Herr Soudah, die Credit Suisse hat gestern bekannt gegeben, dass sie einen Teil des Schweizer Geschäfts an die Börse bringen möchte. Was steckt dahinter?

Ray Soudah: Es geht darum, dass sich die Credit Suisse (CS) neu strukturiert und frisches Kapital besorgen kann. Dass sie einen Teil an die Börse bringt, ist ein sehr intelligenter Schritt, den ich übrigens erwartet habe. 

Wieso?

Die heutigen CS-Aktionäre profitieren von diesem Schritt. Die Bewertung ihrer Aktien leidet unter der Tatsache, dass die Bank eine so grosse Investmentbanking-Einheit hat. Die Bewertung der beiden Firmen zusammen wird künftig um einiges besser sein, als wenn die Teile wie heute gemeinsam an der Börse gehalten werden. Ich erwarte von der CS übrigens noch weitere Schritte in diese Richtung.

An welche denken Sie?

Es ist gut möglich, dass die CS auch ihr Asien-Geschäft in ein paar Jahren separat an die Börse bringt. Auch da geht es letztlich darum, dass die Bewertung der einzelnen Teile auf diese Weise verbessert wird.

Wieso genau muss sich die Grossbank frisches Kapital besorgen?

Das ist nötig weil der Regulator, also die Behörden, neue Vorschriften erlassen haben. Sie verlangen mehr Kapital und — das wurde gestern klar — eine höhere ungewichtete Eigenkapitalquote («Leverage Ratio»). Ähnliche Sch<writte haben auch die Deutsche Bank, Barclays oder auch in der Vergangenheit die UBS angekündigt. Die Credit Suisse wird gleichzeitig ihr Investmentbanking-Geschäft verkleinern. Auch dies haben andere Banken vorgemacht.

Die Credit Suisse sagt, sie könne auch mit der neuen Schweiz-Einheit aktiv andere kleinere Privatbanken kaufen.

Das mag schon sein. Die sogenannte Konsolidierung findet statt. Kleinere Banken werden von grösseren aufgekauft. Doch im Moment steht für die CS mit dem gestern angekündigten Schritt etwas anderes im Vordergrund.

Gibt es denn Schweizer Banken auf dem Markt, die die CS kaufen könnte? Man spricht ja immer wieder von einem Zusammengehen mit den beiden Privatbanken Julius Bär oder Vontobel.

Derzeit gibt es tatsächlich wenige Banken auf dem Markt, die zu einem vernünftigen Preis zu kaufen wären. Die Privatbank Vontobel ist nicht zu verkaufen, da sie einen Ankeraktionär hat. Die Aktien von Julius Bär sind derzeit zu teuer. Deshalb erwarte ich keine rasche Änderung. In ein, zwei Jahren sieht es möglicherweise schon anders aus.

Dann wäre also die Julius Bär zu haben?

Ich gehe davon aus, dass der Verwaltungsrat und die Aktionäre ein entsprechendes Kaufangebot sehr genau prüfen werden müssen.

Das Investmentbanking der Credit Suisse wird, so konnte man gestern hören, redimensioniert. Hätte man diesen Teil nicht einfach verkaufen können?

Nein, hier gibt es keine Käufer, die diesen Bereich kaufen wollen. Man hat hier eine grosse Chance verpasst, nach der Finanzkrise. Dann hätte man viele Investmentbanken kaufen können. Doch dieser Zug ist jetzt abgefahren. Wir hatten in diesem Bereich zu lange «Good-News-Banker», solche also, die in guten Zeiten gross geworden sind. Nun muss man die Einheiten verkleinern. Dieser Prozess ist etwa bei der UBS auch noch nicht ganz abgeschlossen.

Das heisst?

Auch hier wird es zu weiteren Abbauschritten im Investmentbanking kommen.