilden.

Neuling des Jahres 2018

Ihre Leidenschaft für die Tiere begann schon in der Kindheit. «Ich ging auf die Höfe in der Umgebung und habe gefragt, ob ich reiten darf. So habe ich angefangen zu reiten und nicht mehr damit aufgehört.» Vergangenes Jahr ging es dann richtig los mit der Karriere. Als «Rookie des Jahres» wurde Schnieper ins Nationalkader aufgenommen und kann damit nun auch an grösseren Wettkämpfen teilnehmen. Ob sich viel verändert hat? Schwierig zu sagen. Die 37-Jährige weiss nicht genau, ob es eher das Nationalkader oder die Auszeichnung war, die sie in dieser Saison weitergebracht hatte.

Einen grossen Einfluss haben auch ihre Pferde. «Im Moment habe ich drei wirklich gute Pferde, das hilft natürlich sehr, aber es ist nicht selbstverständlich. Es kann so schnell etwas passieren», erklärt sie. Bei ihrem Turniersieg in Amriswil geschah genauso etwas. Die für das Stechen vorgesehene Cristin scheute wegen der Videowand. Doch Schnieper ist flexibel. «Es hätte sein können, dass sie am Ostermontag kein Problem mehr damit gehabt hätte, aber ich wusste schon, dass ich sie auch nach Uster und Mannheim mitnehmen möchte. So kommt sie trotzdem zu genügend Turniererfahrung, und darum bin ich dann mit Chaleandra angetreten.»

Auf die Frage hin, ob es denn manchmal vorkomme, dass ein Pferd ausfällt, antwortet Schnieper lachend: «Ja, es kam auch schon vor, ich habe manchmal komische Pferde.» Auch wenn die Pferde manchmal etwas komisch sind, ist es wichtig, dass man mit ihnen gut auskommt und sich mit dem Tier versteht.

Barbara Schnieper gibt jedem Pferd eine Chance. Von Anfang an sagen, dass es nicht geht, ist nicht ihre Philosophie. Nicht Nein sagen zu können, gehört allerdings auch zu ihren grössten Schwächen, wie sie selbst sagt. Ihre Künste als Bereiterin und Springreiterin sind sehr gefragt. Oft wird sie darum gebeten, ob sie ein Pferd einmal reiten und begutachten könnte. Inzwischen habe sie lernen müssen, Anfragen abzulehnen, erklärt sie. Das Springreiten und Ausbilden mit den eigenen Pferden nimmt viel Zeit in Anspruch.

Tokio 2020 als grosses Ziel

Das Reiten ist auch immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Nur wenn alles stimmt beim Pferd und beim Reiter, gelingen gute Resultate. Das richtige Mass zu finden, ist das Wichtigste. «Ich bin im Parcours schon risikobereit, ich will ja ab und zu auch mal was gewinnen», sagt sie und lacht. Wichtig ist ihr dabei, vor allem sauber durch die Hindernisse zu kommen, denn sauber ist meist auch schnell.

Aber manchmal ist auch die Geschwindigkeit wichtiger: «In Amriswil wusste ich einfach, dass ich ein schnelles Pferd habe, und konnte deshalb auch das Risiko eingehen, nicht sauber durch die Prüfung zu kommen.» Auch mit einem Abwurf hätte es ihr noch zum dritten Platz gereicht.

Die nächsten Wettkämpfe sind die CSIO von Rom und St. Gallen. Als Reiterin im Nationalkader kann Schnieper nun auch an den ganz grossen Turnieren teilnehmen. Und an Olympia 2020 in Tokio? «Ja, das wäre schon das Ziel», erklärt Schnieper und schiebt nach: «Wenn die Leistung stimmt und sich keines der Pferde verletzt.»