Andere Bauarbeiter wurden aus verschiedenen Regionen der Deutschschweiz direkt mit dem Car zum Hauptbahnhof gefahren. Dort wollten sie sich zum gemeinsamen Mittagessen treffen.

Am Morgen hatten Bauarbeiter in der ganzen Deutschschweiz ihre Arbeit niedergelegt. Insgesamt dürften rund 300 Baustellen stillstehen, darunter über 100 im Grossraum Zürich, sagte Unia-Sprecher Mischa von Arb auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Total hätten rund 3000 Bauarbeiter aus der gesamten Deutschschweiz ihre Arbeit ruhen lassen.

Bauarbeiter demonstrieren im Zürcher Hauptbahnhof

Bauarbeiter demonstrieren im Zürcher Hauptbahnhof

Vorwürfe der GewerkschaftenDie Gewerkschaften wollen aber nicht von Streik sprechen, obwohl die Bauarbeiter ein Transparent mit der Aufschrift "Wir streiken" mitführten. Die Bauarbeiter bezögen Überzeit, um an den Protesten teilzunehmen, erklärt Kurt Regotz, Verhandlungsleiter Bau von der Gewerkschaft Syna. Es handle sich aber durchaus um eine arbeitsstörende Massnahme.

In einer Medienerklärung der Gewerkschaften Unia und Syna warfen die Bauarbeiter dem Baumeisterverband vor, die Probleme der Bauarbeiter nicht ernst zu nehmen und Lösungen zu blockieren.

Auf Zürcher Baustellen wird heute nicht gearbeitet.  Die Gewerkschaften Unia und Syna veranstalten einen Protesttag.

Auf Zürcher Baustellen wird heute nicht gearbeitet. Die Gewerkschaften Unia und Syna veranstalten einen Protesttag.

Erst am Montag hatten 3000 Bauarbeiter im Tessin ihre Arbeit auf den Baustellen ruhen lassen. Am Mittwoch sind Aktionen in der Westschweiz geplant. Der Protesttag der Gewerkschaften Unia und Syna in Bellinzona war der Auftakt einer Reihe von Protesten in der Schweiz im Arbeitskampf um den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der Branche, der Landesmantelvertrag genannt wird.

Fronten verhärtetDie Fronten im Schweizer Baugewerbe sind seit Monaten verhärtet. Die Baumeister wollen den bisherigen Landesmantelvertrag (LMV) verlängern, für Unia und Syna dagegen kommen nur Verhandlungen über einen neuen LMV in Frage - und dies zusammen im Paket mit der Lohnrunde, der Finanzierung des Rentenalters 60 sowie Massnahmen gegen Lohndumping und für besseren Gesundheitsschutz.

Bauarbeiter in Zürich Albisrieden am 10. November 2015.jpg

Bauarbeiter in Zürich Albisrieden am 10. November 2015.jpg

Der Baumeisterverband verweigert inhaltliche Verhandlungen über den Landesmantelvertrag wegen der Fachstelle "Risikoanalyse" der Gewerkschaft Unia. Diese Fachstelle prüft für Baufirmen, ob deren Subunternehmen Lohndumping begehen. Die Baumeister argumentieren, diese einseitige Überprüfung sei nicht zulässig.

Unia und Syna werfen den Baumeistern derweil Verhandlungsverweigerung vor. Kommt es bis Ende Jahr nicht zu einer Einigung, droht ein vertragsloser Zustand. Einen solchen wollen gemäss eigenen Angaben beide Seiten verhindern.

Die nächsten Verhandlungen soll es Ende November geben. Dort wollen die Baumeister aber nur über die Löhne für 2016 und den frühzeitigen Altersrücktritt sprechen - nicht aber über den Landesmantelvertrag.

Der Kantonale Gewerbeverband Zürich (KGV) kritisiert die Gewerkschaften Unia und Syna heftig: Mit den Störaktionen auf zahlreichen Baustellen im Kanton Zürich und in der Innenstadt würden die Gewerkschaften den Wirtschaftsstandort Zürich gefährden und die Sozialpartnerschaft mit Füssen treten.

Unia und Syna gehe es erneut nicht um den Schutz der Arbeitnehmenden: "Mit dem inszenierten Vorgehen betreiben sie Werbung in eigener Sache", teilte der KGV am am Dienstag in einem Communiqué mit.

Arbeitsunterbrüche und Baustellenschliessungen würden auch unbeteiligte Dritte wie beispielsweise das Baunebengewerbe treffen, die nicht Teil des Gesamtarbeitsvertrags des Bauhauptgewerbes (Landesmantelvertrag LMV) seien. "Sie leiden unter dem Streik, da sie ihre Arbeiten nicht wie geplant ausführen können", schreibt der KGV.

Der KGV habe Kenntnis, dass die Gewerkschaften die Bauarbeiter für die Teilnahme an der heutigen Demonstration mit 170 Fr. entlöhnen würden. "Dieses Vorgehen verurteilt der KGV scharf." Die Gewerkschaften setzten damit fragwürdige Anreize, instrumentalisierten die Demonstrationen für eigene Zwecke und betrieben auf Kosten der Arbeitnehmenden Mitgliederwerbung.