Besonders das letzte Jahr ist den Schweizer Weinbauern noch in schlechter Erinnerung. 79 Millionen Liter schauten heraus – fast 30 Millionen Liter weniger als ein Jahr zuvor. Was gleichbedeutend ist mit dem tiefsten Wert seit 1978. Frostnächte, welche im letzten Jahr noch auf die Traubenmenge schlugen, blieben in diesem Jahr gänzlich aus. Im Gegenteil: Bereits der April war warm, was den Pflanzen einen ersten Wachstumsschub verlieh.

Während in Teilen Deutschlands bereits die Ernte im Gange ist, warten die Winzer in der Schweiz noch ab. Vivian Zufferey, Weinexperte von der Forschungsstelle Agroscope, geht davon aus, dass frühreife Sorten wie Blauburgunder Mitte September geerntet werden. Die Norm wäre im Oktober. «Wir werden in der ersten Septemberwoche mit der Weinlese beginnen. So früh wie noch nie», sagt Martin Wolfer, der in Weinfelden TG ein Weingut bewirtschaftet.

Weil die Trauben bereits einen sehr hohen Reifegrad aufweisen würden, sei es wichtig, dass sie nicht zu spät geerntet werden, so Wolfer. Auch andere Weinproduzenten etwa aus den Kantonen Neuenburg, Zürich oder St. Gallen melden auf Anfrage, dass man schon bald mit der Ernte beginne. Noch besteht jedoch eine Gefahr für die Trauben. Zu viel Regen bis zur Ernte würde Pilzkrankheiten begünstigen.

Aber: «Die meteorologischen Voraussagen sind positiv für den Rebbau. Grosse Niederschlagsmengen sind nicht zu erwarten bis zur Ernte», sagt Vivian Zufferey. Gerade Rebsorten wie Pinot noir sind sehr anfällig auf Pilzbefall. Dem arbeitet Agroscope seit Jahren entgegen – etwa mit der Lancierung der neuen pilzresistenten Traubensorte Divico.

Mehr Roten, weniger Weissen

Höhere Temperaturen dürften in Zukunft dafür sorgen, dass rote Traubensorten den Schweizer Weinbau noch stärker dominieren als bis anhin. Der Klimawandel sei für den Schweizer Weinbau allgemein eine grosse Chance, sagt Weinexperte Zufferey. Allerdings sei dies kein Selbstläufer. Gerade sehr warme, aber zusätzlich nasse Jahre begünstigen den Pilzbefall.

Sehr warme und sehr trockene Jahre haben einen Einfluss darauf, welche Traubensorten in Zukunft noch in der Schweiz gedeihen. Die Tendenz ist seit Jahrzehnten: weniger Weisswein, mehr Rotwein. Denn weisse Rebsorten seien relativ anfällig auf Trockenheit. «Das ist schade. Aber noch haben wir sehr gute Regionen für Schweizer Weisswein.» Der Trend hin zu mehr Rotwein und weniger Weisswein aus der Schweiz dürfte in Zukunft laut Zufferey allerdings weitergehen.

Auch sonst könnte es zu Verschiebungen kommen: So ist es etwa für Pinot-noir-Trauben in gewissen Gebieten bereits zu heiss. Deshalb forscht Agroscope, ob die Sorte auch in höheren, sprich frischeren, Lagen wächst. Dafür seien relativ hohe Temperaturen in der Schweiz für Sorten wie Syrah und Merlot optimal, sagt Zufferey.

Das Anbaujahr 2018 sei ein aussergewöhnlich gutes Jahr im ganzen Land, sagt Zufferey. Die Wetter-Bedingungen für den Weinbau waren in diesem Jahr optimal. Doch auch wenn es das Wetter zugelassen hätte: Eine Überproduktion wird es nicht geben. Die Winzer haben reagiert. «Dieses Jahr brauchte es eine Ertragsregulierung», sagt Zufferey.

Das heisst: Bereits in der Wachstumsphase wurden die Früchte ausgedünnt. Was einen positiven Einfluss auf die Qualität habe, sagt Zufferey. Wegen der Trockenheit hätten die Pflanzen in einigen Anbaugebieten zwar relativ kleine Beeren, aber von guter Qualität.

Wie der Wein schmecken wird, weiss man aber noch nicht. Andreas Stössel, der unter anderem am Zürichsee und im Rheintal Trauben anbaut, sagt: «Wir erwarten aromatisch betrachtet eine ungewöhnliche Ernte. Wir sind selber gespannt.» Für Vivian Zufferey ist wahrscheinlich, dass gerade der Rotwein mit Jahrgang 2018 ein aussergewöhnlich guter Wein sein wird. Der Hitzesommer 2018 wird den Konsumenten wohl also noch ein paar Mal, gekeltert und verzapft, in gute Erinnerung gerufen.