Ein imponierender Steigerungslauf mit überragendem Radabschnitt bildete die Grundlage für den Triumph der 36-jährigen Zürcher Unterländerin. Spirig setzte sich auf einer anspruchsvollen Strecke in Glasgow nach 1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren und 10 km Laufen in 1:59:13 Stunden mit 33 Sekunden Vorsprung vor der entthronten englischen Titelverteidigerin Jessica Learmonth durch. Die drittklassierte Französin Cassandre Beaugrand verlor bereits 1:44 Minuten.

Mit einem schnellen Wechsel auf die coupierte Laufstrecke holte Spirig rasch wertvolle Sekunden Vorsprung auf Learmonth heraus. Spirig und Learmonth hatten sich nach zwei Disziplinen deutlich von der Konkurrenz abgesetzt.

Spirig absolvierte die erste Disziplin im 8. Rang mit einem Rückstand von 51 Sekunden. Nach rund 30 Radkilometern holte die Schweizerin mit einem Solo-Ritt das Führungsduo ein und fuhr kompromisslos weiter. Prompt musste Beaugrand, die als laufstärkste Triathletin im Feld galt, abreissen lassen.

Mit 700 Gramm Schokolade nach Glasgow

Spirig wechselte sich in der Führungsarbeit nun mit der schnellsten Schwimmerin und guten Radfahrerin Learmonth ab und distanzierte Beaugrand bis zum Wechsel auf der Laufstrecke um über eineinhalb Minuten. Das nachfolgende Hauptfeld war bereits vorher deutlich abgeschlagen.

Die Verfolgerinnen erreichten auf dem anspruchsvollen Radparcours selbst als Gruppe nie eine vergleichbare Pace wie Spirig. «Ich wusste, dass ich fit bin. Deshalb war ich mir auch sicher, dass ich auf der zweiten Hälfte der Radstrecke noch zusetzen kann», betonte die Goldmedaillengewinnerin.

Der Zusammenschluss mit Learmonth an der Spitze bereitete Spirig «Spass», da beide im Finish der zweiten Disziplin gut harmoniert hätten. «Das Laufen war dann aber auch für mich hart. Ich verspürte Seitenstechen. Schliesslich machten sich in den Beinen auch Krämpfe nach dem harten Radfahren bemerkbar», sagte Spirig.

Spirig widmete ihren Sieg vorab auch ihrem «ganzen Team», darunter die eigene Familie mit Ehemann Reto Hug und die beiden gemeinsamen Kinder sowie ihr langjähriger Trainer Brett Sutton. «Und natürlich bin ich mir bewusst, dass ich nicht mehr serienweise Titel gewinnen werde in meinem Alter. Deshalb geniesse ich diesen Moment natürlich sehr.»

Sie habe es sich zudem auch vor diesem Titelrennen nicht nehmen lassen, das eine oder andere Stück Schokolade als Energielieferant zu verspeisen. Gegenüber dem Schweizer Fernsehen bestätigte Spirig, mit 700 Gramm Schweizer Schokolade im Reisegepäck nach Glasgow gekommen zu sein.

Erster Titelgewinn als zweifache Mutter

Es ist Spirigs erster Einzel-EM-Titelgewinn seit der Heim-EM 2015 in Genf und der erste Medaillengewinn als mittlerweile zweifache Mutter. 2013 kam Sohn Yannis auf die Welt, 2017 Tochter Malea Lexi.

Den ersten EM-Titel hatte sich die Olympia-Zweite von 2016 bereits 2009 erkämpft. Bislang war Spirig mit der Portugiesin Vanessa Fernandes gemeinsam EM-Rekordtitelträgerin. Dabei hat Spirig im Verlauf ihrer Karriere wegen zwei Babypausen oder jeweils anderer Saisonplanung längst nicht jeden EM-Termin wahrgenommen.

Am Samstag steht in Glasgow der Mixed-Team-Wettbewerb mit Spirig an, der 2020 in Tokio erstmals im olympischen Programm stehen wird. Auch ohne die noch bis Herbst verletzungsbedingt ausfallende Jolanda Annen ist mit dem Schweizer Team im Wettkampf über je 300 m Schwimmen, 6,7 km Radfahren und 1,5 km Laufen für je zwei Männer und Frauen dank der extrem formstarken Spirig im Kampf um die Medaillen zu rechnen.

Vorher stehen am Freitag noch die Männer an der Startlinie, unter ihnen die drei Schweizer Andrea Salvisberg, Sylvain Fridelance und Adrien Briffod.