Einst war Australien eine Tennisgrossmacht. Allein zwischen 1950 und 1976 gewannen die Australier 62 Grand-Slam-Titel, allen voran Roy Emerson mit zwölf, Rod Laver mit elf und Ken Rosewall mit 8 Triumphen. 16-mal holten sie in dieser Zeit den Davis-Cup. Dann war die grosse Herrlichkeit vorbei. Pat Cash siegte noch 1987 in Wimbledon, Patrick Rafter 1997 und 1998 beim US Open. Lleyton Hewitt hielt die australische Flagge weiter hoch, gewann das US Open 2001 und Wimbledon 2002. Er führte das Davis-Cup-Team im Jahr 2003 auch noch einmal zum Sieg. Doch seither warten die tennisverrückten Australier auf den grossen Erfolg.

Doch jetzt träumen sie wieder. Altmeister Hewitt mischt mit seinen 34 Jahren zwar noch auf der Tour mit, ist aber aus den Top 100 gefallen. Dafür sorgen drei junge Wilde mit fremden Wurzeln für Aufsehen: Bernard Tomic, 22 Jahre alt, Nick Kyrgios, 20 und Thanasi Kokkinakis, 19.

Viele sehen Kyrgios als eine kommende Nummer eins, trauen ihm einige Grand-Slam-Siege zu. In Paris fordert er morgen in der dritten Runde Andy Murray. Auf Platz 30 hat sich der Sohn eines griechischen Einwanderers und einer malaysischen Mutter inzwischen vorgearbeitet. Roger Federer ist sein grosses Vorbild. Und der ist von den Qualitäten des 1,93 Meter langen Spielers überzeugt. Vor einem Jahr lud er ihn und Kokkinakis kurz vor dem French Open zum Training nach Zürich ein. Wenig später sorgte Kyrgios erstmals für grosse Schlagzeilen, als er in Wimbledon Rafael Nadal rauswarf und bis in den Viertelfinal stürmte. So weit kam er auch im Januar beim Australian Open. Der französische Trainer Emmanuel Planque nennt ihn «den Prototypen des modernen Spielers». Kyrgios habe keine Angst, einen tollen Aufschlag, eine beeindruckende Vorhand und spiele super Volleys. Seine Fortschritte, auch in taktischer Hinsicht, seien beeindruckend. Vor wenigen Wochen hat er in Madrid Federer geschlagen.

Erstmals in der dritten Runde eines Grand-Slam-Turniers steht Kokkinakis, noch die Nummer 84 der Welt. Er setzte sich im australischen Duell gegen Tomic in fünf Sätzen durch. Griechische Eltern hat der 1,96 Meter lange Kokkinakis, der ein guter Freund von Kyrgios ist, obwohl sie völlig unterschiedliche Typen sind. Hier der extrovertierte Kyrgios, der auch nach aussen sehr selbstbewusst auftritt, dort der eher ruhige Kokkinakis. Der freut sich nun auf sein nächstes Match, auf das Duell mit Novak Djokovic.

Tomic und der Vater

Als Sohn kroatischer Eltern ist Tomic in Deutschland geboren. Als er dreieinhalb Jahre alt war, wanderten seine Eltern nach Australien aus. Schon als Junior glänzte der ebenfalls 1,96 Meter lange Riese. Und vor sechs Jahren gewann er als 16-Jähriger ein Match beim Australian Open, das hat sonst noch keiner geschafft. Als 18-Jähriger stürmte er in Wimbledon durch die Qualifikation bis in den Viertelfinal, dort stoppte ihn Djokovic. Von Platz 158 kletterte er auf 78 in der Weltrangliste. Ein Jahr später war er die Nummer 28. Dann stagnierte er, fiel vor einem Jahr auch wegen einer Hüftoperation auf 124 zurück und steht nun auf 26, so hoch wie noch nie. In die Schlagzeilen geriet er auch wegen seines Vaters John. Der wurde vor zwei Jahren von den Turnieren ausgeschlossen und einem spanischen Gericht zu acht Monaten Haft verurteilt, weil er einem Trainingspartner seines Sohnes das Nasenbein gebrochen hatte.