Eine Viertelstunde zuvor hat es noch nicht so rosig ausgesehen. Als die YB-Viertelstunde an der Anzeigetafel angekündigt wird, ist die Schlussoffensive zwar voll im Gang, der Ball aber will und will nicht mehr ins Tor der Gäste. Der FCZ verteidigt das 1:1 mit Mann und Maus.

Durch ein Eigentor von Jean-Pierre Nsame (34.) in Führung gegangen, haben die Zürcher zwar nur zwei Minuten später den Ausgleich durch einen Penaltytreffer Sulejmanis hinnehmen müssen, danach aber so diszipliniert gemauert, dass ein Punktgewinn in Reichweite liegt.

YB-Trainer Adi Hütter zieht seinen letzten Trumpf und schickt Starstürmer Guillaume Hoarau nach zweimonatiger Verletzungspause für die letzten neun Minuten ins Getümmel vor dem FCZ-Tor.

Ein Füsschen aus dem Nichts

Sechs Minuten vor Schluss bringt Pa Modou den durchbrechenden Kevin Mbabu zu Fall − Freistoss auf der Grundlinie. Vielleicht denken die Zürcher in diesem Moment: aufgepasst, Hoarau! – und vergessen im Zentrum Mbabu, der die Hereingabe von Djibril Sow in Richtung Tor, aber auch genau auf Vanins köpfelt.

Der Goalie will den Ball fangen, als wie aus dem Nichts ein Fuss vor ihm hochschnellt und die Kugel zum 2:1 für YB ins Tor lenkt.

Dann wird ersichtlich, wem das Füsschen gehört: Der kleine und listige Assalé wird von seinen Teamkollegen gefeiert und wenig später auch der fünfte Heimsieg in Folge sowie die Verteidigung des Siebenpunktevorsprungs auf den FC Basel.

Matchwinner Assalé

Kein Zweifel: Der Mann von der Elfenbeinküste ist der Matchwinner. Schon den Penalty zum 1:1 hatte er herausgeholt. Mit seinem siebten Saisontreffer und dem sechsten Assist in der Liga hat der 24-Jährige seinen Wert unter Beweis gestellt – zwei Tage nach der vorzeitigen Vertragsverlängerung bis 2021. «Sein Siegtor passt dazu wie die Faust aufs Auge», sagt der erleichterte YB-Trainer Hütter hinterher.

«Stimmt, es passt zwischen YB und mir. Ich bin glücklich, dass mir dieser Klub so viel Vertrauen entgegenbringt und ich ihm etwas zurückgeben kann», sagt Assalé, als er als einer der Letzten vom Spielfeld kommt. Gefeiert worden vom begeisterten Anhang ist vor allem er.

«Wir haben den Sieg verdient, weil wir mehr am Ball waren, die besseren Torchancen hatten und aggressiv gespielt haben», sagt Assalé. Und muss schmunzeln, als er erzählt, wie reaktionsschnell er seinen Fuss beim 2:1 eingesetzt habe.

Klein und putzig

«Dieser ist Gold wert», sagt Mitspieler Christian Fassnacht. «Roger ist extrem wichtig für uns. Er arbeitet unheimlich viel und ich bin happy, dass er seinen Vertrag verlängert hat.» Assalé sei neben dem Platz ein eher zurückhaltender und ruhiger Typ, sagt Fassnacht, «aber wenn er zusammen mit seinen afrikanischen Kollegen aufblüht, zeigt er Temperament. Weil er so klein ist, sagen wir immer mal wieder, wie putzig er doch sei.»

Unberechenbare 1,67 Meter

Goalie David von Ballmoos sagt: «Es macht einfach Spass, einen solchen Typen in der Mannschaft und in der Kabine zu haben. Und wie er auf dem Platz wirbelt, ist sowieso fantastisch.» Hütter sagt: «Roger ist für uns auch deshalb so wichtig, weil er mit seiner Beweglichkeit und Schnelligkeit ein anderes Element in die Mannschaft bringt.»

Seit YB im letzten Winter den 1,67 Meter kleinen Stürmer von TP Mazembe aus dem Kongo nach Bern geholt hat, ist es unberechenbarer geworden. «Assalé passt mit seiner Spielweise, seinem unbändigen Siegeswillen und seinen menschlichen Werten perfekt zu YB», sagt Sportchef Christoph Spycher. «Ich hoffe einfach, dass alles genauso weitergeht», sagt Assalé.