Die UBS will künftig nicht mehr, dass sich Mitarbeiter während der Arbeitszeit auf dem Finanzblog «Inside Paradeplatz» tummeln. Ausser, sie machen eine Social-Media-Schulung. Deshalb hat die Grossbank den Zugang auf die Seite von den Geschäftscomputern eingeschränkt, wie sie bereits vorher diverse Social-Media-Seiten gesperrt hat.

Die offizielle Begründung der UBS: Der Finanzblog sei eine Social Media-Seite und deshalb gleich zu behandeln. Das ist aber wohl nur der vorgeschobene Grund. Viel mehr dürfte es die UBS stören, dass ihre Mitarbeiter Zugriff auf einen Blog haben, der in regelmässigen Abständen über die Grossbank berichtet – oftmals negativ.

Der Blog wird von Lukas Hässig geführt, der 2017 vom Branchenmagazin «Schweizer Journalist» zum Wirtschaftsjournalisten des Jahres gewählt wurde.

Ganz alleine mit ihrer Haltung ist die UBS nicht. Auch Konkurrent Credit Suisse sperrt Social-Media-Seiten. Welche das sind, sagt ein Sprecher der CS auf Nachfrage nicht. «Social-Media-Plattformen, die primär der privaten Nutzung dienen, sind über das Firmennetzwerk nicht zugänglich», heisst es bloss. Ob sich die Credit Suisse der UBS angeschlossen hat und ebenfalls den Finanzblog «Inside Paradeplatz» gesperrt hat, beantwortet die Grossbank nicht.

Ein Umdenken findet beim Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen EY in der Schweiz statt. Dort überarbeitet man momentan die Richtlinien für den Umgang mit Blogs und Social Media. «Grundsätzlich haben wir eine sehr liberale Haltung», sagt der CEO des Schweizer EY-Ablegers Marcel Stalder.

Die Firma behalte sich in Zukunft aber vor, gewisse Seiten zu sperren, wenn sie den von EY festgelegten Prinzipien nicht gerecht werden. Für Stalder ist vieles, was auf «Inside Paradeplatz» geschaltet ist, schlicht unseriöser Journalismus. So auch die Berichte über EY.

Das Unternehmen sowie deren Schweiz-Chef Stalder sind immer wieder im Visier von «Inside Paradeplatz». Zudem sei es eine Kostenfrage: «Wenn die Mitarbeiter ständig auf Onlineportalen sind, die nicht geschäftsrelevant sind, kann sich das negativ auf die Produktivität auswirken», sagt Stalder. Bis jetzt sei man aber mit dem Grundsatz der Eigenverantwortung gut gefahren.

Smartphone als Ausweg

Doch nicht alle Firmen sind so strikt im Umgang mit Facebook und Co., wie eine Umfrage der «Nordwestschweiz» bei Schweizer Unternehmen zeigt. Aber sie haben weitgehende Richtlinien, wie sich Angestellte auf Social Media zu verhalten haben – auch privat.

Dass Social-Media-Seiten über den Geschäftscomputer nicht erreichbar sind, das hörte man vor Jahren noch viel mehr. Verkannt wurde dabei, dass die Mitarbeiter einfach auf ihren Smartphones während der Arbeitszeit die Social-Media-Kanäle verwalten können. Wohl auch deshalb klingt es vielerorts anders als bei UBS und CS.

So etwa bei Novartis: «Social-Media-Seiten sind bei uns frei zugänglich», sagt Firmen-Sprecher Daniel Zehnder auf Anfrage. Auch Novartis steht regelmässig im Fokus von Hässigs Berichten. Bei der Raiffeisenbank werden weder «Inside Paradeplatz» noch Social-Media-Seiten gesperrt.

Grund genug hätten die Raiffeisen-Oberen, um den unliebsamen Blog zu blockieren: Am Anfang des Verfahrens rund um den ehemaligen Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz stand eine Enthüllung von «Inside Paradeplatz».

Während also Seiten wie Facebook und Twitter frei zugänglich sind, wird aus anderen Gründen der Zugang zu gewissen Websites gesperrt. «Die Post sperrt für Mitarbeitende ausschliesslich Internetseiten, die problematisch oder anstössig sind», sagt Post-Sprecherin Léa Wertheimer auf Anfrage.

So beispielsweise Seiten mit gesetzeswidrigen oder radikalen Inhalten. Ähnlich klingt es bei der Migros: Dort werden Websites gesperrt, welche strafbare Inhalte verbreiten. Zudem werden in vielen der befragten Firmen Seiten mit pornografischem Inhalt blockiert.

Die Unternehmen von Nestlé über die Swisscom bis hin zur SBB sind sich denn auch einig: Man vertraue den Mitarbeitern und setze auf deren Eigenverantwortung. Diese wird gestützt durch interne Schulungen und Richtlinien, wie sich die Mitarbeiter zu verhalten haben auf Social-Media-Kanälen.

Die Angst vor dem Ferienbild

Die SBB haben zu diesem Zweck extra ein Video angefertigt, das die Grundregeln im Umgang mit Social Media festlegt. Die Botschaft ist klar: Alle Mitarbeiter, seien sie auch privat auf Social Media unterwegs, sollen vorsichtig sein. Denn: «Auch wenn Sie Social Media lediglich privat nutzen, kommt es vor, dass Sie auf berufliche Kontakte stossen oder mit Fragen zur SBB konfrontiert werden», heisst es in den SBB-Richtlinien. «Dann ist es gut, wenn Ihnen Privates nicht peinlich sein muss», heisst es weiter.

Untermalt wird diese Aussage im Video mit einer stilisierten Ferienfoto-Aufnahme eines Mannes in Badehose und Strohhut. Wenn die Mitarbeiter sich nun privat zur SBB äussern, sollen sie stets klarmachen, dass sie dort angestellt sind und die eigene Meinung vertreten.

Der Hintergrund solcher Regelungen ist klar: Wer bei einer grossen Firma angestellt ist, wird auch privat Botschafter der Firma. Die Rollen verschmelzen, wie etwa die Post in ihrem Social-Media-Knigge schreibt. Vor allem dort, wo schriftliche Äusserungen zur Firma ohne grösseren Aufwand für alle Welt zu sehen sind, sind die Unternehmen entsprechend vorsichtig.