In diesen Tagen wird im Dopingfall des Schwingers Martin Grab die B-Probe geöffnet. Der Athlet kann der Prozedur auf Wunsch beiwohnen oder einen (Rechts-)Vertreter schicken. Die Chance, dass die B-Probe das Resultat der A-Probe nicht bestätigt, ist allerdings äusserst gering. Grab dürfte also auch weiterhin ein angeschuldigter Dopingsünder bleiben. Doch wie ist der Weg bis zu einer definitiven Verurteilung?

Martin Grab bei seinem letzten Auftritt - am Schwyzer Kantonalfest in Sattel

  

In der Regel bekommt die Öffentlichkeit vom gesamten Ablauf bis zum Urteil nichts mit. Erst das Verdikt wird kommuniziert – und auch das nur bei einem Schuldspruch. Schliesslich gilt die Unschuldsvermutung. Bisweilen gelangt eine Untersuchung durch den Athleten selber oder durch ein «Informationsleck» an die Medien – wie bei Schwinger Grab oder Velofahrer Froome geschehen.

Neben dem Sportler werden nämlich auch der entsprechende Fachverband und der Auftraggeber über eine positive Dopingprobe informiert. Auftraggeber kann etwa ein internationaler Sportverband sein..

Martin Grab erwartet in den nächsten Tagen die B-Probe.

  

Bei einem positiven Ergebnis eines von Antidoping Schweiz durchgeführten Tests entscheidet seit 2002 die Disziplinarkammer für Dopingfälle über das Verdikt. Alle Schweizer Sportverbände haben das Sanktionsrecht für Doping an dieses Gremium abgetreten – zuletzt 2017 auch der Schwingverband.

Diese DK ist organisatorisch Swiss Olympic angeschlossen, inhaltlich aber unabhängig. Der Präsident, die drei Vizepräsidenten und die bis zu zwölf Mitglieder werden vom Sportparlament gewählt. Aktueller Präsident ist der Jurist Carl-Gustav Mez, der als Richter am Basler Appellationsgericht amtet.

Nicht befriedigende Vielfalt

In der Regel tagt die DK in Dreierbesetzung – zwei Juristen und eine wissenschaftliche Fachperson. Als Anklagebehörde fungiert Antidoping Schweiz, das auch eine Urteilsempfehlung abgibt. Alle Urteile der DK können vor dem Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne (CAS) angefochten werden – durch den Athleten, dessen Fachverband, Antidoping Schweiz oder die Welt-Antidoping-Agentur Wada.

Weil neben den nationalen Antidoping-Agenturen auch Sportverbände, das IOC oder die Wada Tests in Auftrag geben können, herrscht beim Weg zur Sanktionierung eine nicht befriedigende Vielfalt. Die meisten Verbände haben eigene Schiedsgerichte, viele davon aber nicht genügend unabhängig. Dass noch vor wenigen Jahren ein Leichtathletik-Weltverbandspräsident bei Dopingvergehen manipulieren konnte, gibt zu denken. Zum Glück stieg zuletzt der öffentliche Druck auf die Verbände, den Dopingbereich von A bis Z unabhängiger zu gestalten. Der Schweizer Sport hat sein Rezept längst gefunden.