Rafael Nadal sass auf dem Podium in den Katakomben der Rod-Laver-Arena und hielt seine linke Hand in die Höhe, als müsste er noch irgendetwas beweisen. Dabei hatte ohnehin jeder gesehen, mit welchen Schmerzen sich der Mallorquiner durch sein Viertelfinal bei den Australian Open gequält hatte.

Auf seiner Handfläche klaffte eine offene Wunde, die aufgeriebene Blase war grösser als ein Fünffrankenstück. Es tat schon beim Hingucken weh. «Ich habe ganz schön gelitten», meinte der Weltranglistenerste dann auch, und der ist sicher nicht als Softie verschrien.

Während des Spiels war Nadals Schlaghand übersät mit Pflastern und Tapeverband gewesen, doch das machte für ihn die Sache nicht leichter. «Ich kann den Schläger nicht richtig greifen», erklärte der Spanier, «beim Aufschlag denke ich immer, das Racket fliegt mir aus der Hand. Und dieses Gefühl ist schrecklich.»

Keine optimalen Voraussetzungen also für sein Halbfinal-Duell mit Roger Federer.

Federer wieder mit allen Optionen

Aber der Schweizer weiss inzwischen auch, wie es ist, mit körperlichen Problemen in eine Partie zu gehen. Letzte Saison plagte sich der 32-Jährige mit Rückenschmerzen, und diese waren wohl auch ein Grund dafür, dass er die vier Partien gegen Nadal allesamt klar verlor.

In diesen Tagen wirkt Federer jedoch so frisch und fit wie lange nicht mehr, besonders mit seinen begeisternden Siegen gegen Jo-Wilfried Tsonga und Andy Murray liess er die zweifelnden Stimmen verstummen. «Ich fühle mich körperlich richtig gut», betonte Federer und wirkte erleichtert, «und so kann ich endlich wieder richtig über Taktik nachdenken. Ich habe jetzt wieder alle Optionen.»

Die wird der 17-malige Major-Sieger aber wohl auch brauchen, denn selbst in scheinbar bester Verfassung hatte er in den letzten Jahren seine liebe Mühe mit seinem ärgsten Widersacher gehabt. Besonders bei den Grand-Slam-Turnieren hatte Nadal in ihren letzten fünf Begegnungen stets die Nase vorn. Federer konnte Nadal auf der grossen Bühne seit dem Wimbledonfinale 2007 nicht mehr bezwingen. Das scheint eine Ewigkeit her zu sein. Umso mehr ist nun auch Federers neuer Vertrauter im Trainerteam gefordert – Stefan Edberg.

Schon in der Trainingswoche in Dubai hätten sie über Nadal gesprochen, erzählte Federer: «Und Stefan hat da ein paar gute Ideen.» Aber vielleicht ist es gar nicht so entscheidend, ob der Schweizer eine bahnbrechend-neue Taktik parat hat. Wichtiger ist, dass Nadal das glaubt. Klappern gehört zum Geschäft.

Und Federer muss sich vor ihrem 33. Duell endlich wieder in Nadals Kopf festsetzen, wie es andersherum seit langem der Fall ist. Die psychologischen Spielchen laufen auf Hochtouren.

Die Chance für Federer ist so gross wie lange nicht. Doch bei Nadal muss man immer mit allem rechnen – ob lädiertes Knie oder nun eine Blutblase. «Vielleicht fliegen mir trotzdem wieder die Aufschlagbomben mit 210 km/h entgegen», meinte Federer: «Bei ihm weiss man das nie.»

So oder so, es wird also noch ein harter Weg bis zum ersehnten Schweizer Final.

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