Roger Federer, wann haben Sie die Kontrolle über diese Partie verloren?

Roger Federer: Es gab viele kleine Punkte. Als ich den Matchball nicht nutzte? Oder kurz darauf, als ich bei 5:5 gebreakt wurde? Ich bin nicht sicher. Ich glaube, man kann es nicht an einem Punkt festmachen, ausser natürlich am Matchball. Als ich mit 2:1 Sätzen vorne lag, war alles noch in Ordnung. Da habe ich noch nicht damit gerechnet, dass ich verliere.

Wie lange dauert es, bis sie sich von der Niederlage erholt haben?

Vielleicht eine Weile, vielleicht auch nur eine halbe Stunde. Aber ich denke, ich werde schnell nach vorne schauen können. Es war immer der Plan, nach Wimbledon eine Pause zu machen. Meine Erfahrung und die Familie helfen. Ich habe nun auch Zeit, Freunde zu sehen und in die Schweiz zurückzugehen.

Spielte am Ende auch mentale Müdigkeit eine Rolle?

Nein, ich fühlte mich gut. Natürlich ist es enttäuschend, zwei Sätze zu verlieren, nachdem man die ersten beiden gewonnen und Matchball hatte. Aber ich kenne das ja, ich weiss, welche Energie ich in einem fünften Satz aufbringen muss. Und ich hatte diese Energie. Jetzt fühle ich mich grausam müde, aber so ist das eben. Es gibt nichts Schlimmeres für einen Tennisspieler, als eine Niederlage erklären zu müssen.

Wie fühlten Sie sich auf dem Platz?

Es war nicht einer meiner besten Tage, aber die kommen ja auch nicht so oft vor. Ich fühlte mich von der Grundlinie nicht so gut. Ich startete gut, aber ab dem zweiten Satz gelang es mir nicht mehr, ihn in Bedrängnis zu bringen. Irgendwann gelang es mir nicht mehr, ihn zu überraschen, das war enttäuschend.

Sie haben nicht viele schlechte Tage bei Grand Slams.

Es war kein schlechter Tag, aber durchschnittlich. Die meisten Tage sind durchschnittlich. Gut genug, um dennoch eine Chance zu haben, um zu gewinnen. Aber wenn es zählte, konnte ich mich nicht steigern, deshalb war es nur Durchschnitt. Anderson spielte sehr gut, aber ich hätte mir gewünscht, ihn noch mehr pushen zu können, damit er noch ausserordentlicher spielen müsste.

Spielte die Müdigkeit, die Sie nach dem Turnier in Halle gespürt hatten, noch eine Rolle?

Nein, ich war gut erholt. Ich hatte ein wunderbares Gefühl auf dem Platz, war spritzig und habe mich gut bewegt. Ich war ja auch froh, hatte ich ein paar Matches in den Beinen. Ich denke nicht, dass ich zu viel gespielt habe. Aber klar, jetzt fühle ich mich schrecklich müde.

Sie hatten zuvor die letzten sechs Fünfsätzer gewonnen. Hatten Sie das im Hinterkopf, als Sie in den fünften Satz gingen?

Nein, das wusste ich nicht einmal. Es war heute auch keine Frage der Fitness. Nicht alle Fünfsätzer sind gleich. Die Ballwechsel waren so kurz. Es war aber auf jeden Fall eine Superleistung von ihm, auch mental nach dem Rückstand. Ich glaube, sein Erfolg bei den US Open hat ihm da sicher geholfen. Dass er immer daran geglaubt hat, verdient grössten Respekt.