König waren schon viele. Doch er hat sie alle überragt, auch die heutigen: Rudolf «Rüedu» Hunsperger war und bleibt der König aller eidgenössischen Könige. Sein Ruhm gründet nicht nur auf seinen sportlichen Heldentaten im Sägemehl. Mehr noch verdankt er seinen Bekanntheitsgrad weit über die Schwingerszene hinaus seiner königlichen Art, seiner Unbeugsamkeit und schliesslich seinem tragischen Schicksal.

Eine Episode aus seinem Leben erklärt uns sein Wesen und Wirken. 1977 wird Rudolf «Rüedu» Hunsperger vier Jahre nach seinem Rücktritt durch Obmann Ernst Marti offiziell aus der Schwinger-Gemeinde exkommuniziert. Weil der König von 1966, 1969 und 1974 Werbung für Herrenanzüge gemacht und im Zirkus Knie mit einem Bären gerungen, gegen die Bestie obsiegt (!) und einen Schaukampf gegen den damals weltberühmten japanischen Ringer Antonio Inoki bestritten hatte.

Der Verstossene sollte dann beim «Eidgenössischen» in Basel für Radio Beromünster arbeiten. Ernst Marti verwehrte ihm den Zutritt und drohte, das «Eidgenössische» werde nicht beginnen, wenn sich der Geächtete in der Arena aufhalte. «Rüedu» ignorierte einfach den Zorn des «Zwilchhosen-Ajatollahs», schritt stolz an den Eingangskontrollen vorbei, nahm hinter dem Mikrofon Platz – und das Fest begann. Fachkundig und ungestört analysierte der alte König den Radio-Hörerinnen und -Hörern des staatlichen Rundfunkes die Gänge des neuen Königs Arnold «Noldi» Ehrensberger.

Die verhängnisvolle Spritze

Seine Popularität war nach dem Rücktritt in den 1970er-Jahren mit jener von Bernhard Russi vergleichbar. Eine bessere Basis für ein weiterhin erfolgreiches Leben ist kaum denkbar. Aber der König konnte sein Glück nicht festhalten. Der Niedergang kam nicht mit einem Donnerschlag. Eher schleichend. Unmerklich Ende der 1980er-Jahre.

1987 die erste Scheidung. Finanzielle Engpässe. Missglückte Versuche als Garagist und in der Gastronomie kosteten viel Geld und führten auch zu einem Konkursverfahren. Vielleicht war König «Rüedu» Hunsperger manchmal zu gutmütig. Vielleicht etwas zu leger in geschäftlichen Dingen.

Im Sommer 2000 ist er drauf und dran, wieder Tritt zu fassen. In diesem Moment ereilt ihn der schwerste Schicksalsschlag, von dem er sich nie mehr erholen sollte. In Form einer infizierten Spritze. Eines ärztlichen Kunstfehlers. Im Juli 2000 bekommt er wegen Rückenschmerzen eine Spritze. Sie löst eine Blutvergiftung aus. Die Ärzte geben ihm 20 Prozent Überlebenschancen. Fünf Kilo infiziertes Gewebe werden herausgeschnitten. Er liegt zwei Wochen im Koma und zwei Monate auf der Intensivstation – und kommt noch einmal davon. Aber er wird nie mehr ganz gesund.

Ein Leben geprägt von Triumphen und Tragödien, hier bloss im gerafften Überblick mit knappen Strichen angedeutet, macht nachdenklich. Eine Weisheit passt allerdings am allerwenigsten: «Hochmut kommt vor dem Fall». Denn überheblich war «Rüedu» nie. Auch in seinen besten Zeiten nicht. Ganz im Gegenteil. Er blieb immer bescheiden. So fest er als Schwinger seinerzeit zupackte – er war eher zu weich und manchmal zu leichtsinnig und zu gutmütig.

Warmherzig und liebenswert

«Rüedu» war nie einer, der sein Los bejammerte und den anderen die Schuld gab. Er wusste, dass er Fehler gemacht hatte, die sich bitter rächten. Für die Spritze freilich, die ihn schon vor 18 Jahren an den Rand des Todes gebracht hatte und ihn so viel Lebenskraft kosten sollte, dass er schliesslich Samstagmorgen nicht mehr weiterleben mochte, konnte er rein gar nichts.

Rudolf Hunsperger bleibt als grösste Schwingergestalt aller Zeiten unvergessen. Aber mehr noch als bescheidener, freundlicher, warmherziger, liebenswerter, gutmütiger und sensibler Mensch. Vielleicht zu sensibel, um vor einem unergründlichen Schicksal auf Dauer als König bestehen zu können. Und doch ist er unbeugsam geblieben. Den Zeitpunkt seines Übertrittes in die Ewigkeit hat «Rüedu» selber festgelegt.