Die Europäische Union hat Roaming per 15. Juni 2017 abgeschafft. Schweizer profitieren davon allerdings nicht. Sie müssen die teils horrenden Gebühren weiterhin bezahlen – ausser sie sind Kunde bei UPC. Das Unternehmen schliesst sich der EU an und streicht Roaming aus seinen Mobile-Abos.

Wer über eines der neuen "Mobile Europe Flat-Abos" verfügt, bezahlt für Internet, Telefonie und SMS-Verkehr in der EU gleich viel wie in der Schweiz. Dieses Angebot sei im Schweizer Markt einzigartig, schreibt UPC in einer Mitteilung. Die Abos sind ab dem 28. Juni zu haben.

Das beinhalten die drei neuen Abos

  • Internet (1 GB, 4GB, 10GB pro Monat) in der Schweiz und der EU
  • Unlimitierte Anrufe und SMS innerhalb der Schweiz
  • Anrufe innerhalb des EU-Aufenthaltslandes
  • Anrufe in die Schweiz
  • Eingehende Anrufe im EU-Aufenthaltsland

Das beinhalten die Abos nicht

  • Anrufe aus der Schweiz in die EU
  • Anrufe zwischen EU-Ländern

Das gilt es ausserdem zu beachten

  • Die roamingfreien Abos kosten pro Jahr 72 Franken mehr als die weiterhin bestehenden "Mobile Swiss"-Abos
  • Die Leistungen der roamingfreien Abos beschränken sich auf die EU.

Das billigste Roamingpauschalabo von UPC kostet 35 Franken pro Monat und enthält neben unbeschränkten Anrufen und SMS in der EU noch 1 GB Datenvolumen, wie die grösste Kabelnetzbetreiberin der Schweiz am Montag bekannt gab.

Die Konkurrenz sei wesentlich teurer, analysierten die Internetvergleichsdienste Verivox und Dschungelkompass auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. So koste das günstigste Abo mit Inklusiv-Minuten und Inklusiv-Daten fürs Roaming bei der Swisscom 60 Franken im Monat, erklärte Verivox-Telekomexperte Ralf Beyeler. Allerdings sei bei diesem Swisscom-Abo das Internet sehr langsam.

Salt verlange 89 Franken für das günstigste Abo mit Roaming-Minuten und Roaming-Daten. Bei Sunrise seien es 100 Franken und Yallo 88 Franken, stellte Beyeler fest.

Schweizer Premiere

UPC gestalte ihre neuen Handyabos für Europa nun gleich wie die Anbieter in der EU, urteilte Telekomexperte Oliver Zadori von Dschungelkompass. Für den Aufpreis von 6 Franken pro Monat könne man nun innerhalb der EU unlimitiert telefonieren und gleich viel Datenvolumen nutzen, wie man es sich in der Schweiz gewohnt sei.

"Dies ist eine Schweizer Premiere", befand Zadori: Für Kunden, die oft in Europa unterwegs seien, telefonieren und/oder Daten nutzen wollten, sei das eine grossartige Sache. Laut Beyeler sind hier die Konkurrenten bei den Pauschalabos wesentlich weniger attraktiv.

Ganz abgeschafft wie in der EU werden die Roamingtarife bei UPC allerdings nicht. Die Roaming-Pauschalabos kosten pro Jahr 72 Franken mehr als jene ohne Inklusiv-Roaming.

Wie viel Umsatz die Offensive beim Roaming koste, wollte der UPC-Mobilfunkverantwortliche Christoph Weber auf Anfrage nicht sagen. Die Preissensitivität der Schweizer beim Roaming nehme zu. Die Kunden würden sich bewusster, dass die Roamingtarife bei der Konkurrenz in keinem gesunden Verhältnis zum Angebot seien.

Bei Reisen ausserhalb der EU und dem EWR kann es allerdings teuer werden. Für Kunden, die beispielsweise in den USA Daten nutzen wollten, würden sich die Abos von UPC weniger lohnen, da keine Datenpakete angeboten würden, erklärte Zadori: "Daher sollte immer ausgehend von der eigenen Nutzung verglichen werden." (mwa/sda)