Eingekauft wurde vor einem Jahrzehnt noch im Laden um die Ecke. Mittlerweile können ein neues Fernsehgerät, Nespresso-Kapseln oder trendige Sommeroutfits per Mausklick nach Hause geliefert werden. Onlinehändler wie digitec.ch, Nespresso und Zalando haben Hochkonjunktur. Laut Schätzungen aus dem Jahr 2014 haben diese drei Händler Umsätze von 300 bis 500 Millionen Franken generiert. 

Nach einer Studie des Verbandes Schweizerischer Versandhandel ist der Onlineversand im letzten Jahr um 7,5 Prozent gestiegen. Privatpersonen haben damit für über 7,2 Milliarden Franken Waren im Internet bestellt – darunter Heimelektronikprodukte im Wert von über 1,5 Milliarden Franken sowie Kleider und Schuhe für knapp 1,4 Milliarden Franken.

Die Schweizer Post profitiert vom bequemen Einkauf von zu Hause aus – und wie: 2015 haben sie den Kunden insgesamt 115 Millionen Pakete nach Hause geliefert. Das sind rund vier Millionen Pakete mehr als noch im vergangenen Jahr.

Onlinehandel sorgt für Paketboom

Auf den ersten Blick scheinen diese Zahlen erfreulich, aber: «Der Paketboom kann die Mengen, die wir beim Brief verlieren, nicht kompensieren», sagte Post-Chefin Susanne Ruoff gestern in Bern anlässlich der Präsentation der Zahlen.

Es sind vor allem elektronische Güter und Kleider, die in Form von Paketen über die Post zum Kunden nach Hause geliefert werden. Auch Retourenpakete von den Kunden zum Anbieter haben inzwischen ein rechtes Volumen angenommen. Auch sie sie generieren wichtige Einnahmen für die Post.

Experten sind sich sicher: Nur eine Verschlechterung der Wirtschaftslage könnte sich auf die bestellte Ware im Internet und damit für die Post rasch auf den Paketversand umschlagen. Dieter Bambauer, Leiter der Sparte PostLogistics, rechnet jedoch mit einer jährlichen Zunahme von rund zwei Prozent bei den versandten Paketen.

Trotz dieser positiven Aussichten leidet der Paketversand der Post. Und zwar unter steigendem internationalen Wettbewerb und hohem Preisdruck: «Unternehmen wie Amazon oder Alibaba verdienen ihr Geld mit dem Inhalt der Pakete und nicht mit dem Versand,» sagt Dieter Bambauer dazu. Im Vergleich dazu sei bei der Post der Versand die Haupt-Einnahmequelle.

Der Druck für die Post nimmt also zu. In Deutschland hat der Versandhändler Amazon die Logistik bereits horizontal in das Geschäftsmodell integriert: Der Kauf per Mausklick bis zur Auslieferung erfolgt aus einer Hand. In den USA werden künftig gar 20 Transportflugzeuge für Amazon unterwegs sein. Kommt hinzu, dass Grosskunden bei der Post von Rabatten und Spezialpreisen profitieren.

Lieferungen rund um die Uhr

Damit die Post hier weiterhin mithalten kann, muss sie dafür sorgen, dass die Pakete unbeschädigt und pünktlich beim Kunden zu Hause eintreffen. Solange seien Anbieter wie Amazon auch gewillt, ihre Pakete über die Post zuzustellen, sagt Bambauer: «Deshalb bieten wir unseren Kunden Lösungen wie PickPost, 24-h-Postautomaten und eine Vielzahl anderer Lösungen an, um den Onlinehandel zu stimulieren.» Die neuen Abholstationen ermöglichen die Paketzustellung während 24 Stunden, an 7 Tagen die Woche, über das ganze Jahr hinweg.

So versuche man, den Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden. Diese wollen heute deutlich weniger «auf die Post gehen», sondern wünschen, dass die Post zu ihnen kommt – egal, wo sie gerade sind.