Dass Roger Federer auch in Anzug und Krawatte eine gute Figur macht, ist ja kein Geheimnis. Aber dass er am Tag vor seinem ersten Spiel in Wimbledon in einem adretten grauem Sakko mit Klub-Plakette, weissem Hemd und mit braunen Mokassins vor die Kameras tritt, ist dann doch ungewöhnlich. Die Erklärung: Am Nachmittag war er bei Philip Brook, dem Chairman von Wimbledon, noch zum Kaffee eingeladen.

Nicht neu ist, dass der Baselbieter vielfach überhöht wird. Das führt dann und wann zu skurrilen Dialogen. Eine Japanerin eröffnete eine Frage mit der Bemerkung, er sehe dieses Jahr noch hübscher aus als im letzten, wie er sich denn fühle? «Jetzt fühle ich mich noch grossartiger. Etwas rot wahrscheinlich, aber unglaublich sexy», bedankte er sich ob der Frage sichtlich amüsiert.

Seine Kleidung sorgt ohnehin schon seit Wochen für Gesprächsstoff. Neuste Episode: Im Training mit dem Österreicher Dominic Thiem trug Federer Schuhe, die man als Indiz werten könnte, dass es mit seinem bisherigen Ausrüster Nike doch noch zu einer Einigung kommen könnte: auf der Rückseite prangte in goldiger Schrift die Zahl 8 für die Anzahl Wimbledon-Siege.

Hintergrund: Der Vertrag mit Nike war im März nach fast zwei Jahrzehnten ausgelaufen. Seither wird spekuliert, der japanische Ausrüster Uniqlo habe ein lukratives Angebot unterbreitet.

Anweisungen aus der Regie

Auf Fragen nach dem aktuellen Stand hatte Federer in Halle gereizt reagiert, in Wimbledon gab es dazu keine. Denn man wollte von ihm ja auch wissen, was er zur Fussball-WM denkt. Was er von den schottischen Junioren hält, mit denen er zuletzt trainiert hatte. So kam es gar nicht erst zu dieser letzten Frage, der einzigen heiklen.

Das lag vielleicht auch ein wenig daran, dass in der hintersten Reihe der Mann sass, der in Vertragsfragen für Klarheit sorgen soll und dem Moderator anzeigte, dass Federer zum Kaffee erwartet werde: Manager Tony Godsick, der Regisseur im Cabaret Federer.

Wie dem auch sei: Titelverteidiger Federer eröffnet heute in Wimbledon ab 14 Uhr Schweizer Zeit gegen den Serben Dusan Lajovic (28, ATP 58) zum neunten Mal Wimbledon «Das ist eine grosse Sache und eine Ehre für mich, aber auch nervenaufreibend und mit Unsicherheiten verbunden, weil man auf dem Centre Court zuvor nicht trainieren kann.»

Federer weilt bereits seit Montag in London, trainierte drei Tage und gönnte sich am Samstag einen Tag mit der Familie. Nach neun Spielen in zwölf Tagen in Stuttgart und Halle habe er sich noch müde gefühlt, nun sei er aber bereit. Bereit für grosse Auftritte. Vielleicht mit einer Überraschung. Aber wohl kaum in Sakko und Hemd.