Auf den Schultern von Steve Guerdat, dem Schlussreiter der gesamten Konkurrenz, lastete wider Erwarten kein übermässiger Druck mehr. Als er auf dem Rücken von Bianca einritt, lagen die Medaillen bereits ausser Reichweite. Der gebürtige Jurassier bewältigte den äusserst anspruchsvollen Parcours über 14 Hindernisse mit einer Höhe von bis zu 165 cm mit einem Fehler. Mit Blick auf das Mannschaftsklassement blieb dies ohne Auswirkungen. Der Rückstand auf das Bronze-Team Deutschland betrug somit 6,55 statt 2,55 Punkte.

Der Kampf um Gold wurde im Stechen zwischen Schweden und den USA entschieden. Die Gastgeber hatten das bessere Ende für sich. Die Schweden hatten mit drei Blankoritten mächtig aufgeholt, aber es wurde doch nicht Gold.

Debakel zum Auftakt

Die Schweiz hatte zum Auftakt ein Debakel erlebt. Werner Muff eröffnete auf Daimler mit dem vermeintlichen Streichresultat von 13 Punkten. Wie an den Tagen zuvor klappte in den Kombinationen nicht viel. Doch es kam noch schlimmer. Der Ritt von Janika Sprunger im Sattel von Bacardi, in der Summe der ersten zwei Tagen die Beste des helvetischen Quartetts, geriet zum Totalausfall: Fehler am ersten Hindernis und zweimal Verweigerung und somit das Out für die Cousine der Leichtathletik-Europameisterin Lea Sprunger. Die Mannschaft von Equipenchef Andy Kistler wurde auf den 5. Zwischenrang durchgereicht - mit drei Fehlern Rückstand auf Gold. "Noch ist nichts gewonnen. Es gilt, fokussiert zu bleiben", hatte Sprunger nach den ihren starken ersten zwei starken Auftritten betont. Ausgerechnet bei ihre bewahrheitete sich diese Warnung. Nun geriet sogar die Olympia-Qualifikation für Tokio, die den Top 6 zusteht, in Gefahr.

Martin Fuchs auf seinem Schimmel Clooney stoppte die Drehung in der Negativspirale. Der junge Zürcher zeigte einen souveränen Blankoritt. Somit war die Schweiz zurück im Kampf um die Bronzemedaille, Schweden und die USA lagen bereits ausser Reichweite. Allerdings war die Equipe von Andy Kistler auf einen Fehler des Deutschen Marcus Ehning angewiesen. Mit Pret a Tout leistete er diesen Gefallen nicht.

Die Equipe von Andy Kistler war nach den Prüfungen vom Mittwoch und Donnerstag als führende Nationen knapp vor den USA in die Schlussrunde gestiegen. Diese Position gab das Quartett mit 17 zusätzlichen Punkten aus der Hand. Guerdat und Co. verpassten somit die Chance, an den Weltreiterspielen in North Carolina die magere Bilanz der Schweizer Springreiter an Weltmeisterschaften aufzupolieren. An den globalen Titelkämpfen - seit 1953 in unregelmässigen Abständen ausgetragen - resultierte bislang erst eine Bronzemedaille mit der Mannschaft 1994 in Den Haag.

Der Kampf um die Medaillen im Springreiten wird am Sonntag fortgesetzt. Die Top 25 der Zwischenwertung ermitteln in den Umgängen vier und fünf noch den Weltmeister. Martin Fuchs an dritter Position meldet weiterhin seine Ambitionen an. Steve Guerdat, nach dem Jagdspringen noch der Führende, liegt im 9. Zwischenrang.