Herr Sutter, Sie haben gestern das neue, 80 Millionen Franken teure Logistikzentrum von Microspot.ch und Interdiscount in Jegenstorf BE eröffnet. Dort haben Sie Platz für 30 000 Artikel. Fühlen Sie sich damit gerüstet für den Kampf gegen Amazon und Galaxus?

Joos Sutter: Ja, wir sind gut aufgestellt. Man muss sehen: Wir erzielen schon heute einen Umsatz von 2 Milliarden Franken mit Heimelektronik. Mehr macht in der Schweiz keiner. Ein Fünftel davon setzen wir online um. Interdiscount entwickelt sich vor allem gut in Bezug auf die Verknüpfung vom stationären und dem Online-Geschäft. 40 Prozent der Leute, die einen Artikel im Webshop von Interdiscount bestellen, holen ihn in einer der rund 180 Filialen ab.

Und Microspot?

In den letzten vier Jahren konnte die Firma den Umsatz auf 210 Millionen Franken verdoppeln. Die Ausgangslage stimmt also. Und jetzt brauchte es mit dem neuen Logistikzentrum den nächsten grossen Schritt. Denn schöne Homepages reichen nicht aus. Nun betreiben wir ein grosses Kernsortiment; von Staubsaugern, über Drucker bis hin zu Kaffeemaschinen.

Sie wollen vor allem das Angebot von Microspot stark ausweiten auf 260 000 Artikel bis Ende 2019. Das ist aber deutlich weniger als bei der Migros-Tochter Galaxus. Dort sollen es bald über 2 Millionen sein.

Wir haben dieses Zahlen-Spiel ja bis vor kurzem auch mitgespielt bei unserem Online-Warenhaus Siroop. Dank Drittanbietern hatten wir über eine Million Artikel im Sortiment. Fakt ist, dass bei allen Online-Warenhäusern einige wenige Händler auf der Plattform den grössten Umsatzkuchen generieren. Mit Microspot können wir dieses wichtige Kernsortiment nun selber organisieren, einen schnellen Lieferservice garantieren, und die Kunden werden ihre Pakete in hunderten von Coop-Filialen abholen können.

Die Sortimentsbreite ist dennoch wichtig, um die Kunden anzulocken.

Natürlich. Deshalb werden auch wir mit weiteren Händlern das Gespräch suchen, die auf Microspot ihre Ware verkaufen könnten. Als erstes sprechen wir mit unseren Partnern von Siroop.

Bleiben wir bei Siroop, bei dem Sie nach zwei Jahren kürzlich den Stecker zogen. Was lief falsch?

Siroop war eine Investition in ein Start-up Und wie bei jedem Start-up kommt der Moment, wo man sich fragen muss, welche Teile man davon in der Gesamtorganisation gut gebrauchen kann, und welche nicht. Bei Siroop hatten wir wie gesagt über eine Million Artikel und einige hunderttausend Kunden. Und wir konnten viel Know-how beim Personal binden...

...aber?

Wir mussten uns fragen, ob es Sinn macht, weiterhin mit zwei Marken, Microspot und Siroop, zu werben. Wir kamen zum Schluss: Nein. Und ich denke, mit dieser Erkenntnis werden wir in der Branche nicht die Einzigen bleiben.

Diese Erkenntnis hätte man schon beim Start 2016 haben können.

So funktioniert die Start-up-Welt nicht. Es braucht ein gewisses Risiko, aber auch den Mut, aufzuhören, oder das Ganze, wie in unseren Fall, zu integrieren.

Was hat das Siroop-Abenteuer, das Sie zusammen mit der Swisscom lanciert hatten, gekostet?

Wir waren bei unseren Investitionen im Branchenvergleich vernünftig unterwegs. Und wir werden auch weiterhin in Start-ups investieren. Als grosses Unternehmen müssen wir offen bleiben, solche Schritte zu wagen, die in Zeiten der Digitalisierung nötig sind.

In der Branche war die Rede von bis zu 50 Millionen Franken.

Diese Zahl möchte ich nicht kommentieren. Aber nochmals: Es war eine vernünftige, vertretbare Investition.

Mit Microspot verfolgen Sie nun eine ähnliche Strategie wie mit Siroop: Sie wollen bald auch Büromaterial, Kosmetik und Spielwaren anbieten – mithilfe Ihrer Tochterfirmen wie Import Parfumerie, Coop City und Lumimart?

Zuerst sprechen wir mit den bisherigen Siroop-Partnern, die mit uns erfolgreich waren. Und ja, danach werden wir Schritt für Schritt Sortimente aus unseren eigenen Kanälen aufnehmen.

Galaxus verkauft zunehmend auch Mode und greift damit Zalando an. Wird Mode auch für Microspot zum Thema?

Mode wird für uns ein Thema sein, aber erst wenn unsere Kernsortimente gut funktionieren.

Aber mal ehrlich: Beim Namen Microspot denkt kaum einer an Röcke, Shirts und Unterwäsche.

Wir glauben, dass sich der Name bei der Online-Kundschaft schnell einprägt. Meist sind es ohnehin Fantasie-Namen. Viel wichtiger sind der gute Service, die kurze Lieferzeit, das Sortiment, und so weiter.

Trotzdem blieb der Name Siroop bei der Kundschaft offensichtlich zu wenig im Gedächtnis der Kundschaft kleben.

Mir gefiel der Name Siroop. Aber nun setzen wir voll auf Microspot.

Aussen vor – so macht es den Anschein – bleibt bei dieser Strategie Ihr dritter Elektronikhändler Fust. Ein Verkäufer in einer Zürcher Filiale meinte kürzlich im Gespräch, dieses Jahr seien die Umsätze nochmals deutlich stärker zurückgegangen. Welche Rolle spielt Fust in Zukunft?

So viel vorweg: Fust liegt per April deutlich über Vorjahr! Die Firma verkauft in erster Linie so genannte Weissware, also Haushaltsgeräte wie Kühlschränke, Klimaanlagen und Waschmaschinen. In diesem Bereich ist Fust absoluter Marktführer und gewinnt Marktanteile. Natürlich kann es im stationären Bereich wegen der Onlinekonkurrenz zu einer Bereinigung der Filialen kommen. Aber Fust ist hier die Nummer 1 und wird dies auch bleiben. Da gibt es andere grosse Konkurrenten, die deutlich rote Zahlen schreiben. Bei unseren Mitbewerbern rechne ich durchaus mit einer Filialbereinigung.

Wie läuft es Coop generell im laufenden Geschäftsjahr?

Wir sind sehr gut unterwegs, liegen umsatzmässig über Vorjahr. Der grosse Kampf ist die Rentabilität. Kurz gesagt: Wir machen es recht ordentlich in einem sehr anspruchsvollen Markt.

Auch weil viele Schweizer weiterhin im Ausland einkaufen?

Natürlich. Wobei wenn man sich die aktuellsten Statistiken der deutschen Zollverwaltung ansieht, muss man sagen, dass der Einkaufstourismus seinen Zenit wohl überschritten hat. Aber die ausländische Konkurrenz bleibt ein Fakt.

Apropos Konkurrenz: Haben Sie inzwischen den neuen Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen kennengelernt?

Ja, ein sehr sympathischer Herr. Ich hatte es aber auch gut mit seinem Vorgänger Herbert Bolliger.