Beim zweiten Hinschauen wird die Sensation des 7:6 (7:2), 3:6, 6:3. ein wenig geschmälert. Der in Tel Aviv geborene und in Ontario wohnende Kanadier machte unlängst in Wimbledon auf sich aufmerksam, wo es das Juniorenturnier gewann. Andererseits gab der heuer in seinem Aufstieg gebremste 21-jährige Australier Kyrgios nach dem Match zu Protokoll, er habe das Turnier in Toronto nicht gut vorbereiten können. Zudem habe er Knieschmerzen. Im Spiel wirkte Kyrgios phasenweise desinteressiert, oft auch unkonzentriert. Er liess sich 18 Doppelfehler notieren. Offensichtlich hat Kyrgios in der Vorbvereitung auf die Partie die Prioritäten etwas falsch gesetzt.

Essen, Schlafen, Pokemon spielen

Nick Kyrgios spielt lieber Pokemon als Tennis.

«Ehrlich, ich spiele mehr Pokemon als Tennis», verkündete der Australier einen Tag vor dem Match via Twitter. «Essen, Schlafen, Pokemon», so beschreibt der Bad Boy der Tennis-Szene seinen momentanen Lebenstil. Es sei aufgeregter, wenn etwas aus seinem Pokemon-Ei schlüpfe, als wenn er einen Breakball verwerte, legt Kyrgios nach.

Es stimmt, es kribbelt mehr, wenn etwas aus einem Ei schlüpft, als wenn ich einen Breakball verwandle.

Auf die zynische Anspielung eines Users, dass Roger Federer und Novak Djokovic wohl nicht so viel zocken würden und deshalb Nummer 1 wurden, hat Kyrgios promt eine passende Antwort parat, die wiederum zeigt, dass ihm die Pokemons wirklich wichtig sind. «Federer und Djokovic haben auch kein Garados mit 2000 CP», erwiedert Kyrgios. Um ein solches Pokemon zu bekommen, bedarf es einer Vielzahl an Stunden und Tagen.

Kyrgios zeigt Humor

Trotz der Spielereien um die Gründe für Kyrgios' Auftaktniederlage, eine grosse Überraschung war der Sieg des Wildcard-Spieler Shapovalov aber allemal. Er bestreitet in seiner Heimat sein erstes Masters-1000-Turnier und erst das zweite Turnier auf dem ATP-Circuit.

Nick Kyrgios brachte nach seiner Halbfinal-Qualifikation am Masters-1000-Turnier im März in Miami kaum noch überzeugende Resultate zustande. Am French Open schied er in der 3. Runde aus, in Wimbledon in den Achtelfinals gegen den nachmaligen Champion Andy Murray.

Kyrgios, auch für seine zeitweilige Rüpelhaftigkeit bekannt, war in Toronto immerhin so fair, Denis Shapovalov vorbehaltlos zu gratulieren. "Er hat sehr gut gespielt", sagte Kyrgios. "Er verdient den Sieg vollkommen. Er war sehr motiviert, vor seinem Publikum zu spielen."