War es nur ein Missverständnis, oder redet Nati-Trainer Vladimir Petkovic die Ausbootung von Valon Behrami schön? Die Wahrheit kennen wohl nur die beiden Streithähne. Sicher ist: die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft versinkt im Chaos. Auch Gelson Fernandes erklärte seinen Rücktritt. Gut möglich, dass weitere folgen: Stephan Lichtsteiner, Blerim Dzemaili und Johan Djourou sollen ebenfalls aussortiert worden sein. Sie schwiegen bisher.

«Mir war immer klar, dass ein zu grosses Ego ein Risiko für die Nationalmannschaft ist», sagte Gelson Fernandes in einem bewegenden Abschiedsbrief. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Nationalmannschaft daran zerbricht, zumal Behrami eine Integrationsfigur war. «Es gab bei uns eine Spaltung», sagt Behrami zum Tessiner Fernsehen. Die Doppeladler-Gesten von Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Stephan Lichtsteiner hätten das Team geteilt.

Die drei Doppeladler von Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Stephan Lichtsteiner.

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«Ich stehe mit meinem Gesicht hin»

Behrami zählt Nati-Trainer Petkovic öffentlich an, indem er sagt: «Es ist mir ein Anliegen noch einmal zu sagen: Ich habe immer Verantwortung übernommen. Auch heute. Ich stehe mit meinem Gesicht hin und sage, dass es falsch ist, mir auf diese Art und Weise mitzuteilen, dass ich nicht mehr Teil vom Projekt bin. Ich möchte, dass mir diese Person ein solchen Entscheid von Angesicht zu Angesicht mitteilt. Das ist leider nicht passiert.»  

Behrami ist zutiefst verletzt. Das bekommen auch ehemalige Kollegen mit. Granit Xhaka, der sich in der Doppeladler-Affäre unfair behandelt gefühlt hatte, steht im Mittelpunkt. «Ich habe Xhaka angerufen und ihm gesagt: Ich hoffe, du wirst ein echter Leader dieses Teams sein und hoffe, ich konnte dir während meiner Zeit helfen. Er hat gesagt, ich sei für ihn immer ein Vorbild gewesen. Dass er mich schätze und immer für mich da sein werde», sagt Behrami.

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Wer im Streit zwischen Behrami und Petkovic der Brandstifter ist, lässt sich von aussen nur schwer sagen. Sicher ist, dass er nur schwer zu löschen sein wird. Die Zukunft von Captain Stephan Lichtsteiner, der selber einst von einer Balkan-Gruppe gesprochen hatte, Johan Djourou und Blerim Dzemaili ist noch ungeklärt. Trotz des sportlichen Erfolgs der letzten Jahrzehnte ist die Schweizer Fussball-Nati auf Schlingerkurs. Und es stellt sich die Frage, ob die Steuermänner die richtigen sind, um das Boot wieder in ruhigere Gewässer zu führen.

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