Seit Tiger Woods 2007 hat kein Golfer mehr das vierte und letzte Majorturnier des Jahres zweimal in Folge für sich entschieden. An der 100. US PGA Championship, die ab Donnerstag im Bellerive Country Club in St. Louis im Bundesstaat Missouri ausgetragen wird, könnte es wieder so weit sein.

Justin Thomas, der 25-Jährige aus dem Bundesstaat Kentucky, muss ein Feld von 156 Spielern meistern, ein Feld, das mehr als doppelt so gross ist wie jenes von letzter Woche am WGC-Turnier in Akron/Ohio, das er mit vier und mehr Schlägen Vorsprung hinter sich liess. Die Qualität der beiden Felder ist jedoch nahezu identisch. Alle Spieler, die nach realistischer Einschätzung für den Sieg in Frage kommen, waren und sind dort wie hier am Start.

Gegen Justin Thomas spricht nur die Tatsache, dass sich der Wettfavorit an einem grossen Turnier in den letzten Jahren praktisch nie durchsetzen konnte. Thomas würde mit einem Sieg zum zweiten Mal den ebenfalls zu den ersten Favoriten zählenden Landsmann Dustin Johnson von der Spitze der Weltrangliste verdrängen. Thomas hatte Johnson Mitte Mai dieses Jahres für vier Wochen als Nummer 1 abgelöst.

Woods' letzte Chance im Ryder Cup

Tiger Woods hat im Jahr seines bislang erstaunlich gut verlaufenen Comebacks noch eine kleine Chance, sich auf dem regulären Weg ins amerikanische Team für den Ryder Cup von Ende September in Paris zu spielen. Aber selbst ein Sieg in Missouri würde dem Superstar nichts garantieren, denn er wäre auch darauf angewiesen, dass verschiedene andere Spieler keine Spitzenplätze belegen. Er hat es also nicht selbst in der Hand. Für Woods ist die US PGA Championship das letzte Ryder-Cup-Qualifikationsturnier. Sollte er es nicht unter die acht direkt Qualifizierten bringen, könnte er immer noch darauf hoffen, dass er eine der vier Wildcards bekommt, die dem Teamcaptain Jim Furyk zur Verfügung stehen.

Davis Love zum 100.

Eine besondere Woche erlebt der altgediente US-Golfer Davis Love. Der 54-jährige, der an der US PGA Championship 1997 seinen grössten Triumph errang, bestreitet im Bellerive Country Club sein 100. Turnier auf Grand-Slam-Stufe. Dies ist eine aussergewöhnliche Marke, die nur ganz Grosse wie Jack Nicklaus oder Gary Player in ihren Karrieren übertrafen.

Loves Name ist eng mit dem Ryder Cup verknüpft. Ab 1993 spielte er sechsmal (zwei Siege) im amerikanischen Zwölf-Mann-Team. 2012 war er Vizecaptain, und am bislang letzten Ryder Cup 2016 führte er die Mannschaft als Captain zu einem triumphalen Sieg.

Wundertüte Rory McIlroy

Im März beendete Rory McIlroy in Orlando eine anderthalbjährige Durststrecke, während der er als früherer Seriensieger kein Turnier gewonnen hatte. In den letzten Monaten erspielte er sich fünf Platzierungen unter den ersten drei, aber an den grossen Turnieren blieben weitere Siege aus. Die US PGA Championship gewann der mittlerweile 29-jährige Nordire 2012 und 2014. Seine weiteren grossen Siege waren jene am US Open 2011 und am British Open 2014. Er wartet also seit vier Jahren auf seinen fünften Majortitel - mit dem er in der Allzeit-Statistik unter anderen Severiano Ballesteros einholen würde. Aber hierfür müsste McIlroy in dieser Woche beweisen, dass er - wie früher - eine gute Ausgangslage in der Schlussrunde nutzen kann.