Er ist Schweizer mit Leib und Seele. Stanislas Wawrinka, den alle nur Stan nennen.

Dabei hat der 28-Jährige sogar noch einen deutschen Pass. Urgrossvater Wawrinka flüchtete 1946 mit seinem Sohn aus der damaligen Tschechoslowakei nach Deutschland.

Von dort zog es den Grossvater in die Schweiz, wo Wolfram Wawrinka geboren wurde, Stans Vater. Doch Deutsch spricht der Vater so wenig wie der Sohn.

Der Landwirt und Sozialarbeiter Wolfram heiratete die Schweizerin Isabelle, eine Erzieherin, und übernahm mit ihr vor 30 Jahren den Hof seiner Eltern.

Die «Ferme du Château» ist ein Bauernhof in bei Lausanne, wo Menschen mit leichter bis mittlerer geistiger Behinderung arbeiten, Menschen mit Depressionen oder Drogen- und Alkoholproblemen.

Das Schloss Saint-Bathélemy ist seit 1946 ein Behinderten-Heim, dem der Bauernhof angeschlossen ist – in Form einer Stiftung.

Mit seiner Produktion finanziert er sich heute aber zum grossen Teil selbst, auch dank eines Ausflugsrestaurants und Kleinzoos.

Hier wuchs Stan auf, mit seinem drei Jahre älteren Bruder Jonathan, der ebenfalls eine Karriere als Tennisprofi ansteuerte, und mit seinen beiden jüngeren Schwestern Djanaée und Naélla. Jonathan arbeitet heute als Tennislehrer.

Stan besuchte in Crissier die Rudolf-Steiner-Schule. Und genoss das Leben auf dem Bauernhof. Am liebsten sei er Traktor gefahren oder habe Holzhütten gebaut, erzählte er einmal. Ein problemloses Kind sei er gewesen, sagte der Vater: still, zurückhaltend, schüchtern.

Über die befreundete Familie Zavialoff kam Stan zum Tennis. Dimitri, sieben Jahre älter als Stan, sollte sich um ihn kümmern, dem Achtjährigen mehr Bewegung verschaffen.

Ernsthaft zu arbeiten begannen sie aber erst, als Stan schon zwölf Jahre alt war.

Zwei Jahre später setzte er ganz auf Tennis, verliess die Schule.

Während dreier Winter trainierten sie in Barcelona, in der Schweiz kannte praktisch niemand den Nachwuchsmann, bis der vor zehn Jahren aus dem Nichts in Paris zuschlug. Stan Wawrinka gewann beim Grand-Slam-Turnier den Titel der Junioren.

Erstmals reisten Wolfram und Isabelle in diesem Jahr nach Australien, genossen die Auftritte ihres Sohnes. «Es ist so fantastisch, was er geleistet hat», sagte Wolfram nach dem Halbfinal.

Was er wohl nun nach dem Titel-Triumph sagt?

Stanislas Wawrinka, nach Martina Hingis und Roger Federer der dritte Schweizer, der ein Grand-Slam-Turnier gewinnt!