Fliegende Wechsel kennt man eigentlich nur vom Eishockey. Dass es auf höchster Management-Ebene wie im Eisstadion zu und her geht, ist eine Seltenheit. Der Wechsel von Guy Lachappelle ins Präsidium von Raiffeisen Schweiz ist eine solche Ausnahme. Wie letzte Woche bekannt geworden, soll der Chef der Basler Kantonalbank (BKB) am 10. November zum neuen Präsidenten des Verwaltungsrats der Raiffeisen gewählt werden. In nur zwei Monaten wird der Wechsel von Basel nach St. Gallen also vollzogen.

Eine so kurze Übergangsphase ist in der Schweizer Unternehmenswelt ziemlich einmalig. Spitzenmanager sind normalerweise an Kündigungsfristen von mindestens sechs bis zwölf Monaten gebunden. Möchte ein Firmenchef wechseln, dann reicht er ganz normal seine Kündigung sein. In der Folge wird er meist per sofort freigestellt und muss dann seine Kündigungsfrist aussitzen, bis er am neuen Ort anfangen kann. Gemäss Geschäftsbericht beträgt die Kündigungsfrist von BKB-Geschäftsleitungsmitgliedern sechs Monate.

Bei Guy Lachappelle wurde diese Regel nun über den Haufen geworfen. Dies ist umso bemerkenswerter, als der BKB-Chef zu einem direkten Konkurrenten wechselt — ein Umstand, der normalerweise zu einer besonders strengen Anwendung der Kündigungsfristen führt. Warum pocht die BKB also nicht auf Einhaltung der Kündigungsfrist und lässt ihn stattdessen einfach so ziehen? Und wieso muss sich der CEO nicht wie jeder andere Angestellte der Bank an die Kündigungsfrist halten?

Bonus beträgt 376'900 Franken

Offiziell sagt die BKB dazu, dass man sich im gegenseitigen Einvernehmen getrennt habe. Aus dem Umfeld des Verwaltungsrats heisst es aber, dass man keine andere Wahl hatte, als ihn frühzeitig ziehen zu lassen. Man habe den überstürzten Wegzug schlicht und einfach akzeptieren müssen. Offenbar befürchtete man, sich Ärger mit der Raiffeisen einzuhandeln – immerhin die Nummer drei im Schweizer Banking. Ausserdem sah man keinen Vorteil darin, einem wechselwilligen CEO die Zukunft zu verbauen. «Einen unmotivierten CEO an der Spitze der Bank zu haben, bringt niemandem was», sagt eine Quelle.

Wohl wahr. Zumal sich Lachapelle gemäss mehreren Quellen aktiv für das Amt bemüht hat. Er habe sich für das Spitzenmandat beworben. Mit 57 Jahren wollte er sich operativ zurücknehmen und eine Karriere als Verwaltungsrat einschlagen. Mit Raiffeisen als Ankermandat verspricht dies einen idealen Start.

Wenigstens wird die BKB ihrem scheidenden CEO den Abschied nicht auch noch versüssen. Wie aus dem Innern der Bank zu hören ist, muss Lachapelle auf sämtliche variablen Lohnbestandteile verzichten. Also auf den Cash-Bonus für das Jahr 2018 sowie auf die aufgeschobenen Bonus-Bestandteile, die im sogenannten EP-Cash-Plan vier Jahre gesperrt sind.

Gemäss Geschäftsbericht betrug Lachappelles Bonus für letztes Jahr 376'900 Franken, dies bei einer Gesamtentschädigung von 1,2 Millionen (inklusive Spesen und Vorsorgeleistungen). Auf die aufgeschobenen Boni muss er nicht verzichten. Gemäss Vergütungsbericht werden ihm diese trotz selbstgewollter Kündigung pro rata temporis ausbezahlt. Eine offene Frage ist, ob Raiffeisen Lachappelles Bonus-Ausfall kompensieren wird. Eine entsprechende Anfrage blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.