Herr Rosenblum, Sie sind für einige Tage am World Web Forum in Zürich. Schon bald werden Sie aber ganz in die Schweiz ziehen. Freuen Sie sich?

Schön wärs – ich würde gerne mehr Zeit hier verbringen, aber mit dem Umziehen wird es vorerst wohl nichts.

Aber alle Krypto-Experten und Firmen ziehen doch neuerdings in die Schweiz. Das liest man hierzulande zumindest regelmässig in den Medien.

(lacht) Ach ja, das Kryptovalley in Zug. In der Realität ziehen die Leute ja nicht in die Schweiz, sondern gründen einfach ihre Firma hier wegen der juristischen Rahmenbedingungen. Die Kryptofirmen gehen dorthin, wo es die besten Regulierungen gibt. Viele Unternehmen haben deshalb nur ihren Briefkasten in der Schweiz. Hier gibt es gute Rahmenbedingungen. Aber der nächste Schritt wäre es, die Teams auch tatsächlich davon zu überzeugen, Büros hier zu eröffnen.

Was kann die Schweiz tun, um das zu erreichen?

Die progressiven Regulierungen müssen sicher beibehalten werden. Alles andere ist dann von Faktoren abhängig, die sich vermutlich nicht beeinflussen lassen.

Im Moment gibt es Tausende Kryptowährungen. Wie viele davon werden langfristig überleben?

Es ist super, dass neue Währungen so einfach und unkompliziert lanciert werden können. Jedoch werden nur jene überleben, die von einem Netzwerkeffekt profitieren können, wie heute zum Beispiel Bitcoin und Ethereum. In Zukunft wird es sicher mehr als nur einen Coin geben, aber es werden fast alle Kryptowährungen sterben.

Coinbase ist eine der wichtigsten Kryptobörsen und kann damit den gesamten Markt beeinflussen. Ihr seid die «Königsmacher».

Ob wir das wirklich sind, kann man im Moment noch nicht beurteilen. Wir sind uns aber bewusst, dass viele Leute jeden Entscheid von uns als Signal interpretieren. Deshalb sind wir auch sehr vorsichtig, wenn wir neue Währungen auf unserer Plattform zum Kauf anbieten.

Als ihr vor kurzem den Handel mit «Bitcoin Cash» ermöglicht habt, ist der Kurs innerhalb einer Stunde um 700 Prozent angestiegen. Da wart ihr wohl nicht vorsichtig genug?

Nein, das waren wir nicht. Es ist aber auch sehr herausfordernd, weil viele Leute innerhalb der Firma über so etwas Bescheid wissen müssen, das Ganze aber auf keinen Fall nach aussen dringen darf. Wir haben die Lancierung unterschätzt und spürten die Konsequenzen. Daraus haben wir aber viel gelernt.

Sie wussten im vornherein Bescheid. Wie viel haben Sie mit diesem Insiderwissen verdient?

Nichts. Ich kaufe fast keine neuen Anlagen mehr, genau aus diesem Grund. Wenn ich immer bei den neusten Trends mitmache, dann sieht das schnell nach Insider-Handel aus. Und dafür den Ruf meiner Firma aufs Spiel zu setzen, das wäre idiotisch. 

Mit Kryptowährungen sind viele Leute innerhalb kurzer Zeit sehr reich geworden. Sie auch?

Dazu kann ich nichts sagen. Ich glaube aber auch, dass die Anzahl der Krypto-Millionäre oftmals völlig falsch eingeschätzt wird. Es geht vergessen, dass viele Leute, die sich schon sehr früh mit der Technologie beschäftigten – Bastler, Studenten, Nerds –, gar nicht das finanzielle Kapital hatten, um viel zu investieren. Deshalb hat man jetzt ein ziemlich falsches Bild, was den Reichtum der Krypto-Enthusiasten angeht. 

In Zukunft sollen Kryptowährungen dezentral getauscht werden, also ohne zentrale Plattformen wie Coinbase. Wird das euer Ende?

Wenn man eine dezentrale Börse nutzt, trägt man selber die komplette Verantwortung. Wir hingegen bieten eine sichere Plattform und einen aktiven Support, ähnlich wie eine Bank. Dem Durchschnittsbürger wird das immer wichtig sein. Deshalb mache ich mir im Moment keine Sorgen.