Roger Federer ist an den Credit Suisse Sports Awards in Zürich zum siebten Mal als Sportler des Jahres ausgezeichnet worden. Der Basler Tennisstar, der im zu Ende gehenden Jahr ein grandioses Comeback gefeiert hatte, setzte sich deutlich vor den beiden Weltmeistern Nino Schurter (Mountainbike) und Beat Feuz (Ski alpin) durch. Federer folgt auf Fabian Cancellara, der die Trophäe vor einem Jahr gewonnen hatte. 

Sportler des Jahres: Roger Federer

Richtig weg war Roger Federer nie. Und doch war das Jahr 2017 wie eine Auferstehung des Ausnahmekönners. Erstmals seit 2009 gewann der 36-jährige Baselbieter zwei Grand-Slam-Turniere in einem Jahr.

Um die Saison von Federer angemessen zu würdigen, muss man auf 2016 zurückblicken. Von einer Knieverletzung gebeutelt hatte er nur sieben Turniere bestreiten können. Er war erstmals seit 16 Jahren ohne Titel geblieben und hatte die Saison nach Wimbledon vorzeitig beenden müssen. In der Weltrangliste fiel er bis auf Platz 17 zurück.

Und dann kehrte Federer auf die Tour zurück, nicht so, als wäre nichts gewesen, sondern besser als vor der Verletzung. Er tastete sich im Januar beim Hopman Cup zusammen mit Belinda Bencic ans höchste Niveau heran, nahm beim Australian Open in den ersten beiden Runden zögerlich Anlauf, um schliesslich Tomas Berdych, Kei Nishikori, Mischa Zverev, Stan Wawrinka und Rafael Nadal aus dem Weg zu Räumen und seinen 18. Grand-Slam-Titel zu feiern - viereinhalb Jahre nach dem letzten.

Roger Federer wird zum siebten Mal Schweizer Sportler des Jahres.

Roger Federer wird zum siebten Mal Schweizer Sportler des Jahres.

Bis zur Sandsaison, die er komplett ausliess, gewann Federer neben dem Australian Open auch die beiden Masters-1000-Turniere in Indian Wells und Miami. Als er Anfang Juli nach Wimbledon reiste, hatte er nur zwei Niederlagen kassiert. In der Favoritenrolle marschierte er als erster Spieler seit Björn Borg 1976 ohne Satzverlust durch das wichtigste Turniers des Tennisjahres und krönte sich mit dem achten Titel zum alleinigen Rekordsieger.

Nachdem er wegen Rückenbeschwerden am US Open nicht seine besten Leistungen hatte abrufen können und im Viertelfinal gescheitert war, erhöhte Federer in Schanghai und Basel seine Turnierausbeute 2017 auf sieben Titel. Mehr Trophäen hat er letztmals vor zehn Jahren geholt.

Sportlerin des Jahres: Wendy Holdener 

Wendy Holdener ist mit dem Gewinn des WM-Titels in der Kombination ganz oben angelangt. Im Weltcup ist das nächste Ziel längst fixiert. Die Schwyzerin jagt weiterhin den ersten Sieg im Slalom.

Es war einer der Tage, der zweite Freitag im vergangenen Februar an den Weltmeisterschaften in St. Moritz. Die 24-jährige Wendy Holdener gewann in der Kombination Gold vor ihrer Teamkollegin und Freundin Michelle Gisin. Eine Woche später stand Wendy Holdener im Engadin wieder auf dem Podest.

Silber im Slalom - eine Klassierung mit symbolischem Hintergrund im doppelten Sinn. Zum einen war die Schwyzerin in sechs der sieben bis zu jenem Zeitpunkt ausgetragenen Slaloms im Weltcup unter die ersten drei gefahren. Zum andern ist Platz 2 an einem Grossanlass die "logische" Klassierung für eine, die im Weltcup in dieser Sparte noch nie ganz vorne gelegen hat.

Wendy Holdener holt den Award bei den Frauen.

Wendy Holdener holt den Award bei den Frauen.

Dieser fehlende erste Platz - ein Thema, das Wendy Holdener auch durch diesen Winter begleitet. Dies wird so lange so sein, bis dieser Sieg Tatsache wird. Die Unteribergerin hat ihn stets im Hinterkopf, dazu wird sie auch in der Öffentlichkeit oft darauf angesprochen. Dass sie das Ganze nervt, wäre übertrieben. Trotzdem wäre sie froh, "wenn es endlich mal passieren würde".

Passiert ist im Leben der Spitzensportlerin Wendy Holdener schon einiges. Im grösseren Rahmen auf sich aufmerksam gemacht hatte die Innerschweizerin zum ersten Mal vor knapp sieben Jahren an den Junioren-Weltmeisterschaften in Crans-Montana. Im Wallis gewann sie einen kompletten Medaillensatz. Gold wurde es in der Kombination. Der Titel sollte ein Vorbote dafür sein, was sich sechs Jahre danach bei den "Grossen" wiederholt hat.

Trainer des Jahres: Severin Lüthi 

Severin Lüthi ist eine der grossen Figuren hinter den grandiosen Schweizer Tenniserfolgen des letzten Jahrzehnts.

An den ATP Finals in London wurde Roger Federer kürzlich von einem englischen Journalisten gefragt, ob sein Coach Severin Lüthi in der Öffentlichkeit die Anerkennung erhalte, die er verdiene. Der Schweizer Superstar musste nur kurz überlegen, ehe er festhielt: "Nein."

Als der heute 41-jährige Berner im Sommer 2005 Captain des Schweizer Davis-Cup-Teams wurde, war der Widerstand gross - gerade in der Romandie. Vor allem ennet des Röstigrabens wurde der Nachfolger des charismatischen, aber chaotischen Marc Rosset als Non-Valeur angesehen. Lüthi hat zwar mit den Grasshoppers zehn Interclub-Titel gewonnen, in der Weltrangliste brachte er es als Spieler aber nicht über Platz 622 hinaus. Viele glaubten, er habe seinen Job nur, weil er seit Jahren mit Federer befreundet ist.

Lüthi ist kein Lautsprecher, aber ein akribischer Arbeiter und schlauer Denker. "Für mich zählt nur, dass ich Roger helfe, besser zu spielen", lautet seine Devise als Coach des 19-fachen Grand-Slam-Siegers. Und während die Starcoaches wie Paul Annacone oder Stefan Edberg kamen, im Rampenlicht standen und wieder gingen, war Lüthi bei allen Erfolgen dabei - gerade auch in diesem Jahr des sensationellen Comebacks nach einem halben Jahr Verletzungspause.

Sein Meisterstück lieferte "Seve" Lüthi aber 2014 im Davis Cup mit dem Final-Triumph gegen Frankreich ab. Auch ohne die beiden Ausnahmekönner Roger Federer und Stan Wawrinka schaffte er es mit seiner Mannschaft in den letzten beiden Jahren, die Schweiz in der höchsten Klasse zu halten.

Behindertensportler des Jahres: Marcel Hug

Nachdem er im Jahr zuvor an den Paralympics in Rio de Janeiro seine ersten beiden Goldmedaillen gewonnen hatte, lief es dem Rollstuhl-Leichtathleten Marcel Hug auch 2017 wie geschmiert. Er setzt in seiner Sportart neue Massstäbe.

"Er ist noch stärker als in Rio. Er kann im Rennen Regie führen. Besser geht es kaum", resümierte Hugs Trainer Paul Odermatt diesen Sommer nach den Weltmeisterschaften in London, an denen Hug die WM-Titel über 800, 1500 und 5000 Meter holte und seine Stellung als stärkster Rollstuhl-Leichtathlet der Gegenwart zementierte.

Nicht nur physisch, sondern auch psychisch überzeugt der 31-jährige, in der Zentralschweiz lebende Thurgauer. Dank der Erfahrung von über 20 Jahren hat Hug mittlerweile das Gespür für jede Rennsituation. In kritischen Situationen habe er früher oftmals Fehler gemacht, nun könne er mit der nötigen Ruhe reagieren, so Hug.

Gewann den New York Marathon der Rollstuhlfahrer zum dritten Mal: Marcel Hug

Gewann den New York Marathon der Rollstuhlfahrer zum dritten Mal: Marcel Hug

Der mit einem offenen Rücken (Spina Bifida) geborene Athlet ist einer der wenigen Profis unter den Rollstuhl-Leichtathleten. Pro Woche wendet Hug durchschnittlich 30 Stunden auf - ein Wert, mit dem er sich vor anderen Spitzensportlern überhaupt nicht verstecken muss. Im Gegenteil.

Auch weil er seinen Sport mit hohem Aufwand betreibt, stellen sich die zahlreichen Erfolge ein. In diesem Jahr gewann Hug nicht nur dreimal WM-Gold, sondern auch die Marathons in Boston, Seoul, Berlin, Chicago und New York. Damit sicherte er sich zum zweiten Mal in Folge den Gesamtsieg in der "World Marathon Major Series", dem Zusammenschluss der grossen Städtemarathons. Quasi als Zugabe verbesserte er im Frühling seinen eigenen Weltrekord über 10’000 Meter.

Trotzdem gehen Hug die Ziele nicht aus. Im Visier hat er immer noch den Marathon-Weltrekord. Und bis zu den nächsten Paralympics dauert es auch nur noch zweieinhalb Jahre.

Newcomer des Jahres: Nico Hischier

Nico Hischier hat ein aufregendes Jahr hinter sich. Der 18-jährige Oberwalliser schrieb als erster Schweizer Nummer-1-Draft in der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga NHL nationale Sportgeschichte.

Dass Hischier ein aussergewöhnlicher Spieler ist, war schon früh offensichtlich. Eine dermassen rasche Entwicklung hatte allerdings nicht erwartet werden können. Als er im Sommer 2016 den SC Bern verliess und sich dem Juniorenteam Halifax Mooseheads anschloss, galt er zwar als Erstrunden-Draft, mehr aber auch nicht. Bei seiner neuen Equipe überzeugte er jedoch auf Anhieb mit 41 Toren und 52 Assists in 63 Partien. An der U20-WM in Montreal war er mit vier Treffern und drei Assists der beste Schweizer Skorer.

Nico Hischier (r.) im Einsatz für die New Jersey Devils.

Nico Hischier (r.) im Einsatz für die New Jersey Devils.

Hischier zeichnen nicht nur die guten Skorerwerte aus, er verfügt für sein Alter schon über eine ausgesprochene Reife. Trotz des immensen Rummels, der um ihn entstanden ist, blieb er stets gelassen, verlor er nie den Fokus für das Wesentliche und versuchte er, jeden Moment zu geniessen. Ausserdem ist er äusserst hilfsbereit, Starallüren sind für ihn ein Fremdwort.

Hischier stammt aus einer sportlichen Familie. Vater Rino war NLB-Fussballer und arbeitete als Instruktor für den Schweizerischen Fussballverband. Mutter Katja ist Sportlehrerin und ehemalige Schwimmerin. Zudem hatte er mit dem vier Jahre älteren Bruder Luca, der (noch) für den SC Bern spielt, ein Vorbild, dem er nacheiferte. Etwas nicht zu können, gab es für den polysportiv aufgewachsenen Nico Hischier nicht. Das liess sein Ehrgeiz nicht zu.

Ohnehin ist er jemand, der an grossen Aufgaben wächst. Das unterstreicht er mit seinen Leistungen in der NHL. Er erhielt gar ein Sonderlob von Eishockey-Legende Wayne Gretzky, der sagte, dass er es liebe, Nico Hischier zuzuschauen. Die Basis für eine grosse Karriere in der besten Liga ist jedenfalls gelegt.

Team des Jahres: Schweizer Männer-Nationalteam Fussball 

Der guten EM im Sommer 2016 folgt bereits das nächste Highlight: Die Schweizer Fussballer haben sich souverän für die WM-Endrunde qualifiziert. Zehn Siege in zwölf Ausscheidungsspielen verdeutlichen die Ambitionen.

Seit 2006 gehört die Schweizer Equipe ununterbrochen zur WM-Gästeliste. Vier erfolgreiche Qualifikations-Kampagnen in Serie hat auf dem europäischen Kontinent neben der SFV-Auswahl nur ein exklusiver Kreis aktueller und ehemaliger Welt- und Europameister zu bieten: Deutschland, Frankreich, Portugal, Spanien und England.

Die Schweizer Nationalmannschaft beim jubeln.

Die Schweizer Nationalmannschaft beim jubeln.

"Im Ausland geniessen wir den höchsten Respekt", betonte Vladimir Petkovic am Tag nach dem torlosen Remis im Playoff gegen Nordirland. Die Pfiffe der eigenen Fans suggerierten etwas anderes, waren aber nur eine Momentaufnahme. Im Allgemeinen ist das Team inzwischen sehr hoch im Kurs. Tickets für entscheidende Partien sind meistens innerhalb von wenigen Stunden vergriffen.

Der Stil von Petkovics Ensemble kommt gut an. Der Coach arbeitet nicht nur resultatorientiert, der Tessiner mit Wurzeln in Sarajevo lässt einen attraktiven, modernen Fussball spielen. Ballbesitz und Dominanz sind in seiner couragierten Strategie wichtige Themen. Petkovics Handschrift beim Team des Jahres 2017 ist deutlich erkennbar. Seit seinem Einstieg im Herbst 2014 verlor er von 26 Pflichtspielen nur vier - bei einem imposanten Torverhältnis von 51:17.

Gegen die zähen Nordiren demonstrierten die Schweizer, über ein breites Repertoire zu verfügen. Neben spielerischer Klasse und enorm viel Turniererfahrung steckt eine Menge Mentalität in der Nationalmannschaft. Professionals wie der sechsfache Serie-A-Meister Stephan Lichtsteiner und Arsenals Skipper Granit Xhaka personifizieren die entsprechende Leadership perfekt.