Stefanie Vögele war bedient. Bei 41 Grad glühender Hitze hatte die 23 Jahre alte Aargauerin gestern Vormittag eine Stunde auf einem der Aussenplätze des Melbourne Parks verbracht, und es hatte sich wie eine Ewigkeit angefühlt. Es war die Hölle. Mit 0:6 und 1:6 war Vögele dabei von der Slowakin Dominika Cibulkova gnadenlos abgefertigt worden, in der zweiten Runde der Australian Open. Das reichte eigentlich schon, um Vögele den Tag gründlich zu vermiesen.

Doch als sie dann auch noch den langen Weg zurück von Court No. 13 in die Umkleide in den Katakomben der Rod-Laver-Arena überstanden hatte, verfinsterte sich ihre Miene gleich noch mehr. Denn dort erfuhr Vögele, dass nun die sogenannte «Extreme Heat Policy» greifen würde, und die Matches auf den Aussenplätzen wegen der zu heissen Temperaturen ausgesetzt würden.

Ganz ungünstiges Timing also. «Das hat mir richtig gestunken», monierte Vögele dann auch, aber es war sinnlos, mit dem eigenen Schicksal zu hadern. Die Turnierleitung hatte so entschieden, dass die Partien am Vormittag normal beginnen sollten. «Es war vorher überhaupt gar kein Thema, dass man nicht spielt», sagte sie, «wir mussten einfach rausgehen.» Vögele blieb nichts anderes übrig, als mit der hitzigen Situation umzugehen, doch es gelang ihr nicht.

Cibulkova ohne Gnade

«Es war einfach zu hart für mich, viel zu heiss», beklagte sie hinterher, «ich konnte keinen Schritt machen. Meine Beine fühlten sich an, als würden zehn Kilo Blei dranhängen.» Ihre Gegnerin, die Nummer 20 der Setzliste, schien dagegen keinerlei Probleme mit den erdrückenden Temperaturen zu haben.

Cibulkova spielte entschlossen und aggressiv und hämmerte Vögele reihenweise die Bälle um die Ohren. «Ich konnte gar nicht richtig reagieren», erklärte sie, «meine Beine wollten einfach nicht schnell genug. Sie hat sich super bewegt, bei mir war es das Gegenteil.»

Beim Vorbereitungsturnier in Brisbane hatte Vögele zuletzt mit einem Magen-Darm-Infekt gekämpft und dabei vier Kilo verloren. Die Hälfte hat sie inzwischen wieder zugelegt, doch sie befürchtete, der Virus habe sie Substanz gekostet.

«Irgendwie fehlt mir die Explosivität», meinte Vögele enttäuscht. Für die Weltranglisten-46., die in Brisbane noch der Melbourne-Titelverteidigerin Viktoria Asarenka einen Satz abnehmen konnte, endet der erste Grand Slam der Saison mit einer kalten Dusche – in doppelter Hinsicht. Dennoch erklärte sie: «Es ist kein Rückschlag für mich, ich muss das jetzt einfach so schnell wie möglich abhaken.»