Dass es für die Schweizer EishockeyNationalmannschaft an der WM nach den vier Siegen in Serie zum Auftakt an diesem Wochenende schwierig werden würde, verriet schon der Blick auf die Statistik. Gegen die Schweden war man an einer WM sechsmal in Serie als Verlierer vom Eis gegangen. Gegen die Russen sogar achtmal. Den Schweizern gelang es auch in Bratislava nicht, diesen Negativtrend zu bremsen.

Das alles war aber nicht besonders schlimm, weil die Qualifikation für den Viertelfinal schon am Samstag nach der knappen Niederlage gegen die Schweden definitiv unter Dach und Fach gestanden war. Entsprechend erlaubte es sich Nationaltrainer Patrick Fischer, die Partie gegen die mit unzähligen NHL-Stars gespickten Russen für ein paar Experimente zu nutzen. So wirbelte er sämtliche Sturmlinien durcheinander.

Umstellungen nach Schweden-Spiel

Simon Moser kam an der Seite des gegen die Schweden ungenügenden Duos Nico Hischier und Kevin Fiala zum Zug, um mehr Wasserverdrängung in den nominell ersten Sturm der Schweizer zu bringen. Und auch in den anderen Linien blieb kaum ein Stein auf dem anderen.

Das wirkte sich entsprechend auch auf die Performance der Mannschaft aus. Die sah gegen die entschlossen agierenden Russen zu Beginn kaum Land. Die Sbornaja überforderten die Schweizer immer wieder mit ihren blitzschnellen Kombinationen und ihrer individuellen Klasse. Lukas Frick sucht seinen Gegenspieler Dmitri Orlow wohl heute noch.

Der Verteidiger der Washington Capitals liess den Lausanne-Back beim ersten Gegentreffer uralt aussehen, während Torschütze Artem Anisimow von Ambris Michael Fora freundlichen Geleitschutz erhielt.

Das Sorgenkind Powerplay

Man muss den Schweizern zu Gute halten, dass sie vom russischen Dauerdruck zwar heftig gebogen wurden, aber trotzdem nicht brachen. Ja, es wäre letztlich sogar mehr drin gelegen in diesem Spiel. Wenn, ja wenn, das Powerplay funktioniert hätte.

Schon bei der sehr guten Vorstellung gegen die Schweden hatte den Schweizern das nicht funktionierende Überzahlspiel einen Strich durch die Rechnung gemacht. In sechs Anläufen blieben sie dort ohne Ertrag. Auf der anderen Seite hatten die Schweden eine von drei Chancen genutzt. Und das machte am Ende die knappe Differenz aus.

Dieses Muster wiederholte sich fatalerweise gegen die Russen. Die Schweizer hatten sieben (!) Gelegenheiten, sich mit einem Tor bei numerischer Überlegenheit zurück ins Geschäft zu bringen. Aber wie so oft im bisherigen Verlauf des Turniers fehlte ihnen Spielwitz, Präzision und Entschlossenheit.

Nino Niederreiter kommt

Auf der anderen Seite kombinierten sich die Russen beim 2:0 durch NHL-Topskorer Nikita Kucherow fast traumwandlerisch sicher durchs Schweizer Boxplay. In diesen Momenten zeigte sich mal wieder, was der Fischer-Equipe noch zur absoluten Weltklasse fehlt.
Man darf aber davon ausgehen, dass der Nationaltrainer spätestens im letzten Gruppenspiel gegen die Tschechen am Dienstag (12.15 Uhr) erfolgsorientierter coachen wird.

Am Montag stösst mit Nino Niederreiter ein weiterer NHL-Stürmer zum Team. Seine Präsenz vor dem gegnerischen Tor kann die Mannschaft bestens gebrauchen. Patrick Fischer dürfte von jetzt an seine besten Kräfte im Überzahl- und Unterzahlspiel forcieren.

Viertelfinal wohl in Koscie

Mit grösster Wahrscheinlichkeit werden die Schweizer ihren Viertelfinal am Donnerstag im Zweitspielort Kosice austragen. Die Perspektiven sind trotz der beiden Niederlagen vom Wochenende gut. Mit ein paar Korrekturen ist jeder der möglichen Gegner, vermutlich einer aus dem Trio Finnland, USA oder Kanada, schlagbar.

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