Wo sich jahrelang Plüschtierchen im Franz Carl Weber an der Zürcher Bahnhofstrasse türmten, reihen sich nun schicke Skijacken und Hosen entlang kahler weisser Wände.

Die Schweizer Edel-Skimarke Kjus hat diese Woche ihren ersten Pop-up-Store weltweit an der Zürcher Bahnhofstrasse eröffnet. Damit ist das Skilabel zum ersten Mal mit eigenem Laden abseits der Alpen vertreten. Dieser ist bis März geöffnet und dient als Testumfeld, um die Nachfrage nach den Hightech-Tenues und Freizeitjacken im Unterland zu messen. Denn: Langfristig will Kjus mit einem Laden in Zürich Fuss fassen. Wie in den Alpen sind auf dem urbanen Pflaster im Luxus-Segment aber auch grosse Anbieter wie Bogner oder Spyder vertreten. Sie buhlen ebenfalls mit immer neuen Erfindungen um die Gunst der kaufkräftigen Wintersport-Klientel.

Man setzte auf die besten Materialien, um die Jacken möglichst flexibel und bequem zu machen, sagt Kjus-Firmenchef Nico Serena. Praktisch alle Jacken bestünden aus eigenen Stoffen, die ein japanischer Hersteller für die Schweizer produziere. Seit letzter Saison bietet die Zuger Firma eine Jacke, bei der alle Materialschichten gestrickt sind. «Das ist die Hightech-Variante des früheren Skipullovers», so Serena. «Damit erzielen wir eine maximale Bewegungsfreiheit auf der Piste.» Die wasserfeste und atmungsaktive Variante des alten Wollpullis hat ihren Preis: 1200 Franken.

Als Vater Didi Serena zusammen mit dem norwegischen Skirennfahrer Lasse Kjus 2000 das neue Label lancierte, war ungewiss, ob sich die funktionalen Jacken über 1000 Franken wirklich verkauften. «Wir haben seither gezeigt, dass das geht», sagt Nico Serena. Anfang Jahr hat er von seinem Vater die Geschäftsführung übernommen.

Nun will Serena mit Kjus einen Schritt weiter gehen. Wie in anderen Branchen ist die Digitalisierung auch in der Textilindustrie angelangt. Algorithmen und smarte Maschinen ersetzen zunehmend den Schneider auf Mass. Zurzeit suche man einen App-Partner, mit dem Kunden ihre Körpermasse einscannen und Kjus zur Fertigung zuschicken können, so Serena.

Didier Cuche tüftelt mit

Eine entsprechende Maschine, die individuell nach Mass und Muster strickt und wasserfest beschichtet, stehe bereits in Italien. Künftig, so hofft Serena, soll sie bis auf den Reisverschluss ganz ohne Nähte stricken. Die Alleskönner-Maschine kostet eineinhalb Millionen Franken, wobei die Anpassungsprozesse nicht berücksichtigt sind. Bis spätestens in fünf Jahren will Serena den On-Demand-Service zu den Kunden bringen. Trotz mehr Technologie und Service. So stellt Serena in Aussicht: Die massgestrickten Jacken sollen nicht teurer als die aktuellen Modelle werden.

Die Zukunft ist digital. Warum investiert Kjus dann noch in teure Ladenflächen an der Zürcher Bahnhofstrasse, wenn bald jeder online seine Masse übermitteln und die massgeschneiderte Ware in Empfang nehmen kann? «Der direkte Kundenkontakt ist für uns heute und morgen extrem wichtig», so Serena. Dieser sei auch im digitalen Zeitalter zentral, um die Produkte weiteentwickeln zu können. Kein Algorithmus könne das ersetzten.

Einer, der Serena regelmässig am Telefon seine Verbesserungsvorschläge durchgibt, ist Didier Cuche. Der ehemalige Skistar ist Markenbotschafter von Kjus und hat schon praktisch alle Ausrüstungsmodelle ausprobiert. Bis auf die zwei Minuten Abfahrtszeit beim Skirennen sei die meiste Skiausrüstung einfach zu unbequem für Leute, die abseits des Spitzensports sportlich Ski fahren wollen, sagt Cuche. Mit den Hightech-Tenues von Kjus ist der Skiprofi ziemlich zufrieden. In den Regalen des Zürcher Pop-up-Stores hängt sein eigenes Cuche-Modell, sein Konterfei-Logo auf dem Innenfutter am Rücken. Mit einem Preis von knapp 1800 Franken ist diese Jacke wohl eher Liebhaberobjekt und nicht der nächste Kassenschlager.