Die beiden Berner Thomas Baumgartner und Thomas Kläsi stehen morgen Samstag in der Klotener Swiss-Arena beim Superfinal der Männer zum letzten Mal im Einsatz. 23 Jahre waren sie gemeinsam als Schiedsrichter unterwegs. Ein Rückblick der etwas anderen Art.

Die Kommunikation

Baumgartner/Kläsi sind kommunikativ Extraklasse. Dabei überraschen sie die Spieler auch ab und zu. Als in Chur ein junger Heisssporn nach einem Entscheid mit rotem Kopf und laut motzend auf die beiden zukam, fragte ihn Thomas Baumgartner: «Weisst du, wie lange der Gotthardtunnel ist?» Die geplante Reklamation war damit im Keim erstickt.

Das Fundbüro

Thomas Kläsi fand während eines Spiels in der Turnhalle Frenkendorf am Spielfeldrand ein zusammengerolltes Bündel Hunderternoten. «Rund 1000 Franken lagen da direkt hinter den Banden», sagt er schmunzelnd. Natürlich gab er das Geld nach Spielende ab. Auf die verwerfliche Idee, die Banknoten wären unter Umständen als Bestechung gedacht gewesen, kam das Duo nicht.

Der Ruf

Bei einem Spiel im Playoff-Halbfinal zwischen Köniz und Wiler-Ersigen wurde das Duo beim Aufwärmen von einer Funktionärin gestört. Sie fragte, ob die beiden heute pfeifen, und antwortete auf die Bestätigung: «Zum Glück: Ich hatte schon befürchtet, es kämen Kläsi/
Baumgartner!»

Die Mobiliar Topscorer Matthias Hofbauer (SV Wiler Ersigen) und Jarkko Nurmela (Alligator Malans) beantworteten vor dem wichtigsten Spiel der Saison drei unkonventionelle Fragen von Steffi Buchli:

Der Zahlenmensch

Thomas Kläsi hat seine Einsätze als Schiedsrichter fein säuberlich dokumentiert. So kann er auch Auskunft geben über zurückgelegte Kilometer oder gepfiffene Strafen. Unter Letzteren sticht eine ins Auge: Ein einziges Mal ahndeten Kläsi/Baumgartner das Vergehen «hoher Fuss». «Interessanter wäre aber wohl die Anzahl Strafen gemäss Regelbuch, die wir nicht gegeben haben. Wenn zum Beispiel jemand von der Spielerbank Wasser aufs Feld spritzt, um die Partie bewusst zu unterbrechen, dann wäre das Rot. Bei solchen Aktionen drückten wir mehr als einmal ein Auge zu», sagt Kläsi.

Das Schlitzohr

Ab und zu lachten Kläsi/Baumgartner bei unerlaubten Aktionen von Spielern sogar mit. Etwa, als sie beobachteten, wie Wiler-Ersigens Torhüter Daniel Streit versuchte, dem bei einem Freistoss vor ihm stehenden gegnerischen Stürmer die Schnürsenkel zusammenzubinden. Im Inneren hofften sie darauf, dass die Aktion gelingen möge. Und sie revanchierten sich bei Schlitzohr Streit sogar: «Wir haben ihm vor einem Match gesagt, neu dürften die Torhüter nur noch drei Schritte machen. Er hat sich das ganze Spiel lang peinlich genau an die erfundene Regel gehalten.»

Die Begrüssung

Bei einem NLB-Spiel in Jona wurden Baumgartner und Kläsi vom einheimischen Speaker mit folgenden Worten vorgestellt: «Die heutige Partie wird geleitet von den Herren Zollbrück und Grünenmatt.» Selber zeigten sich die beiden in Geografie sattelfester. Sie fanden den Spielort ausnahmslos, was längst nicht alle Unihockey-Schiedsrichter von sich behaupten können.

Das Maskottchen

Vor dem allerersten gemeinsamen Playoff-Spiel vor 18 Jahren kauften sich Baumgartner/Kläsi in der Raststätte Heidiland eine Stoff-Ente als Glücksbringer. Seither hat «Loddar» jeweils beim ersten Playoff-Einsatz Geburtstag. Dieser wird mit Kuchen, Kerzen und Luftballons in der Schiri-Garderobe extensiv gefeiert. Schon so mancher Funktionär hat sich ob dieser speziellen Zeremonie seither verwundert die Augen gerieben.

Die Entschädigung

Am grössten Klubturnier der Welt, dem Czech Open in Prag, erhielten die zwei Schweizer anstatt Spesen 24 grosse Büchsen tschechisches Bier. Im Gegensatz dazu ist der Konsum von Alkohol für Schiedsrichter während des gesamten WM-Turniers strikt verboten. «Eine solche Regelung kennt nicht einmal die Fifa», sagt Baumgartner.

Die Unmutsbekundung

Selbst beliebte Schiedsrichter wie Kläsi/Baumgartner müssen sich zuweilen das eine oder andere gefallen lassen. «Einmal wurden wir mit einem Schlüsselbund und einem Portemonnaie beworfen», erinnert sich Baumgartner. Und sogar ein Nokia-Handy kam einst geflogen – vom unzufriedenen Vater einer Spielerin.

Die Mobiliar Topscorerinnen Flurina Marti (Piranha Chur) und Andrea Gämperli (UHC Dietlikon) beantworteten vor dem Superfinal vom Samstag drei Fragen von Steffi Buchli:

Die Exoten

Die längste Reise führte die Schweizer Schiedsrichter für das WM-Qualifikationsspiel Japan - Singapur der Frauen nach Tokio. Dabei war nicht nur die Affiche exotisch. Die Spielerinnen verneigten sich als Dank nach dem Spiel vor den Unparteiischen. «Sogar für das Aussprechen einer Strafe bedankten sich die japanischen Spielerinnen», wundert sich Baumgartner.

Die Verwechslung

Ihren ersten «grossen» Match der Karriere leiteten Baumgartner/Kläsi beim Cup-Derby Rotweiss Chur gegen Torpedo Chur – ungewollt! Der Veranstalter wollte für dieses spezielle Spiel unbedingt das damals beste Schweizer Schiri-Duo «Baumgartner/Baumgartner», rief aber beim falschen, dritten «Boumi» an. «Natürlich nahmen wir diese Einladung an, obwohl wir damals noch gar nicht NLA-Spiele leiteten. Die beiden Teams machten ziemlich grosse Augen, als auf einmal wir zwei Clowns in der Halle standen …»

Die Fremdsprache

Kläsi/Baumgartner hatten zu Beginn ihrer internationalen Karriere ein Defizit bei der englischen Sprache. «Als wir am Czech Open 1998 in Prag die Aufforderung «Hände runter» mit «Hands up» übersetzten, schauten uns die Spieler nur ungläubig an.» Beim ersten Regeltest in englischer Sprache fielen sie durch, weil sie die Begriffe «absichtlich» und «unabsichtlich» konsequent verwechselten.

Die Motivation

Es gab eine Phase, da stritten die beiden Schiedsrichter in der Pause auffällig viel miteinander. Um diesen negativen Trend zu stoppen, begannen Baumgartner und Kläsi vor dem Spiel Rubbellose zu kaufen. In jeder Spielpause öffneten sie nun je ein Los und fuhren die Emotionen damit bewusst herunter. Finanziell ausbezahlt haben sich die 50 Franken Einsatz pro Spiel allerdings nicht.

Der Dialekt

Wenn Kläsi/Baumgartner während eines Länderspiels miteinander nicht einverstanden waren, flogen verbal auch mal die Fetzen. So manch berndeutsches Fluchwort wurde ausgetauscht. Bei einem internationalen Einsatz gab es für die eine oder andere Ausdrucksform unter der Gürtellinie sogar Lob vom Observer, der die «beeindruckende Kommunikation» des Duos explizit hervorhob.

Das Jassen

Eine grosse Leidenschaft der zwei Schiedsrichter ist Jassen. Man habe an internationalen Turnieren und auf Reisen stundenlang miteinander gejasst. «Und dabei x neue Varianten entwickelt», sagt Kläsi. «Unter anderem neben dem Slalom auch den Riesenslalom, den Super-G und die Abfahrt.» Für jeden Grossanlass gab es so eine neue Jass-Form.

Die Wette

Wenn sich das Duo während des Spiels bei einem Entscheid nicht einig war, wurde gewettet. Wer aufgrund der Videoanalyse falsch lag, zahlte fünf Franken in die gemeinsame «Teamkasse».

Die Vorbereitung

Zum Aufwärmen wird bei Kläsi/Baumgartner traditionell Fussball gespielt. Wobei das Niveau des Gekickes nicht über alle Zweifel erhaben ist. So mag sich Thomas Kläsi erinnern, dass er den Ball auch schon aus einem Fluss gefischt, von einem Baum geholt oder sogar in Zürich beim Mehrfamilienhaus neben der Turnhalle auf dem Balkon des dritten Stocks versenkt hat.